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Die Artenvielfalt der Wasserläufer entwickelte sich offenbar bereits in der Kreidezeit und damit deutlich früher als bislang angenommen. SNSB Forschenden gelang es, die stammesgeschichtliche Entwicklung dieser Insektenfamilie zu klären, molekulare Analysen gaben tiefe Einblicke in deren Verwandtschaftsverhältnisse und Evolution. Die Studie ist nun in der zoologischen Fachzeitschrift Systematic Entomology erschienen.
Fast jeder kennt die winzigen Insekten, die im Sommer auf der Wasseroberfläche von Seen, Teichen, Flüssen, sogar dem offenen Meer spazieren. Eine feine Fettschicht auf Haaren der Bauchseite sowie den Beinchen verhindert, dass die Wasserläufer untergehen. Die Wenigsten wissen, dass es sich hierbei um Wanzen handelt. Rund 800 Arten weltweit sind bisher bekannt, 12 davon kommen auch in Deutschland vor. Nach Arten, Gattungen oder Unterfamilien sortieren Zoologinnen und Zoologen die Tiere anhand morphologischer Merkmale. Zur Rekonstruktion der evolutionären Beziehungen innerhalb der Wasserläuferfamilie, wie eng einzelne Unterfamilien oder Gattungen miteinander verwandt sind, und wann welche ihren Ursprung im Familienstammbaum haben, braucht es andere Methoden – den Blick in die DNA.
Eine neue phylogenetische Studie zur Erforschung der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Familie der Wasserläufer bringt nun Licht ins Dunkel. Die Arbeit ist die bislang umfassendste molekulargenetische Analyse dieser Insektenfamilie. Ein Forscherteam um den Wanzenexperten PD Dr. Michael Raupach von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) analysierte erstmals in großem Umfang die Genome von Wasserläuferarten aus sämtlichen Unterfamilien und Stämmen, um ein Gesamtbild von deren Stammbaum zu bekommen. Es gelang den Forschenden sogar aus historischen Sammlungsexemplaren, das älteste fast 90 Jahre alt, genügend DNA zu sequenzieren. Die DNA dient dabei als molekulare Uhr, sie speichert Zeiträume der Evolution: Der Ursprung der Wasserläufer liegt in der Kreidezeit vor rund 100 Millionen Jahren und datiert damit rund 10 Millionen Jahre später, als bisher angenommen. Bereits einige Millionen Jahre später entwickelten sich die unterschiedlichen Unterfamilien, was zur Entstehung der heuten Artenvielfalt führte. Die meisten Linien entstanden deutlich früher als bislang bekannt, manche bis zu 50 Millionen Jahre. Mögliche Auslöser hierfür waren vermutlich verschiedene geologische und klimatische Prozesse, die damals auf der Erde abliefen und sich auch massiv auf die verschiedenen Ökosysteme auswirkten. Der Planet befand sich zu dieser Zeit in einer Phase extremen Treibhausklimas, erhöhtem Meeresspiegel und intensiver plattentektonischer Aktivität.
„Unsere Ergebnisse ermöglichen uns nun, die Evolution dieser faszinierenden Insektengruppe besser zu verstehen. Sie dienen als Grundlage weitergehender Forschung zu deren Artenvielfalt“, sagt PD Dr. Michael Raupach, Kurator der Wanzensammlung an den SNSB und Erstautor der Studie.
PD Dr. Michael Raupach
Kurator für Hemiptera
SNSB - Zoologische Staatssammlung München
Tel.: 089 8107 145
E-Mail: raupach@snsb.de
Raupach, M.J., Balke, M., Chang, J.J.M., Cheng, L., Damgaard, J., Deister, F. et al. (2026) Exploring the phylogenetic history of water striders (Hemiptera: Heteroptera: Gerromorpha) using genome-skimming. Systematic Entomology, 51(1), e70022.
Available from: https://doi.org/10.1111/syen.70022
https://www.snsb.de - Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB)
https://zsm.snsb.de - SNSB Zoologische Staatssammlung München
Aquarius paludum – heimischer Wasserläufer der Gerrinae (Gerridae).
Quelle: Sebastian Puzon
Copyright: Sebastian Puzon
Gerris odontogaster – heimischer Wasserläufer der Gerrinae (Gerridae)
Quelle: Sebastian Puzon
Copyright: Sebastian Puzon
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Biologie
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
Deutsch

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