idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
26.01.2026 10:27

Wahrnehmung von KI als „Jobkiller“ beeinflusst Einstellung zu Demokratie negativ

LMU Presse und Kommunikation
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Wenn Menschen Künstliche Intelligenz als Ersatz für menschliche Arbeit sehen, sinkt das Vertrauen in die Demokratie und die politische Beteiligung.

    Künstliche Intelligenz verändert die Wirtschafts- und Arbeitswelt rasant. Eine neue Studie zeigt, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, Künstliche Intelligenz verdränge mehr menschliche Arbeit, als dass sie neue Möglichkeiten schafft. Die Autoren von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Wien konnten dabei einen kausalen Zusammenhangen nachweisen: Je stärker diese Wahrnehmung ist, desto unzufriedener sind Menschen mit der Demokratie – und desto weniger beteiligen sie sich an politischen Debatten über technologische Zukunftsfragen. Diese Effekte treten auf, obwohl Künstliche Intelligenz bislang nur begrenzte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

    Wie nimmt die Bevölkerung Künstliche Intelligenz wahr?
    Die Wirtschaftswissenschaftler analysierten zunächst Umfragedaten aus 38 europäischen Ländern mit über 37.000 Befragten. Das Ergebnis ist eindeutig: In den meisten Ländern überwiegt die Einschätzung, dass Künstliche Intelligenz mehr Arbeitsplätze vernichtet als schafft. Studienautor Dr. Armin Granulo von der LMU Munich School of Management erklärt: „Die tatsächlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt sind derzeit noch begrenzt. Unabhängig davon nehmen viele Menschen Künstliche Intelligenz jedoch primär als Ersatz für menschliche Arbeit wahr. Diese Wahrnehmung ist erstaunlich stabil und in wirtschaftlich entwickelten Ländern besonders verbreitet.“

    Was bedeutet das für die Demokratie?
    In der aktuellen Studie zeigt das Team aus München und Wien, dass diese wahrgenommene Verdrängung politisch nicht folgenlos bleibt. Menschen, die Künstliche Intelligenz als arbeitsplatzvernichtend einschätzen, sind signifikant unzufriedener mit dem Funktionieren der Demokratie. Zudem engagieren sie sich weniger politisch – etwa bei Diskussionen, Bürgerbeteiligung oder der Mitgestaltung von Technologiepolitik. „Wenn Menschen das Gefühl haben, von Künstlicher Intelligenz verdrängt zu werden, äußern sie Zweifel am politischen System – diese Leute sind weniger zufrieden mit Demokratie und ihren Institutionen“, fasst Studienautor Professor Christoph Fuchs von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien zusammen.

    Kausaler Zusammenhang: Experimente in Großbritannien und den USA
    Um zu prüfen, ob diese Zusammenhänge tatsächlich kausal sind, führten die Wissenschaftler zwei repräsentative Experimente in Großbritannien und den USA durch. Dabei wurden Teilnehmende gezielt mit unterschiedlichen Zukunftsbildern von Künstlicher Intelligenz konfrontiert: einerseits als arbeitsplatzersetzend, andererseits als arbeitsplatzfördernd. Das Ergebnis: Personen, die Künstliche Intelligenz als arbeitsplatzersetzend beschrieben bekamen, äußerten deutlich weniger Vertrauen in demokratische Institutionen und eine geringere Bereitschaft, sich politisch mit Künstlicher Intelligenz zu befassen.

    Warum das wichtig ist
    Die Studie macht deutlich, dass die gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz nicht erst dann beginnen, wenn Arbeitsplätze tatsächlich verschwinden. Laut den Studienautoren können bereits Erwartungen, Befürchtungen und die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft über Künstliche Intelligenz sprechen, demokratische Einstellungen beeinflussen. Wenn sich öffentliche Debatten stark auf Arbeitsplatzverluste konzentrieren, könne das unbeabsichtigte Nebenwirkungen für die Demokratie haben.

    Die Autoren betonen zugleich, dass die Ergebnisse auch Chancen aufzeigen. Armin Granulo erklärt: „Unsere experimentellen Befunde zeigen, dass die öffentliche Wahrnehmung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt veränderbar ist – etwa durch gezielte Kommunikation darüber, dass ihre Zukunft nicht festgeschrieben ist, sondern durch demokratische Entscheidungen mitgestaltet werden kann.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Armin Granulo
    Institut für Marktorientierte Unternehmensführung
    Ludwig-Maximilians-Universität München
    Tel.: +49 (0) 89 / 2180 - 6564
    E-Mail: armin.granulo@lmu.de


    Originalpublikation:

    Granulo, A., Raff, A., & Fuchs, C. (2026). Perceiving AI as labor-replacing reduces democratic legitimacy and political engagement. Proceedings of the National Academy of Sciences, 123(4), e2523508123
    https://doi.org/10.1073/pnas.2523508123


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Informationstechnik, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).