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22.01.2026 11:00

Mit spekulativen Objekten die Zukunft der Landwirtschaft neu denken

Anne-Catherine Jung Pressestelle
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

    Das Forschungsprojekt »Speculative Futures« machte Zukunft greifbar: Gemeinsam mit der Designerin Johanna Seelemann entwickelten Forschende des Fraunhofer ISI Designobjekte einer Landwirtschaft von morgen, die neue Perspektiven auf Produktion, Materialien und Wertschöpfung eröffneten. Die Objekte wurden 2025 in einer Sonderausstellung im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig gezeigt, in Workshops diskutiert und wissenschaftlich ausgewertet. Das vom Fraunhofer-Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design« geförderte Projekt ist nun abgeschlossen und liefert neue Impulse – für die Landwirtschaft und den Einsatz von spekulativem Design in der Zukunftsforschung.

    Johanna Seelemann ließ die Designobjekte aus mineralgebundenen Holzspänen durch 3D-Druck herstellen. Sie basieren auf Interviews und Gesprächen mit Praktiker:innen aus Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Diese Erfahrungsberichte lieferten dem Projektteam das Grundlagenwissen, formten die Prototypen und verorteten sie in aktuellen Debatten über Flächennutzung, Ernährungssysteme und ökologische Resilienz. Die Objekte wurden in der Sonderausstellung ZUKÜNFTE. Material und Design von morgen im GRASSI-Museum für Angewandte Kunst gezeigt. Seelemann erklärt: »Wenn Menschen diese Objekte betrachten, merken sie, dass sich aus dem, was heute als Abfall- oder Nebenprodukt gilt, ganz neue Vorstellungen von Zusammenleben, landwirtschaftlicher Produktion und Ökologie entwickeln lassen.«

    Workshops für Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit

    Begleitend zur Ausstellung lud das Team um Projektleiterin Dr. Juliane Welz vom Fraunhofer ISI Leipzig Expert:innen aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie interessierte Bürger:innen zu Workshops, Gesprächen und Rundgängen ein. Im Austausch mit den Artefakten formulierten die Teilnehmenden ihre Erwartungen, Sorgen und Wünsche zu einer Landwirtschaft der Zukunft und nachhaltiger Wertschöpfung. »In den Workshops haben wir gesehen, wie stark spekulative Objekte Gespräche verändern«, ergänzt Welz. »Die Teilnehmenden diskutierten nicht mehr abstrakt über Szenarien, sondern sehr konkret darüber, welche Zukunftsobjekte sie für realistisch, wünschenswert oder problematisch halten. Diese Perspektiven sind für unsere Forschung sehr wertvoll.«

    Beispielszenario Waldgarten

    Aus diesen Dialogformaten entstanden mehrere Zukunftsszenarien, darunter der Waldgarten. In diesem Szenario wird ein biologisches Waldgartensystem durch ein digitales Nervensystem moderner Agrartechnologie ergänzt. Autonome Erntemaschinen ermöglichen eine minimalinvasive Lebensmittelgewinnung und agieren an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Sie erkennen kleinste Umweltveränderungen und greifen gezielt ein, um ökologische Gleichgewichte zu stabilisieren. Gefertigt aus Biokompositmaterialien aus pflanzlichen Nebenprodukten, werden die Maschinen selbst Teil geschlossener Nährstoffkreisläufe und gehen nach ihrem Zerfall wieder in das Ökosystem über. Dieses und weitere Szenarien dienten dem Forschungsteam als Gesprächsangebote, um unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven zu diskutieren. Zum Projektabschluss führen die Wissenschaftlerinnen derzeit eine Artefaktanalyse durch. Sie interpretieren die Zukunftsvorstellungen, die den im Projekt entstandenen Objekten und Szenarien zugrunde liegen. Die Ergebnisse der Analyse liegen voraussichtlich im Frühjahr 2026 abschließend vor.

    Ausblick

    Speculative Futures macht deutlich, dass Designforschung, künstlerische und gestalterische Perspektiven einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsforschung leisten können. Im Februar 2026 wird eines der Designobjekte mit zwei weiteren Exponaten aus anderen Projekten des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« im Fraunhofer-Forum in Berlin ausgestellt. Aktuell läuft außerdem die Ausschreibung Artist/Designer in Lab 2026, bei der Kunst- und Designschaffende erneut mit Fraunhofer-Instituten neue Projekte entwickeln können. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Januar 2026.

    Medienkontakt:
    Dr. Jacob Leidenberger & Anne-Catherine Jung
    Leitung Presse und Kommunikation
    Telefon +49 721 6809-172/-100
    E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

    Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Juliane Welz
    Stellvertretende Leiterin der Abteilung Foresight
    Leiterin der Gruppe Futures and Innovation
    Telefon +49 341 231039-162
    E-Mail juliane.welz@isi.fraunhofer.de

    Johanna Seelemann
    Studio Johanna Seelemann
    Telefon +49 (0) 162 9789049
    E-Mail hanna@seelemann.de
    Website: https://johannaseelemann.com/Polycultures-1


    Weitere Informationen:

    https://speculative-futures.de/#resultate zu den Projektergebnissen


    Bilder

    Ausstellungsraum Speculative Futures in der Sonderausstellung ZUKÜNFTE des GRASSI-Museum für Angewandte Kunst Leipzig, 2025
    Ausstellungsraum Speculative Futures in der Sonderausstellung ZUKÜNFTE des GRASSI-Museum für Angewan ...
    Quelle: Robert Damisch
    Copyright: Robert Damisch


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Kunst / Design, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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