idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
21.01.2026 17:28

GFFA-Fachpodium: Lösungsansätze für Wasserknappheit in der Landwirtschaft in China und Deutschland

Violeta Garkova Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

    In der Podiumsdiskussion „Wasser, Ernährung & Klima: Erkenntnisse aus der deutsch-chinesischen Kooperation“ am 16. Januar 2026 auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) in Berlin erörterten deutsche und chinesische Expert:innen die Wasserknappheit, ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie führende Lösungsansätze, die in beiden Ländern als wirksame Gegenmaßnahmen eingesetzt werden können.

    Dr. Michaela Böhme, Managing-Direktorin des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums (DCZ), eröffnete die Podiumsdiskussion mit einer Einordnung der Wasserknappheit als zentrales Thema des diesjährigen GFFA-Fachpodiums. Während die deutsche Landwirtschaft lange Zeit weitgehend durch ausreichende Niederschläge geprägt war, rücken Fragen der Wasserverfügbarkeit zunehmend in den Fokus. In China hingegen ist der Umgang mit ungleich verteilten Wasserressourcen seit Langem eine zentrale Herausforderung, wobei die Lücke zwischen Wasserangebot und -nachfrage weiter wächst. Vor diesem Hintergrund kommt dem deutsch-chinesischen Erfahrungsaustausch eine besondere Bedeutung zu, um wirksame Strategien für beide Länder zu identifizieren.

    In einer vergleichenden Analyse stellte IAMO-Wissenschaftler Dr. Zhanli Sun die klimatischen Unterschiede sowie die regionalen landwirtschaftlichen Anforderungen in Deutschland und China dar. Trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen sind beide Länder gleichermaßen vom Klimawandel betroffen. Dürre entwickelt sich zunehmend zur neuen Normalität, begleitet von häufigeren Extremwetterereignissen mit spürbaren Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Als zentrale Lösungsansätze zur Deckung des steigenden Wasserbedarfs wurden der Ausbau digitaler Landwirtschaft sowie der verstärkte Einsatz von Drohnen und effizienten Bewässerungssystemen wie der Tröpfchenbewässerung hervorgehoben.

    Dr. Frank Wechsung vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erläuterte wasserbezogene Risiken infolge klimabedingter Extremveränderungen, darunter steigende Temperaturen, zunehmende CO₂-Emissionen und eine ungleichmäßige Niederschlagsverteilung. Eine besonders einflussreiche Variable sei der Rückgang der Windgeschwindigkeiten. Dieser führe zu veränderten Niederschlagsmustern mit geringeren Regenmengen im Sommer und höheren im Winter. In Verbindung mit Hochdrucklagen im Sommer erhöhe sich dadurch die Wahrscheinlichkeit langanhaltender Dürren, sowohl in Deutschland als auch in China.

    Dr. Zhandong Liu vom Bewässerungsinstitut der Chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften (CAAS) veranschaulichte die Situation in der nordwestlichen, von Getreide- und Baumwollanbau geprägten Region Chinas. Zentrale Herausforderungen ergeben sich aus dem angespannten Verhältnis von Wasserangebot und -nachfrage, insbesondere aus der geringen Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit, die umfassende Wassersparmaßnahmen erforderlich macht. Die Landwirtschaft ist weiterhin der größte Wasserverbraucher, wobei das Grundwasser seit Jahren übernutzt wird. Gleichzeitig verschärfen sich ökologische Konflikte, etwa durch den Rückgang von Ufervegetation und Windschutzstreifen. Der Klimawandel wirkt dabei als zentraler Treiber dieser Entwicklungen.

    Als mögliche Strategien stellte Dr. Liu hocheffiziente, wassersparende Technologien vor, darunter Tröpfchenbewässerung, Echtzeitsensorik und präzisionsgesteuerte Ventile. Ziel ist es, Erträge zu sichern und intelligente Bewässerungssysteme gezielt in der Landwirtschaft zu etablieren.

    Angesichts der steigenden Lebensmittelproduktion analysierte Prof. Dr. Martin Wagner von der Technischen Universität Darmstadt und der German Water Partnership (GWP) Lösungsansätze zur landwirtschaftlichen Nutzung von behandeltem Abwasser. Zentrale Voraussetzung ist die Sicherstellung einer hohen Wasserqualität, um den Einsatz insbesondere in der Lebensmittelproduktion zu ermöglichen. Dabei gilt es, Grundwasser für Landwirt:innen und Verbraucher:innen in ländlichen Regionen zu schützen. Durch geeignete Filtrations- und Desinfektionsverfahren kann behandeltes Abwasser beispielsweise in der Tröpfchenbewässerung sicher wiederverwendet werden.

    Über das GFFA

    Das 18. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) fand vom 14. bis 17. Januar 2026 unter dem Titel „Wasser. Ernten. Unsere Zukunft“ in Berlin statt. Das GFFA ist eine internationale Konferenz zu agrar- und ernährungspolitischen Fragen. Es wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Kooperation mit der Messe Berlin GmbH veranstaltet.

    Über das IAMO

    Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

    Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
    Theodor-Lieser-Straße 2
    06120 Halle (Saale)
    www.iamo.de


    Weitere Informationen:

    https://www.iamo.de/presse/pressemitteilungen/artikel/gffa-fachpodium-praesentie...


    Bilder

    Podiumsgäste Martin Wagner, Zhandong Liu, Frank Wechsung, Zhanli Sun und Michaela Böhme auf dem GFFA in Berlin (v.l.n.r.)
    Podiumsgäste Martin Wagner, Zhandong Liu, Frank Wechsung, Zhanli Sun und Michaela Böhme auf dem GFFA ...
    Quelle: Daniela Schiming
    Copyright: © IAMO


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Politik, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).