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Wissenschaft
Mit einem klaren Appell für eine moderne, individuumszentrierte und wissenschaftsbasierte Psychiatrie ist am Samstag der jährliche Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zu Ende gegangen. 9.600 Teilnehmende aus Forschung, Versorgung und Politik diskutierten vier Tage lang über aktuelle Entwicklungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die besonderen Herausforderungen in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses stand das Thema „Personenorientierte Versorgung“. Wie kann sichergestellt werden, dass psychisch kranke Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen? Wie kann gewährleistet werden, dass ein niedrigschwelliger Zugang zum Versorgungssystem möglich ist und zudem ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen – gerade für die Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen?
„Unser Ziel ist ein regional verankertes, sektorenübergreifendes Versorgungssystem, das sich am Bedarf der Patientinnen und Patienten orientiert – und nicht an Zuständigkeits- oder Budgetgrenzen“, erklärte DGPPN-Präsidentin Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank zur Kongresseröffnung. „Sowohl die geplante Krankenhausreform als auch die bundespolitischen Überlegungen zur Steuerung der ambulanten Versorgung beinhalten Chancen, aber auch Risiken.“
Entscheidend sei ein niedrigschwelliger Zugang zum Versorgungssystem: „Gerade im Zuge der Diskussion um das Primärarztsystem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass für psychisch Erkrankte keine weiteren Zugangshürden entstehen“, führte die DGPPN-Präsidentin aus. „Die DGPPN fordert daher den Erhalt des Direktzugangs zur psychiatrisch-psychotherapeutischen Diagnostik und Behandlung.“
Diskussionen über nötige Reformen im ambulanten und stationären Bereich, in der Rehabilitation und Wiedereingliederung sowie in der Steuerung der Versorgung zogen sich wie ein roter Faden durch das Programm. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen war vielfach Thema. Mit Sorge wurde beobachtet, dass psychische Gesundheit vermehrt im Zusammenhang mit Sicherheit diskutiert wird. Das Fachpublikum war sich einig: Register oder verschärfte Meldepflichten, die das Arztgeheimnis beeinträchtigen, mindern das Gewaltrisiko nicht – im Gegenteil. Sie könnten vielmehr dazu führen, dass Betroffene sich aus Angst vor Benachteiligung keine Hilfe mehr suchen. Die wirksamste Maßnahme der Gewaltprävention sei – so betonten viele Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und Workshops – eine konsequente Therapie.
Diese Debatten erhalten im Jubiläumsjahr der Psychiatrie-Enquete zusätzliche Bedeutung, weil sie die Grundfragen der psychiatrischen Versorgung berühren: Wie will die Gesellschaft mit schwer psychisch erkrankten Menschen umgehen? Und wie viel Mitmenschlichkeit traut sie sich zu? Die DGPPN-Präsidentin Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank: „Es sind kritische Zeiten, in denen die Psychiatrie gefordert ist, politisch Stellung zu beziehen. Dazu braucht es Mut, Standhaftigkeit und ein klares Zielbild: Der Mensch im Mittelpunkt.“
Der DGPPN Kongress ist jedes Jahr Anlaufpunkt für Fachleute aus Psychiatrie, Psychotherapie, Pflege, Pharmazie, weiteren Gesundheitsberufen und anderen medizinischen Disziplinen. Darüber hinaus nehmen Studierende, Betroffene und Angehörige teil, ebenso Medienvertreterinnen und -vertreter, Kunstschaffende sowie zentrale Akteurinnen und Akteure aus Politik und Gesellschaft.
Der Kongress war auch 2025 wieder die größte deutschsprachige wissenschaftliche Fachveranstaltung im Bereich der psychischen Gesundheit: Mit insgesamt mehr als 2.000 wissenschaftlichen Beiträgen in gut 500 Sitzungen zog der DGPPN Kongress dieses Jahr 9.600 Teilnehmende an. Etwa 7.600 besuchten den Kongress vor Ort im CityCube Berlin, weitere 2000 verfolgten das Programm online. Eine Fachausstellung mit etwa 800 Teilnehmenden aus Industrie, Verbänden, der Selbsthilfe und Betroffenenorganisationen flankierte das wissenschaftliche Programm.
Der nächste DGPPN Kongress findet vom 25. bis 28. November 2026 in Berlin statt und widmet sich dem Thema „Psychiatrie und Psychotherapie: Profile und Weiterentwicklungen“.
Die DGPPN
Die DGPPN ist die größte deutsche medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit. Sie bündelt die Kompetenzen von mehr als 13.000 Fachärztinnen und Fachärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Forschenden der Fachgebiete Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Die DGPPN vertritt die Interessen ihrer Mitglieder in Versorgung, Wissenschaft, Lehre, Aus-, Fort- und Weiterbildung und klinischer Praxis und gestaltet die Gesundheitspolitik aktiv mit.
Die DGPPN engagiert sich in der Erforschung psychischer Erkrankungen, stellt hierzu Netzwerke zum Austausch bereit und informiert über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse – unter anderem beim DGPPN Kongress, der jährlich im November in Berlin stattfindet. Herausragende Arbeiten und Projekte in Wissenschaft und Versorgung sowie im gesellschaftlichen Kontext würdigt die DGPPN mit Preisen und Auszeichnungen.
https://www.dgppnkongress.de/ Der DGPPN Kongress
https://www.dgppn.de/presse/dgppn-kongress/schwerpunkt-versorgung.html Mehr zu: Bedarfsorientierte Versorgung
https://www.dgppn.de/presse/dgppn-kongress/schwerpunkt-praevention-gewalttaten.h... Mehr zu: Prävention von Gewalttaten
https://www.dgppn.de/presse/dgppn-kongress/schwerpunkt-neurodegenerative-erkrank... Mehr zu: Neurodegenerative Erkrankungen
https://www.dgppn.de/preise/preise-und-auszeichnungen.html Die DGPPN-Preise
DGPPN-Expertise für eine individuumszentrierte Versorgung auf der Eröffnungspressekonferenz (v. r. n ...
Quelle: Claudia Burger
Copyright: DGPPN
Mehr als 500 Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Psychiatrie und Psychotherapie auf dem DGPPN Ko ...
Quelle: Claudia Burger
Copyright: DGPPN
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Philosophie / Ethik, Politik, Psychologie
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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