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13.01.2026 10:47

Unterstützung der Ukraine stößt auf breite Zustimmung

Helena Dietz Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

    Politikwissenschaftler der Universität Konstanz und der LMU München haben untersucht, wie Bürger*innen aus Europa und den USA dazu stehen, dass ihr Land die Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Invasion unterstützt. Das Ergebnis zeigt: Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt davon, dass Hilfe notwendig ist – auch wenn damit eigene wirtschaftliche Einbußen einhergehen.

    Seit der russischen Invasion in die Ukraine stehen die westlichen Demokratien vor der Herausforderung, ihre finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine immer wieder aufs Neue abzuwägen. Eine wichtige Rolle bei den Entscheidungen der Regierungen spielt dabei, inwiefern die eigene Bevölkerung die geplanten Maßnahmen unterstützt. Der Konstanzer Politikwissenschaftler Lukas Rudolph hat zusammen mit seinen Kollegen Fabian Haggerty und Paul W. Thurner von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) diese Akzeptanz untersucht und kommt zu dem Schluss: Die breite Mehrheit der westlichen Bevölkerung steht hinter einer militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung der Ukraine, damit das Land seine Souveränität und Selbstbestimmung aufrechterhalten kann.

    Fünf Länder, eine Meinung

    Für ihre repräsentative Studie haben die Forschenden eine länderübergreifende Befragung mit rund 10.000 Teilnehmenden durchgeführt. Im Fokus standen dabei fünf Länder: USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien. Im Sommer 2023 haben sie die Befragten mit verschiedenen hypothetischen, aber realistischen Unterstützungsszenarien konfrontiert und auf diese Weise ausgelotet, wie wichtig ihnen die Hilfsmaßnahmen unter Berücksichtigung verschiedener möglicher Auswirkungen sind. „In manchen Szenarien war beispielsweise die Zahl der potenziellen Toten besonders hoch, die wirtschaftlichen Kosten dafür niedrig – oder genau umgekehrt. Die Befragten mussten sich für ein Szenario entscheiden“, erklärt Rudolph den Aufbau des Experiments. Nach mehreren Durchgängen mit verschiedenen Szenarien konnten die Forschenden dann herausfiltern, worauf es den Teilnehmenden besonders ankam. Dabei untersuchten sie im Wesentlichen vier Dimensionen: menschliches Leid, wirtschaftliche Kosten für das eigene Land, politische Folgen für die Ukraine sowie Eskalationsrisiken.

    Es gibt auch Gegenstimmen

    „Wir haben festgestellt, dass es für den Großteil der Befragten wichtiger war, die Unabhängigkeit und Integrität der Ukraine sicherzustellen und das Leid auf ukrainischer Seite möglichst gering zu halten, als die Frage nach den wirtschaftlichen Kosten für das eigene Land. Das zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger hinter einer Unterstützung der Ukraine stehen“, fasst Rudolph das zentrale Ergebnis zusammen.

    Die fünf untersuchten Länder unterschieden sich dabei kaum in ihren Ergebnissen. Innerhalb der einzelnen Länder gab es jedoch eine starke Polarisierung. Insgesamt war stets die Mehrheit für eine Unterstützung. Während sich etwa die Hälfte in einem mittleren Zustimmungsbereich bewegte und in jedem Szenario mögliche Auswirkungen genau gegeneinander abwog, stand für etwa ein Viertel der Befragten die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit und der Rückerhalt russisch besetzter Gebiete stark im Vordergrund; der Unterstützung der Ukraine wurde nahezu ausnahmslos zugestimmt. Das übrige Viertel der Teilnehmenden war in seiner Meinung genau gegenteilig aufgestellt und lehnte jegliche Hilfsmaßnahmen ab – ungeachtet der möglichen politischen Konsequenzen für die Ukraine.

    „Die Tatsache, dass drei Viertel der Befragten für eine Unterstützung ist, stärkt die Entscheidungen der Politik für weitere Hilfe. Bei einem Viertel, denen das Schicksal der Ukraine egal ist, bleiben natürlich teils laute Gegenstimmen in der Öffentlichkeit nicht aus. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese nicht der Mehrheit entsprechen und eine demokratische Entscheidung in allen fünf Ländern deutlich zugunsten der Unterstützungsmaßnahmen ausfällt“, sagt Rudolph.

    Faktenübersicht:

    - Originalpublikation: L. Rudolph, F. Haggerty, P. W. Thurner: Examining public support for Ukraine’s defense against autocratic aggression. Nature Communications 2025. DOI: 10.1038/s41467-025-67913-z

    - Jun. Prof. Dr. Lukas Rudolph ist Politikwissenschaftler an der Universität Konstanz. Der Fokus seiner Forschungsarbeit liegt unter anderem auf der politischen Meinungsbildung und dem Wahlverhalten von Bürgerinnen und Bürgern.

    - Förderung: Die Studie wurde unterstützt von der Deutschen Stiftung Friedensforschung und entstand im Kontext des an der LMU angesiedelten Projekts ‚A Conjoint Experiment on the Comparative Legitimacy of Arms Exports in Germany, France, Italy, the US and the UK‘ / ‚Die gesellschaftliche Akzeptanz von Waffenexporten in den wichtigsten exportierenden EU- und NATO-Ländern: Ein Conjoint-Experiment.’ Projektnummer FP 07/22FB1-PRO-07. Principal Investigators: Lukas Rudolph & Paul W. Thurner.


    Originalpublikation:

    L. Rudolph, F. Haggerty, P. W. Thurner: Examining public support for Ukraine’s defense against autocratic aggression. Nature Communications 2025. DOI: 10.1038/s41467-025-67913-z


    Bilder

    Symbolbild
    Symbolbild
    Quelle: Patrik Velich
    Copyright: Patrik Velich/unsplash


    Anhang
    attachment icon PI Nr. 2_2025 Unterstützung der Ukraine stößt auf breite Zustimmung

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Politik
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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