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Wissenschaft
Wie lassen sich historische Gebäude, Kunstwerke und archäologische Stätten besser vor schleichenden Schäden, Umweltbelastungen oder den Folgen des Klimawandels schützen? Genau dieser Frage widmet sich das großangelegte europäische Forschungsprojekt ARTEMIS, an dem auch die Hochschule Hof aktiv beteiligt ist. Beim Jahrestreffen des Projekts Mitte Dezember 2025 in Brüssel wurden zentrale Fortschritte vorgestellt und der Dialog mit europäischen Institutionen und Fachakteuren intensiviert.
ARTEMIS ist ein von der Europäischen Union im Rahmen des Programmes Horizon Europe gefördertes Großprojekt, in dem Partner aus Wissenschaft, Denkmalpflege und Technologie aus zwölf Ländern zusammenarbeiten.
Ziel ist es, digitale Technologien so weiterzuentwickeln, dass sie den praktischen Erhalt von Kulturgütern unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei die Erschaffung sogenannter digitaler Zwillinge von Kulturerbeobjekten.
Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild eines realen Objekts, etwa eines historischen Bauwerks, einer Skulptur oder einer archäologischen Stätte. In diesem digitalen Modell werden sehr unterschiedliche Informationen zusammengeführt, zum Beispiel dreidimensionale Aufnahmen, Messdaten aus der Umwelt oder Angaben zum Materialzustand. Dadurch entsteht ein umfassendes digitales Bild, das den aktuellen Zustand eines Kulturguts realitätsnah widerspiegelt.
Was bedeutet „reaktiver“ digitaler Zwilling?
ARTEMIS geht über klassische digitale Modelle hinaus und entwickelt sogenannte Reactive Heritage Digital Twins, also reaktive digitale Zwillinge für das Kulturerbe. „Reaktiv“ bedeutet, dass das System nicht statisch bleibt, sondern auf Veränderungen reagieren kann. Sensoren liefern laufend neue Daten, etwa zu Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Software wertet diese Informationen mithilfe festgelegter Regeln und Künstlicher Intelligenz aus und erkennt frühzeitig Risiken, bevor sichtbare Schäden entstehen. Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger erhalten so eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um gezielt und rechtzeitig Maßnahmen zum Erhalt zu planen.
Treffen in Brüssel: Abstimmung und Öffnung nach außen
Beim ARTEMIS Annual Meeting vom 15. bis 17. Dezember 2025 in Brüssel kamen alle Projektpartner zusammen. Für die Hochschule Hof nahmen Prof. Dr. Claus Atzenbeck und Saeid Khoobdel von der Visual Analytics Group des Instituts iisys teil. Die ersten beiden Tage standen im Zeichen der internen Abstimmung. „In gemeinsamen Sitzungen und Arbeitsgruppen wurde der bisherige Projektfortschritt gebündelt, technische Schnittstellen präzisiert und der Fahrplan für die nächste Projektphase festgelegt. Ziel war es, die verschiedenen technischen Bausteine wie Datenflüsse, digitale Dienste und Pilotanwendungen enger miteinander zu verzahnen“, berichtet Prof. Dr. Claus Atzenbeck.
Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf der Frage, wie die Projektergebnisse über den Kreis der Forschenden hinaus wirksam werden können. In einer öffentlich angelegten Vernetzungsveranstaltung tauschte sich das ARTEMIS-Konsortium mit Vertreterinnen und Vertretern europäischer Institutionen, Fachbehörden und verwandter Initiativen im Bereich des digitalen Kulturerbes aus. Diskutiert wurde unter anderem, wie sich ARTEMIS in bestehende EU-Strategien einordnet und wie Kooperationen aussehen können, damit neue digitale Werkzeuge auch langfristig genutzt werden. Dabei wurde deutlich, dass es nicht nur um Grundlagenforschung geht, sondern um konkret einsetzbare Infrastrukturen, digitale Dienste und Schulungsangebote.
Der Beitrag der Hochschule Hof
Die Hochschule Hof bringt ihre besondere Expertise in der Analyse und verständlichen Aufbereitung komplexer Daten in das Projekt ein. „Gerade bei hochentwickelten digitalen Modellen ist es entscheidend, dass die Ergebnisse nicht nur technisch korrekt sind, sondern auch für Anwenderinnen und Anwender aus der Praxis nachvollziehbar bleiben. Die Arbeiten aus Hof tragen dazu bei, dass digitale Zwillinge von Kulturgütern nicht zu abstrakten IT-Systemen werden, sondern zu alltagstauglichen Werkzeugen für Denkmalschutz und Restaurierung“, so Prof. Atzenbeck.
Ausblick: Internationale Summer School in Hof
An der Hochschule Hof selbst sind weitere Treffen geplant, die ARTEMIS Summer School im Juni 2026 sowie das begleitende Konsortialtreffen aller Projektpartner. Diese internationale Veranstaltung richtet sich an Teilnehmende aus dem europäischen Umfeld und vermittelt praxisnahes Wissen rund um digitale und reaktive Zwillinge für das Kulturerbe. Neben fachlichen Inhalten stehen praktische Übungen, der Austausch zwischen Disziplinen und die europäische Vernetzung im Mittelpunkt. Damit wird die Hochschule Hof zu einem wichtigen Treffpunkt für digitale Innovationen im Denkmalschutz. Das Projekt ARTEMIS zeigt, wie moderne digitale Technologien dazu beitragen können, das kulturelle Erbe Europas nachhaltig zu bewahren. Durch die Verbindung von Forschung, praktischer Anwendung und internationalem Austausch leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Denkmalpflege – und die Hochschule Hof ist dabei ein aktiver und sichtbarer Teil dieses europäischen Netzwerks.
Prof. Dr. Claus Atzenbeck
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Bauwesen / Architektur, Geschichte / Archäologie, Informationstechnik
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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