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Wenn Ärztinnen und Ärzte über Diagnostik und Therapie entscheiden, greifen sie auf medizinische Leitlinien zurück. Zwei besonders relevante Leitlinien zu Herzklappenerkrankungen sowie zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen wurden jetzt von der European Society of Cardiology (ESC) überarbeitet – unter maßgeblicher Beteiligung des Herzzentrums Leipzig und des Helios Klinikums Berlin-Buch. Sie werden am 29. August 2025 beim ESC-Kongress in Madrid vorgestellt und gelten ab sofort als fachliche Grundlage für die Behandlung von Millionen Patientinnen und Patienten in Europa und weltweit.
Wer bestimmt, wie behandelt wird?
Leitlinien entstehen in einem mehrmonatigen, strukturierten Verfahren durch international besetzte Expertengruppen. Aus Studien, Metaanalysen und klinischer Erfahrung entwickeln sie Empfehlungen, die das medizinische Handeln standardisieren und absichern – besonders bei komplexen Krankheitsbildern. Sie dienen Fachpersonal als Orientierung, sind Grundlage für Fortbildungen und Qualitätsmanagement und spielen mitunter auch in juristischen Bewertungen eine Rolle.
Führende Rolle von Herzzentrum Leipzig und Helios Klinikum Berlin-Buch
Die ESC überträgt die Leitung ihrer Leitliniengruppen nur besonders erfahrenen Expertinnen und Experten. In diesem Jahr stammen gleich zwei dieser Co-Chairs aus Kliniken des Helios-Netzwerks:
Prof. Dr. Michael A. Borger, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Leipzig und Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Leipzig, leitete zusammen mit Prof. Dr. med. Fabien Praz, Leitender Arzt an der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals Bern, die Taskforce zur Herzklappen-Leitlinie.
„Dass wir diese Leitlinie mitverantworten durften, zeigt das Vertrauen, das die europäische Fachgesellschaft in unsere klinische und wissenschaftliche Kompetenz setzt“, so Prof. Borger. „Wir wollen dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten von Forschungsergebnissen konkret profitieren – durch Empfehlungen, die Sicherheit schaffen und gleichzeitig Raum für individuelle Entscheidungen lassen.“
Prof. Borger wurde als Vertreter der European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) berufen, um die chirurgischen Perspektiven bei Herzklappenerkrankungen in die Leitlinien einzubringen.
Vom Herzzentrum Leipzig waren außerdem drei weitere Kolleginnen und Kollegen in den Leitlinienprozess eingebunden: Prof. Dr. med. Holger Thiele, Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie (Helios Stiftungsprofessur), Priv.-Doz. Dr. med. Janine Pöss, Leitende Oberärztin für Intensivmedizin in der Universitätsklinik für Kardiologie und Dr. med. Mateo Marin-Cuartas, Facharzt für Herzchirurgie in der Universitätsklinik für Herzchirurgie. Die Vielzahl an Teilnehmenden verschiedener Fachrichtungen aus einer Institution unterstreicht die hohe Fachkompetenz und den starken Kooperationsgeist am Herzzentrum Leipzig.
Erstmals Herzmuskelentzündungen im Fokus
Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der nichtinvasiven kardiologischen Bildgebung in der Klinik für Kardiologie und Nephrologie des Helios Klinikum Berlin-Buch und Universitätsprofessorin der Charité sowie Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Charité-Campus Buch und der Gruppe für Kardiovaskuläre MRT, stand gemeinsam mit Prof. Massimo Imazio (Udine, Italien) der Expertengruppe zur Myokarditis-/Perikarditis-Leitlinie vor.
„Die neuen Leitlinien sind die ersten, die Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) betrachten und sie gehen erfreulicherweise die Erkrankungen des Herzmuskels und Herzbeutels (Myokard und Perikard) gemeinsam an. Unser Ziel ist es, für das ärztliche Team möglichst praxisrelevante Empfehlungen abzugeben, um sie bei der zielgerichteten Diagnose- und Therapieführung zu unterstützen.“
Was ändert sich mit den neuen Leitlinien?
Beide Leitlinien tragen aktuellen Entwicklungen Rechnung: Die Untersuchungen können heute genauer und präziser durchgeführt werden, das individuelle Risiko lässt sich besser einschätzen, und bei der Behandlung wird gezielter entschieden, ob ein Eingriff über einen Katheter oder eine Operation sinnvoller ist. Dabei steht immer eine auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie im Mittelpunkt.
„Gerade bei Herzklappenerkrankungen kann das entscheidend sein – etwa, wenn ein Eingriff früher empfohlen wird oder die Entscheidung für eine Therapie mittels Kathetermethode oder doch eine Operation erforderlich ist. Am Ende zählt: mehr Sicherheit, zielgerichtete Therapie, bessere Prognose“, erklärt Prof. Thiele.
Ähnlich ist es bei den Myo-/Perikarditis-Leitlinien: Der Fokus liegt zunehmend auf einer effizienten, multimodalen Bildgebung und einer gezielten klinischen Risikoeinschätzung, um eine personalisierte Therapieführung zu ermöglichen. Das umfasst medikamentöse und interventionelle Verfahren, erstreckt sich aber auch auf das wichtige Thema, wie lange eine körperliche Schonung nötig ist. Wie in vielen Leitlinien der ESC wird erneut die Bedeutung der Zusammenarbeit im Team unterstrichen.
Wo sind die Leitlinien einsehbar?
Die ESC-Leitlinien sind frei zugänglich. Wenige Monate nach Veröffentlichung werden die Leitlinien in eine patientenfreundliche Form überführt, in verständlicher Sprache für Laien formuliert und auf der ESC-Website veröffentlicht. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie erstellt ergänzend deutschsprachige Kurzfassungen (sogenannte „Pocket-Leitlinien“). Auch Patientinnen und Patienten können sich zu ihrer Behandlung informieren und sich auf Wunsch vom ärztlichen Fachpersonal dazu beraten lassen.
Prof. Michael Borger, MD PhD
Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger
Prof. Michael Borger, MD PhD
Quelle: Christian Hüller
Copyright: Helios Kliniken GmbH
Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger
Quelle: Christian Hüller
Copyright: Helios Kliniken GmbH
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