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20.01.2026 09:19

Neue Untersuchungen zu den ersten Bauern in Mitteldeutschland: Die Siedlung von Eilsleben, Lkr. Börde

Dr. Oliver Dietrich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte

    1974-1989 fanden bei Eilsleben archäologische Untersuchungen in einer rund 7500 Jahre alten Siedlung der ersten Bauern in Mitteleuropa statt. Die Siedlung ist unter den größten ihrer Zeit und liegt an der nördlichen Peripherie der bandkeramischen Welt. Sie bietet eine einmalige Möglichkeit, die Interaktionen der frühesten einwandernden Bauern mit der wildbeuterischen Vorbevölkerung zu untersuchen. Im Zentrum neuer Ausgrabungen, die seit 2024 als Zusammenarbeit des Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg und der Freien Universität Berlin stattfinden, steht zudem die Frage nach einer frühen Befestigung des Siedlungsplatzes.

    Im Bereich der Siedlung von Eilsleben wurde bereits zwischen 1974 und 1989 durch den damaligen Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte, Dr. Dieter Kaufmann, intensiv ausgegraben. Damals wurden Teile einer äußerst fundreichen Siedlung der ersten Bauern in Mitteleuropa nachgewiesen, die zur sogenannten Linienbandkeramischen Kultur (5500 bis 4800 vor Christus) gehören. Die Siedlung ist mit einer damals erschlossenen Größe von 12 Hektar unter den größten ihrer Zeit und liegt an der nördlichen Peripherie der bandkeramischen Welt. Sie bietet eine einmalige Möglichkeit, die Interaktionen der frühesten einwandernden Bauern mit der wildbeuterischen Vorbevölkerung zu untersuchen. Daher finden seit 2024 erneut archäologische Untersuchungen als Zusammenarbeit des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg und der Freien Universität Berlin in Eilsleben statt. Erste Ergebnisse wurden nun in der renommierten Zeitschrift Antiquity publiziert (https://doi.org/10.15184/aqy.2025.10270).

    In der Forschung war lange umstritten, ob Ackerbau und Viehzucht zu Beginn des Neolithikums (Jungsteinzeit) vor etwa 7.500 Jahren im Rahmen einer Einwanderung von Bauern oder durch den Transfer von Ideen nach Mitteleuropa gelangten. Archäogenetische Untersuchungen stützen in den letzten Jahren das erstere Modell: Sie belegen eine massive Einwanderung von Menschen, deren Gene eine Abstammung aus Anatolien und der Ägäis verraten. Diese Bauern siedelten auf den fruchtbaren Lössböden und drängten die ansässigen Jäger-Sammler-Gesellschaften der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) in für den Ackerbau weniger geeignete, periphere Zonen ab. Bestimmte Übernahmen etwa im Bereich der Stein- oder Geweihgeräte deuten jedoch enge Beziehungen zwischen den Einwanderern und der lokalen Bevölkerung an. Die Siedlung von Eilsleben spielt hier eine besondere Rolle, da sie vorgeschoben am nördlichsten Rand der bäuerlichen Welt liegt, in einer Region, die prädestiniert für den Austausch mit umliegenden Wildbeuter-Gemeinschaften gewesen sein muss.

    Die neuen Untersuchungen erbrachten gut erhaltene Siedlungsablagerungen. Dies ist eine Ausnahme für frühneolithische Fundstellen in Mitteleuropa und verspricht neue Erkenntnisse zu Siedlungsstruktur und Aktivitätsarealen durch naturwissenschaftliche Analysen wie Archäobotanik, Mikromorphologie und Sedimentanalysen. Zudem werfen sie neues Licht auf eine weitere Besonderheit der Siedlung: offenbar war sie bereits während der ältesten Linienbandkeramik, sozusagen der frühesten Einwanderungswelle, befestigt. Ein Wall-Grabensystem umschloss die Häuser. Die großflächige geomagnetische Prospektion erbrachte, dass die Befestigung mit Siedlung sehr viel größer ist als bisher angenommen. Ob diese Befestigung auf Konfrontationen mit der Vorbevölkerung deutet oder es sich um Anzeichen für Konflikte zwischen den frühen Bauern handelt, sollen weitere Forschungen klären.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    PD Dr. Laura Dietrich (laura.dietrich@praehist.uni-halle.de)


    Originalpublikation:

    Laura Dietrich/Franziska Knoll/Henny Piezonka/Jörg Orschiedt/Mikko Heikkinen/Franz Becker/Erik Zamzow/Harald Meller, LBK outpost of Eilsleben: hunter-farmer encounters in the borderlands of Early Neolithic Central Europe. Antiquity, First View, pp. 1 – 7. DOI: https://doi.org/10.15184/aqy.2025.10270


    Bilder

    Eilsleben, geophysikalischer Plan der Siedlung mit Grabungsflächen, Hausstrukturen und Befestigungsanlagen.
    Eilsleben, geophysikalischer Plan der Siedlung mit Grabungsflächen, Hausstrukturen und Befestigungsa ...

    Copyright: LDA Sachsen-Anhalt & Martin-Luther Universität Halle, D. Kaufmann, M. Heikkinen, E. Zamzow, L. Dietrich, F. Becker


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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