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21.01.2026 09:29

Warum wir glauben, was wir anklicken

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Je häufiger uns eine Nachricht begegnet, desto eher sind wir geneigt, sie für wahr zu halten. Diese Erkenntnis ist schon 50 Jahre alt. Bochumer Forschende haben jetzt gezeigt, dass dieser sogenannte Truth-Effekt sich noch verstärkt, wenn wir die entsprechende Information selbst ausgewählt haben: Es genügt schon, eine Headline angeklickt zu haben, um ihrem Inhalt später mehr Glauben zu schenken. Dieser Effekt hat großen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit von Informationen – und Fake Informationen – in digitalen Medien.

    Das Team um Dr. Moritz Ingendahl vom Lehrstuhl Soziale Kognition an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum berichtet im Journal of Experimental Psychology: General vom 8. Januar 2026.

    Acht Experimente mit fast 1.000 Teilnehmenden

    Die Forschenden führten online eine Serie von acht Experimenten durch, an denen insgesamt knapp 1.000 Menschen teilnahmen. Den Teilnehmenden wurden zunächst Informationen gezeigt, zum Beispiel „Die Bienenelfe ist der kleinste Vogel der Welt.“ Diese Informationen wurden entweder zufällig ausgespielt oder passend zu einem Themenfeld, das die Teilnehmenden ausgewählt hatten. Anschließend sollten die Teilnehmenden den Wahrheitsgehalt von Informationen einschätzen – sowohl von wiederholten als auch von neuen Informationen.

    „Wir konnten übereinstimmend mit älteren Studien sehen, dass die Teilnehmenden wiederholt auftretenden Informationen mehr Glauben schenkten als neuen“, berichtet Moritz Ingendahl. „Darüber hinaus haben wir aber auch zeigen können, dass dieser Einfluss von Wiederholung stärker ist bei Informationen, die sie selbst ausgewählt hatten, im Vergleich zu zufällig präsentierten.“

    Folgen, anklicken, teilen

    Diese Erkenntnis ist vor allem in digitalen Zusammenhängen bedeutend: So führt das Vertrauen in wiederholte Informationen zum Beispiel dazu, dass Menschen solche Informationen auf Social Media auch eher teilen und somit die Wiederholung weiter ankurbeln. Zudem entscheiden wir, wem wir folgen, und treffen schon dadurch eine eigene Auswahl der Informationen, die wir erhalten. Online-Medien funktionieren darüber hinaus überwiegend so, dass Informationen nur angerissen werden und sich auf einen Klick erst komplett öffnen.

    Die Gründe für den stärkeren Einfluss von selbst gewählten Informationen vermuten die Forschenden in der Art und Weise der Verarbeitung von Informationen im Gehirn. „Aktive Informationssuche geht mit mehr Aufmerksamkeit und mehr kognitiven Ressourcen einher“, sagt Moritz Ingendahl. „Die Testpersonen konnten sich auch später an aktiv gewählte Informationen besser erinnern als an passiv aufgenommene.“

    Der Effekt könne den Erfolg von Fake News verstärken, vermuten die Forschenden. Auf der anderen Seite könnten aber auch Faktencheck-Informationen davon profitieren, wenn sie entsprechend aufgemacht sind.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Moritz Ingendahl
    Soziale Kognition
    Fakultät für Psychologie
    Ruhr-Universität Bochum
    Tel.: +49 234 32 19545
    E-Mail: moritz.ingendahl@ruhr-uni-bochum.de


    Originalpublikation:

    Moritz Ingendahl, Anna Schulte, Florian Weber, André Vaz, Johanna Woitzel, Hans Alves: Choosing to Believe: How Active Sampling Enhances the Truth Effect, in: Journal of Experimental Psychology: General, DOI: 10.1037/xge0001888, https://dx.doi.org/10.1037/xge0001888


    Bilder

    Angeklickt ist halb geglaubt – wenn wir Informationen selbst wählen, neigen wir besonders dazu, sie für wahr zu halten.
    Angeklickt ist halb geglaubt – wenn wir Informationen selbst wählen, neigen wir besonders dazu, si ...

    Copyright: © RUB, Marquard


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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