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12.05.2025 11:10

Forschungsteam der OTH Regensburg stellt Armutsbericht vor

Julia Vogel Stabsstelle Kommunikation
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

    Wie zeigt sich Armut in einer wirtschaftlich starken Stadt wie Regensburg? Antworten auf diese Frage liefert der neue Regensburger Armutsbericht, den ein Forschungsteam der OTH Regensburg jetzt vorgelegt hat. Der letzte Armutsbericht der Stadt war 2011erschienen.

    „Der Armutsbericht zeigt, dass Armut auch in einer wirtschaftlich starken Stadt wie Regensburg ein bedeutendes Thema bleibt. Der Bericht liefert wertvolle Erkenntnisse, um gezielte Maßnahmen zu ergreifen und den betroffenen Menschen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Gemeinsam werden wir weiterhin daran arbeiten, Armut in unserer Stadt zu bekämpfen und allen Bürgerinnen und Bürgern eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen“, so Bürgermeisterin Astrid Freudenstein.

    Bereits 2023 starteten die Arbeiten am Regensburger Armutsbericht. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Ina Schildbach, Prof. Dr. Wolfram Backert und Studierende der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften werteten amtliche Statistiken, städtische Zahlen und Daten verschiedener Ämter und Einrichtungen aus. Zusätzlich interviewte das Team Mitarbeitende in Behörden und sozialen Einrichtungen, Ehrenamtliche sowie von Armut betroffene Menschen. „Unser Ziel war es, ein möglichst breites Spektrum der Stadtgesellschaft abzubilden und auch die Menschen, die von Armut betroffen sind, zu Wort kommen zu lassen“, sagt Prof. Dr. Ina Schildbach. Zusätzlich führte das Team eine Sozialraumanalyse durch und integrierte studentische Arbeiten in den Bericht.

    Die Auswertungen zeigen ein breites Spektrum von Betroffenengruppen und Problemlagen: „Armut in Regensburg ist sehr stark mit Fragen der Herkunft, mit Geschlecht, Familienformen, Bildung und dem Alter verbunden“, ergänzt Prof. Dr. Wolfram Backert.

    Die Hauptergebnisse im Überblick

    • Risikogruppen: Neben bekannten Risikogruppen wie Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig betroffen. Besonders auffällig ist das Armutsrisiko bei älteren Frauen mit Migrationsgeschichte.

    • Wohnungsmarkt als Risikofaktor: Ein prägender Faktor des Armutsgeschehens ist der angespannte Wohnungsmarkt in der Stadt. „Eine Verbesserung des allgemeinen Wohnraumangebots – insbesondere im Bereich des sozialen Wohnungsbaus – wäre ein wesentlicher Schlüssel zur Entlastung“, sagt Tobias Kraus, Sozialraumexperte im Team. Zudem müssten die Sozial- und Nahräume der Menschen berücksichtigt werden: „Das Schwinden von Infrastrukturen wie Einkaufsmöglichkeiten, Treffpunkten oder medizinischer Versorgung ist ein kritischer Faktor.“

    • Steigende Lebenshaltungskosten: Neben hohen Mieten belasten steigende Lebenshaltungskosten die Betroffenen zusätzlich. Jan Igloffstein, ebenfalls ein studentisches Teammitglied, bestätigt: „Es geht weniger um Fragen des Niedriglohns, sondern um die Lohn- und Preisentwicklung der letzten Jahre.“

    • Psychosoziale Folgen: Ein weiteres Problem sind die psychosozialen Folgen – vor allem für ältere Menschen. „Armut ist mit Scham verbunden. Diese führt zu gesellschaftlichem Rückzug bis hin zur Exklusion. Das hat auch zur Folge, dass viele Betroffene ihre Rechte auf Unterstützung aus Scham gar nicht in Anspruch nehmen“, betont Prof. Dr. Schildbach. Gerade ältere Menschen seien häufig unsichtbar – mit negativen Folgen für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Eine offenere Kommunikation in der Stadtgesellschaft könne helfen, diese Scham abzubauen.

    • Stadtpass als wirkungsvolles Instrument: Positiv bewertet das Team den Regensburger Stadtpass als Instrument, um gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Allerdings bleibt die Zahl der tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzer hinter der Zahl der Anspruchsberechtigten zurück.

    Digitale Plattform bündelt Informationen und Hilfsangebote

    Begleitend zum Regensburger Armutsbericht ist eine eigene Website entstanden, die neben einer kompakten Zusammenfassung des Berichts zahlreiche weiterführende Informationen bietet. Besonders hilfreich: Eine laufend aktualisierte Übersicht über Anlaufstellen, Institutionen und Hilfsangebote in Regensburg. Sie soll Menschen in prekären Lebenslagen den Zugang zu sozialer Infrastruktur erleichtern.

    Website: www.armutsbericht-regensburg.de

    Unterstützung durch zahlreiche Partner

    Der Regensburger Armutsbericht 2025 wurde gefördert durch die Stadt Regensburg, den Rotary Club Regensburg-Millennium, die Sanddorf-Stiftung sowie die Caritas Regensburg.


    Bilder

    Zur Präsentation des Armutsberichts waren Vertrerinnen und Vertreter der OTH Regensburg und der Stadt Regensburg anwesend.
    Zur Präsentation des Armutsberichts waren Vertrerinnen und Vertreter der OTH Regensburg und der Stad ...
    Stefan Effenhauser
    Stadt Regensburg

    Prof. Dr. Ina Schildbach von der OTH Regensburg stellt den Forschungsbericht vor.
    Prof. Dr. Ina Schildbach von der OTH Regensburg stellt den Forschungsbericht vor.
    Stefan Effenhauser
    Stadt Regenburg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

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