idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
26.01.2026 12:59

Vom Spielbrett in die Wirtschaft: EMPAMOS entschlüsselt motivationale Treiber

Matthias Wiedmann Hochschulkommunikation und -marketing
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

    Freude, Frust, Spannung oder Teamgeist: Brett- und Gesellschaftsspiele lösen gezielt Emotionen aus und halten Menschen am Ball. Forschende der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (Ohm) untersuchen die dahinterliegenden Muster und Elemente und machen sie für Unternehmen nutzbar.

    Gamification ist in der Wirtschaft längst angekommen. Doch für Prof. Dr. Thomas Voit von der Fakultät Informatik greift dieses Konzept zu kurz. „Unternehmen nutzen spielerische Elemente wie Punkte und Badges, ohne wirklich zu verstehen, welche psychologischen Prozesse dahinterliegen.“ Aus diesem Grund startete er 2016 das Forschungsprojekt EMPAMOS (kurz für Empirische Analyse Motivierender Spielelemente). „Mein Ziel war es, Motivationskonzepte zu entwickeln, die tatsächlich fundiert sind. Denn Spiele sind Vorbildsysteme, aus denen wir lernen können“, erklärt Voit.

    Rund 8.300 Brett- und Gesellschaftsspiele aus dem Deutschen Spielearchiv in Nürnberg bildeten die Grundlage für das Forschungsprojekt. Studierende und Forschende testeten die Spiele nicht nur selbst, sondern nutzten auch Künstliche Intelligenz, um motivationale Muster in den Spieleanleitungen zu identifizieren. Typische Elemente wie Würfel oder gemischte Karten sorgen beispielsweise dafür, dass der Zufall entscheidet und der Spielverlauf für alle Spielerinnen und Spieler unberechenbar bleibt.

    Mittlerweile geht das Forschungsteam noch einen Schritt weiter. Gemeinsam mit Dr. Volker Mehringer von der Universität Augsburg untersuchen Prof. Voit und sein Team, welche konkreten Emotionen einzelne Spieleelemente auslösen. „Bestimmte Muster sorgen dafür, dass wir uns freuen, traurig sind oder uns sozial eingebunden fühlen“, erklärt Voit. Mit Hilfe einer App können die Testspielerinnen und -spieler ihre Empfindungen während verschiedener Spielsituationen erfassen.

    Das Forschungsprojekt hat bereits erste Erkenntnisse: „Ein typischer Irrglaube ist, dass ein gutes Spiel vor allem positive Emotionen braucht“, betont Voit. „Doch faszinierend ist, dass gerade der Wechsel zwischen positiven und negativen Emotionen unsere Motivation aufrecht hält.“

    Spielehersteller wie Ravensburger nutzen die Forschungsergebnisse bereits, um neue Spiele zu designen. Dafür hat das Forschungsteam eine weitere KI entwickelt, die konkrete Handlungsempfehlungen aus den gesammelten Daten ableitet.

    Doch auch in der Organisationsentwicklung, im Changemanagement oder in der Personalentwicklung ist das EMPAMOS-Prinzip längst angekommen. „Elemente wie der Zufall können auch in Konfliktsituationen oder in komplexen Transformationsprozessen entlastend wirken“, betont Voit. Gleichzeitig wollen Unternehmen wissen, wie sie Arbeitsprozesse gestalten oder Rollen verteilen können, um Mitarbeitende zu motivieren. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei das ein entscheidender Faktor: „Wenn sich Rollen und Jobprofile durch die Künstliche Intelligenz verändern, wollen wir mit unserer Forschung dazu beitragen, dass Mitarbeitende die Freude an ihrer Arbeit behalten.“

    Um die Forschungsergebnisse praxisnah verfügbar zu machen, hat Forschungsteam eine Toolbox sowie ein Weiterbildungsprogramm entwickelt. Methodenkarten – sowohl analog als auch digital – regen Workshopteilnehmende dazu an, sich mit bestehenden Rollen, Ressourcen und Prozessen auseinanderzusetzen und so die Grundlage für ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

    Wie spielerische Ansätze Lernen und Arbeiten beeinflussen, wird Prof. Dr. Thomas Voit auch im Rahmen der 78. Nürnberger Spielemesse erläutern. Am 28. Januar präsentiert er die Ergebnisse des Forschungsprojekts EMPAMOS als Referent auf der Value of Play Conference.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Thomas Voit
    +49 (0)911 5880 - 1196
    thomas.voit@th-nuernberg.de


    Weitere Informationen:

    https://www.th-nuernberg.de/pressemitteilung/6225-vom-spielbrett-in-die-wirtscha...


    Bilder

    Transfer von Spielelementen: Das Forschungsteam von EMPAMOS hat Methodenkarten entwickelt, mit denen sich ein motivierendes Arbeitsumfeld schaffen lässt.
    Transfer von Spielelementen: Das Forschungsteam von EMPAMOS hat Methodenkarten entwickelt, mit denen ...
    Quelle: Thomas Voit

    Prof. Dr. Thomas Voit von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm forscht im Projekt EMPAMOS zu psychologischen Prozessen, die hinter Gesellschaftsspielen stecken.
    Prof. Dr. Thomas Voit von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm forscht im Projekt EMP ...
    Quelle: Oliver Karl


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Informationstechnik, Pädagogik / Bildung, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).