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16.01.2026 14:59

Arbeitszeitderegulierung - was wären die Folgen?

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

    Wissenschaftlicher Rechercheservice

    Arbeitszeitderegulierung - was wären die Folgen?

    Bundeskanzler Friedrich Merz spricht davon, das Arbeitszeitgesetz abzuschaffen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht, dass die Höchstarbeitszeit nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche geregelt werden soll. Schon dadurch wären Arbeitstage von zeitweilig mehr als 12 Stunden möglich.

    Als Ziele einer Deregulierung werden unter anderem wirtschaftliche Impulse, mehr Flexibilität und eine Stabilisierung des Arbeitsvolumens trotz demografischen Wandels angeführt. Doch es ist höchst zweifelhaft, dass solche Ziele erreicht werden, analysieren Forschende der Hans-Böckler-Stiftung und anderer Einrichtungen in verschiedenen Untersuchungen. Erstens kann eine weitgehende Lockerung der täglichen Erwerbs-Arbeitszeit bestehende gesundheitliche Probleme in der Erwerbsbevölkerung verschärfen, was das Arbeitspotenzial schwächt statt stärkt. Zweitens würde sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verschlechtern, was insbesondere die Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben einschränkt.

    Drei Viertel der Beschäftigten rechnen in einer aktuellen Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) mit negativen Folgen für Erholung und Gesundheit, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie für die Organisation ihres Alltags, wenn generell Arbeitstage von mehr als zehn Stunden möglich werden. Zugleich zeigen die Antworten der mehr als 2000 Befragten auch, dass sehr lange und flexible Arbeitszeiten in Deutschland längst verbreitet sind (mehr hier). Die geltende Rechtslage bietet Unternehmen bereits hohe Flexibilität.

    „Das Arbeitszeitgesetz ist ein wichtiges Arbeitsschutzgesetz“, betont Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Eine Arbeitszeitderegulierung, die Erkenntnisse von Arbeitsmedizin und Arbeitsforschung ausblendet und an der sozialen Realität vorbeigeht, dürfte wirtschaftlich sogar kontraproduktiv wirken. Denn sie würde gerade jene Entwicklungen bremsen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen beigetragen haben, und gleichzeitig Probleme bei Gesundheit und Demografie verschärfen“, so Kohlrausch.

    Einen umfangreichen Forschungsüberblick zu den Wirkungen deregulierter Arbeitszeiten finden Sie auf unserer Website. Übersichtlich im QA-Format erschließt er Studien zu Fragen wie: Wie viel wird im historischen und internationalen Vergleich in Deutschland gearbeitet? Welche gesundheitlichen Folgen sehr langer Arbeitszeiten sind erforscht? Wie flexibel ist das aktuelle Arbeitszeitrecht? Was würde sich mit einer Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit genau ändern?


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Rainer Jung
    Leiter Pressestelle
    Tel.: 0211-7778-150
    E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de


    Originalpublikation:

    Den Forschungsüberblick finden Sie hier: https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-debatte-um-die-arbeitszeit-6962...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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