idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
21.02.2023 09:30

Bargeldversorgung im Krisenfall resilienter machen: Forschungsprojekt legt ganzheitliches Sicherheitskonzept vor

Patricia Petsch M. A. Unternehmenskommunikation
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS

    Im Forschungsprojekt »Resilienz der Bargeldversorgung – Sicherheitskonzepte für Not- und Krisenfälle (BASIC)« hat ein Verbund aus Wissenschaft und den wichtigsten Akteuren im Bargeldkreislauf bzw. der Bargeldlogistik den Bargeldkreislauf auf seine Resilienz hin untersucht und über die Zeit Empfehlungen herausgearbeitet, wie dieser widerstandsfähiger gestaltet werden kann. Forschende der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS haben einen Optimierungsalgorithmus zur Bestimmung zentraler Bargeldbezugspunkte in Deutschland beigetragen. Nach drei Jahren Forschung veröffentlicht das vom BMBF geförderte Projekt die Ergebnisse nun in Form eines Sicherheitskonzepts.

    Die Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen
    Im Falle einer Naturkatastrophe oder einer vom Menschen verursachten Krise, eines Stromausfalls oder auch eines Ausfalls des IT- und Kommunikationsnetzes funktionieren elektronische Zahlungssysteme in der Regel nicht mehr. Jeder wirtschaftliche Tausch muss in diesen Fällen mithilfe von Bargeld erfolgen. Die Möglichkeit, auch in Not- und Krisenfällen weiter wirtschaften zu können ist wichtig.

    Glücklicherweise hat Deutschland nur wenig Erfahrung mit Krisen dieses Ausmaßes. Doch die jüngsten Entwicklungen wie der russische Krieg in der Ukraine und Unsicherheiten bei der Energieversorgung haben solche Szenarien wahrscheinlicher werden lassen. Hierfür gilt es rechtzeitig vorbereitet zu sein.

    Bargeldversorgung resilienter machen – Schnittstellen besser absichern
    Die Akteure des Bargeldkreislaufs verfügen über eigene Notfall- und Krisenkonzepte. Diese sind in den meisten Fällen auch inhaltlich umfassend aufgestellt. Defizite hingegen bestehen bei der gegenseitigen Berücksichtigung der anderen Akteure in diesen Konzepten bzw. der Kenntnis darüber, wie sich andere Akteure im Not- und Krisenfall verhalten werden. Im Not- und Krisenfall sind daher Probleme bei der Kooperation der Akteure erwartbar, mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Aufrechterhaltung der Bargeldversorgung. Das Verständnis der Bargeldakteure für die Anforderungen der jeweils anderen ist also von zentraler Bedeutung für die erfolgreiche Notfall- und Krisenbewältigung. Daher hat das Sicherheitskonzept diese Schnittstellen in den Fokus gestellt.

    Es wurde gemeinsam und ganzheitlich von Bundesbank, Geschäftsbanken, Handelsunternehmen, Geld- und Wertdienstleistern sowie Forschungseinrichtungen entwickelt, ist auf einen langfristigen Zeitraum ausgelegt und berücksichtigt alle involvierten Akteure und deren Bedarfe.

    Optimierungsalgorithmus zur Bestimmung zentraler Bargeldbezugspunkte in Deutschland als Bestandteil des Sicherheitskonzepts
    Im Not- und Krisenfällen können häufig nicht mehr alle Bargeldbezugspunkte (Geldautomaten und Filialen der Kreditinstitute) wie gewohnt betrieben werden, da es beispielsweise an notwendigen Ressourcen fehlt (z. B. Personal bei Geld- und Wertdienstleistern) oder Bargeldbezugspunkte ausfallen. Das Konzept verweist daher auf einen von der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS entwickelten Optimierungsalgorithmus.

    Die Forschenden bestimmen für gewisse Szenarien mit mathematischer Optimierung die optimale Bargeldbelieferung: Sie zeigen auf, welche Daten für eine Optimierung im jeweiligen Krisenfall vorliegen müssen. Und sie berechnen auf Basis der verfügbaren Daten die relevantesten Bargeldbezugspunkte, um diese priorisiert beliefern oder z. B. mit Notstromaggregaten krisensicher ausstatten zu können.

    Auf diese Weise gibt der Optimierungsalgorithmus eine individuell an die Situation anpassbare Empfehlung, welche Bargeldbezugspunkte im Krisenfall mit hoher Priorität in Betrieb gehalten werden sollten. Mittels mathematischer Optimierung kann somit durch eine faire Abdeckung an Bargeldbezugspunkten und einen optimalen Ressourceneinsatz ein Beitrag dazu geleistet werden, im Krisenfall die Bargeldversorgung bis zum Verbraucher aufrechtzuerhalten.

    Verbesserung des Informationsaustauschs und Kommunikation
    Das Konzept zielt insbesondere darauf ab, die Geld- und Wertdienstleister – als zentrale Akteure des Bargeldkreislaufs mit Schnittstellen zu allen anderen Akteuren – sowie auch alle anderen Akteure des Bargeldkreislaufs in die Lage zu versetzen, ggf. ihre bestehenden Konzepte zur Notfall- und Krisenvorsorge gemeinsam mit den anderen Marktteilnehmern weiterzuentwickeln, um ihre Arbeitsprozesse weiter abzusichern.

    Ferner verweist das Konzept auf das Projekt CARE der Deutschen Bundesbank. Im Rahmen von BASIC wurde der Grundstein gelegt, um den Informationsaustausch und die Kommunikation bei Störungen, Notfällen und Krisen inkl. eines Lagebildes im Bargeldkreislauf spürbar weiterzuentwickeln. Mit dem Projekt CARE („Cash Resilience“) wird eine Anwendung für Not- und Krisenfälle entwickelt, die in ihrer Endausbaustufe entscheidungsrelevante Daten aller professionellen Bargeldakteure enthält.

    Vorstellung der Projektergebnisse – das Sicherheitskonzept
    Die Ergebnisse in Form des Sicherheitskonzepts sind nun auch online verfügbar – das Sicherheitskonzept steht hier zum kostenfreien Download bereit: www.scs.fraunhofer.de/basic-sicherheitskonzept.

    Hier sowie auch auf der Projektwebsite https://bargeldversorgung.org/ finden sich darüber hinaus weitergehende Informationen und Projektergebnisse.

    Das Forschungsprojekt BASIC
    Das Konsortialprojekt »Resilienz der Bargeldversorgung – Sicherheitskonzepte für Not- und Krisenfälle (BASIC)« wird von der Bundesregierung im Rahmen des Programms »Forschung für Zivile Sicherheit« und im Zuge der Bekanntmachung »Zivile Sicherheit – Sozioökonomische und soziostrukturelle Infrastrukturen« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum Januar 2020 bis März 2023 gefördert.

    Projektpartner sind das Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit gGmbH (BIGS), die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW), die Cash Logistik Security AG sowie die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS.

    Assoziierte Projektpartner sind weiterhin die Deutsche Bundesbank, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Commerzbank AG, die European Security Transport Association sowie der Handelsverband Deutschland e.V.


    Weitere Informationen:

    http://www.scs.fraunhofer.de/basic


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).