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Private Hochschulen bilden ein dynamisches, hochgradig heterogenes Segment der deutschen Hochschullandschaft. Die neue HoF-Studie zeigt: Innerhalb des Sektors existieren nicht nur die erwartbaren Unterschiede zwischen forschungsorientierten Universitäten und lehrfokussierten Fachhochschulen. Letztere unterscheiden sich in Abhängigkeit von ihrem fächerbezogenen Kostenprofil hinsichtlich ihrer Forschungsintensität, Ressourcen und Personalprofile teils erheblich. Zugleich etablieren einzelne private Fachhochschulen bemerkenswert effiziente Forschungsmodelle.
Private Hochschulen in Deutschland haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie sollen flexibel auf neue Zielgruppen reagieren, praxisnahe Studienangebote entwickeln – und gleichzeitig wissenschaftlich sichtbar sein. Doch wie gelingt Forschung unter Bedingungen, die stärker marktgetrieben sind?
Die neue HoF-Studie „Forschungsleistungen und Forschungspersonal an privaten Hochschulen“ liefert hierzu erstmals einen umfassenden Überblick. Die Analyse basiert auf Daten von 102 privaten Hochschulen, 105 staatlichen HAW, bibliometrischen Auswertungen, Akkreditierungsberichten sowie 574 Professor.innen-Lebensläufen und Stellenanzeigen. Das zentrale Ergebnis: Der private Hochschulsektor ist nicht nur gewachsen, sondern strukturell ausdifferenziert – mit klar erkennbaren Forschungsprofilen und unterschiedlichen Entwicklungspfaden.
Ein zentrales Befundmuster ist die Aufteilung in drei fächerbezogene Kosten- und Leistungstypen, die eng mit den jeweiligen Forschungsansätzen verknüpft sind:
• Kostenintensive Hochschulen – insbesondere private Universitäten sowie FHs mit technisch-ingenieurwissenschaftlichem, IT- oder künstlerisch-gestalterischem Schwerpunkt – verfügen über die höchsten Ausgaben je Studierenden und erreichen im Mittel die deutlichsten Forschungsoutputs.
• Hybride Fachhochschulen kombinieren kostenintensive und kostensparsame Studienangebote, während
• kostensparsame Fachhochschulen mehrheitlich im Bereich Wirtschaftswissenschaften und SAGE (Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung) tätig sind und eine primäre Lehrorientierung aufweisen.
Diese Unterschiede spiegeln sich in der Drittmitteleinwerbung: Private Universitäten erreichen jährlich im Durchschnitt 105.500 Euro pro Professur, kostenintensive Fachhochschulen 43.300 Euro und kostensparsame FHs 17.500 Euro. Gleichzeitig wächst die Publikationstätigkeit privater FHs spürbar. Insbesondere FHs mit technisch-ingenieurwissenschaftlichem oder SAGE-Schwerpunkt erzielen bemerkenswerte Publikationsleistungen, die sich mit denen staatlicher HAW messen können. Dabei publizieren private Fachhochschulen wesentlich mehr pro Drittmittel-Euro. Die Studie macht damit Effizienzpotenziale sichtbar, die in alternativen Forschungsstrategien wurzeln könnten.
Die Auswertung der Akkreditierungsberichte der letzten 20 Jahre zeigt zudem einen Konsolidierungsprozess: Mindeststandards für Hochschulförmigkeit werden immer besser erfüllt, doch bleibt Forschung weiterhin der am schwächsten bewertete Prüfbereich. Die datenbasierte Perspektive verdeutlicht, dass Forschungserfolge durchaus mit den Kostenprofilen korrespondieren – kostenintensive Fachhochschulen erfüllen die Anforderungen an den Prüfbereich Forschung häufiger (72 %) als kostensparsame (65 %). Private Universitäten bewertete der Wissenschaftsrat unabhängig vom Prüfbereich, also auch in Bezug auf Studium und Lehre oder die Governancestrukturen, deutlich besser als Fachhochschulen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die systematische Untersuchung des wissenschaftlichen Personals. Die Analyse öffentlicher Lebensläufe zeigt fünf Professor.innen-Typen – vom „etablierten Standardprofessor“ über die „Seniorprofessorin“ bis zu hochpublikativen Typen wie „internationalem Forschungsstar“, „dynamischer Nachwuchsprofessorin“ und „publikationsstarkem Midcareer-Professor“. Letztere kommen häufiger an universitären und SAGE-orientierten Einrichtungen vor. Entscheidend ist: Nicht das Kostenprofil der Hochschule, sondern das Fach erklärt die größten Unterschiede in Mobilität, Internationalität und Publikationsaktivität.
Ergänzend beleuchtet die Studie die Rekrutierungsstrategien in Stellenanzeigen für Professuren: Private Fachhochschulen suchen überwiegend den Typ „Hochschullehrer“, der starke Lehr- und Praxiserfahrung mitbringt; der Typ „Forscherin“ wird selten gesucht. Staatliche HAW hingegen betonen demgegenüber Forschungserfahrung deutlich häufiger. Private wie staatliche Universitäten fordern überwiegend den Typ „Forscherin“ an.
Insgesamt zeigt sich: Private Hochschulen übernehmen im deutschen Hochschulsystem eine vor allem komplementäre Rolle. Sie erschließen Nischen, die öffentliche Hochschulen weniger bedienen, und bieten flexible Studienmodelle für nicht-traditionelle Studierende. Die beobachtete Effizienz einzelner privater FHs sowie deren internationale Vernetzung deuten darauf hin, dass sich alternative Modelle wissenschaftlicher Wissensproduktion herausbilden könnten. Zugleich können kostenintensive Fachhochschulen mit staatlichen HAW im Hinblick auf Forschung konkurrieren. Private Universitäten heben sich von den Fachhochschulen ebenso deutlich ab wie staatliche Universitäten von HAW.
Die Studie sieht zudem klaren Daten- und Forschungsbedarf. Drittmittel- und Forschungsdaten privater Hochschulen sind bislang lückenhaft; systematische Längsschnittstudien fehlen. Um künftige Entwicklungen des Sektors präziser einschätzen zu können, benötigen Forschung und Politik eine bessere Datenbasis.
Die Publikation richtet sich an Hochschulleitungen, Wissenschaftsverwaltungen, Forschungs- und Landespolitik sowie Wissenschaftler.innen, die sich mit Struktur, Entwicklung und Steuerung des privaten Hochschulsektors befassen.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Justus Henke, justus.henke@hof.uni-halle.de
Ernst-Heinrich Haerter, ernst.haerter@hof.uni-halle.de
Ernst-Heinrich Haerter / Justus Henke: Forschungsleistungen und Forschungspersonal an privaten Hochschulen. Ein multiperspektivischer Überblick (HoF-Arbeitsbericht 133), Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2025, 95 S., ISBN 978-3-69059-006-8
Online unter: https://www.hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/ab133_WEB.pdf
https://www.hof.uni-halle.de/publikation/forschungsleistungen-und-forschungspers...
Haerter/Henke: Forschungsleistungen und Forschungspersonal an privaten Hochschulen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung, Politik, Psychologie
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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