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Technologien zur Entnahme von Kohlendioxid gewinnen für den Klimaschutz an Bedeutung, doch kritisch für politische Maßnahmen sind die unterschiedlichen Speicherzeiten. Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in Environmental and Resource Economics liefert Orientierung auf Basis ökonomischer Prinzipien. Nicht permanente CO₂-Speicherung spielt zwar eine Rolle beim Übergang der Volkswirtschaften weg von fossilen Brennstoffen – doch ihr Beitrag ist weniger wertvoll als der von permanenter Speicherung. Das muss sich in den CO₂-Bepreisungssystemen widerspiegeln, die Anreiz für verstärkte Entnahmen schaffen sollen.
Bei der Kohlendioxid-Entnahme wird CO₂ aus der Atmosphäre abgeschieden und je nach Methode für eine bestimmte Zeit gespeichert. So können etwa Aufforstungsprojekte das CO₂ für Jahrzehnte bis Jahrhunderte in Bäumen speichern, während die Entnahme über Luftfilter oder Bioenergieplantagen mit Deponierung unterirdisch in geologischen Formationen als permanent gelten kann. Treibhausgase können Jahrhunderte bis Jahrtausende in der Atmosphäre verbleiben. Nicht permanente Entnahmen können deshalb langfristig nicht in gleicher Weise Emissionen kompensieren wie permanente Entnahmen.
„Maßnahmen, die Anreize für Entnahme geben, müssen die Speicherzeiten berücksichtigen“, sagt PIK-Forscher Max Franks, Leitautor der Studie. „Doch bislang gibt es kaum oder gar keine Forschungsergebnisse, die hierfür rationale Grundsätze festlegen.“ Die Analyse legt dar, woher der Wert-Unterschied rührt, und beleuchtet konkrete Herausforderungen und mögliche Lösungen für Politikmaßnahmen zu nicht permanenten CO₂-Entnahmen. „Wir kommen zum Ergebnis, dass wir als Gesellschaft bereit sein sollten, für permanente Entnahmen mehr zu zahlen als für nicht permanente.“
Eine Verbindlichkeit für künftige Generationen
In der Studie leitet das Forschungsteam eine mathematische Formel ab, um die Preisdifferenz auf transparente Weise zu berechnen. Wenn beispielsweise das im Rahmen eines Aufforstungsprojekts gespeicherte CO₂ binnen 50 Jahren um 50 Prozent abnimmt, ist dieses Projekt nur halb so wertvoll wie eins, bei dem das CO₂ permanent gespeichert wird.
„Methoden zur permanenten Entnahme sind unterschiedlich weit entwickelt und noch nicht in großem Stil realisiert“, gibt PIK-Forscher Kai Lessmann zu bedenken, Co-Autor der Studie. „Aus diesem Grund werden nicht permanente Entnahmen, die kostengünstiger und leichter verfügbar sind, eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, bis Optionen für permanente Entnahmen weiter entwickelt sind. Doch je mehr nicht permanente Entnahme wir auf kurze Sicht machen, desto mehr belasten wir künftige Generationen mit dem Zurückholen des irgendwann wieder freigesetzten CO₂. Das ist wie die niemals endende Arbeit des Sisyphos in der griechischen Mythologie.“
Akkurates Monitoring und Verifizierung sind essenziell
Über die Bepreisungsfrage hinaus befasst sich die Studie auch mit anderen Aspekten der Politikgestaltung. „Das Tückische an Projekten zur nicht permanenten Speicherung ist, dass sie über kurz oder lang zu finanziellen Verbindlichkeiten und negativen Handlungsanreizen führen könnten“, erklärt Ottmar Edenhofer, PIK-Direktor und Co-Autor der Studie. „Es könnten etwa Firmen große Mengen an Entnahmen versprechen, um Subventionen zu erhalten, dann aber auf eine strategische Insolvenz hinsteuern, ohne die Speicherstätten mit der gebotenen Sorgfalt zu verwalten.“
Das Forschungsteam hat deshalb verschiedene Optionen der Besteuerung und Subventionierung von Unternehmen analysiert, um die Wirksamkeit von Anreizen zur CO₂-Entnahme sicherzustellen. In der Konsequenz, so Edenhofer, sind „akkurates Monitoring und Verifizierung von entnommenem und freigesetztem CO₂ absolut essenziell für die Transparenz gegenüber den Regulierungsbehörden und dem breiteren Marktumfeld“.
Franks, M., Gruner, F., Kalkuhl, M., Lessmann, K., Edenhofer, O. (2026): Pigou’s Advice and Sisyphus’ Warning: Carbon Pricing with Non-Permanent Carbon Dioxide Removal. – Environmental and Resource Economics. [DOI: 10.1007/s10640-025-01060-3]
https://doi.org/10.1007/s10640-025-01060-3
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Energie, Meer / Klima, Politik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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