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27.01.2026 10:05

Satellitenbilder sollen Kobaltminen im Kongo erfassen

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Wie beeinflusst der Kobaltabbau Siedlungsbewegungen in der Demokratischen Republik Kongo? Welche Risiken entstehen für Bevölkerung und Umwelt? Ein Forschungsteam der Uni Würzburg sucht Antworten.

    Kobalt mag für viele eines von zig Metallen sein. Was einige womöglich nicht wissen: Es ist in den meisten Hosentaschen zu finden. Genauer gesagt in Smartphones. Auch in E-Autos spielt es eine wichtige Rolle. Dort sorgt Kobalt für eine längere Lebenszeit der Lithium-Ionen-Batterien. Weltweit werden mehr als 60 Prozent des Metalls in der Demokratischen Republik Kongo produziert.

    Seit Jahren kursieren in den Medien Berichte über Kinderarbeit, dazu ein großer Anteil informeller Arbeit mit rechtlichen Unsicherheiten für die Arbeitenden sowie gefährlichen und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen in vielen Minen. Der Sektor wächst dennoch stetig weiter und beeinflusst Siedlungs- und Bevölkerungstrends in dem zentralafrikanischen Staat.

    Diese und weitere räumliche Dynamiken zu dokumentieren und zu analysieren, haben sich Forschende des Lehrstuhls für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am Earth Observation Research Cluster (EORC) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) vorgenommen. Das EORC fußt auf einer Kooperation der JMU mit dem Erdbeobachtungszentrum (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

    Bau- und Bevölkerungsboom im Kobaltgürtel

    Das Team geht davon aus, dass die Minen im Kobaltgürtel im Südwesten des Landes ein Magnet für Siedlungsbewegungen sind. „In der Hauptstadt Kinshasa gab es von 2016 bis 2023 einen Gebäudezuwachs von 52 Prozent. Kolwezi, die größte Stadt im Gürtel, verzeichnete dagegen im selben Zeitraum einen Zuwachs von112 Prozent“, so Dr. John Friesen, Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am JMU-Lehrstuhl.

    Beim Bevölkerungswachstum gibt es einen ähnlichen Trend: Wird die Bevölkerung anhand der Gebäude geschätzt, kann davon ausgegangen werden, dass die Einwohnerzahl des Staates in den letzten fünf Jahren um knapp 22 Millionen wuchs, über 2,5 Millionen davon allein im Kobaltgürtel. „Wenn diese Schätzungen stimmen, haben wir also knapp 12 Prozent des Wachstums auf ungefähr 2 Prozent der Staatsfläche“, sagt Konstantin Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.

    Was Kolwezi und den Kobaltgürtel so attraktiv macht? „Die Aussicht auf Arbeit, auf Einkommen. In der Stadt allein befindet sich eine Minen- und Raffinerie-Fläche von über 120 Quadratkilometern. Das entspricht ungefähr der doppelten Fläche des New Yorker Stadtteils Manhattans“, erklärt Professor Hannes Taubenböck, Leiter des Lehrstuhls. Mit Satellitenbildern wird das Team nun Siedlungsentwicklungen, Umweltveränderungen und Minenzuwachs der letzten zehn Jahre auswerten.

    Dabei kommt auch maschinelles Lernen zum Einsatz, um eine Methodik zu entwickeln, mit der sich Minen automatisch lokalisieren und kategorisieren lassen. Denn in der Demokratischen Republik Kongo existieren sowohl große industrielle Minen als auch kleine, staatlich nicht kontrollierte Grabungsstätten, in denen die Gefahr von illegalem Abbau, informeller Beschäftigung und der Ausbeutung hoch sein kann. Ein Ziel des Projekts ist es auch, die Methode für weitere Bergbauregionen des Globalen Südens nutzen zu können, so Friesen.

    Transparentere Lieferketten und eine nachhaltigere Rohstoffgewinnung

    Den Forschenden geht es auch darum, den gesundheitlichen Zustand der Bevölkerung zu zeigen: „Die großflächigen Trends aus der Erdbeobachtung mit lokalen Studien zur Gesundheit synergistisch auszuwerten und zu vergleichen, wird dafür die Devise sein, um ein Bild der Gesundheitsrisiken zu erhalten“, schildert Taubenböck.

    Die Ergebnisse wollen die JMU-Wissenschaftler staatlichen Stellen wie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Nichtregierungsorganisationen bereitstellen. „Wir sind nicht so naiv, zu glauben, dass sich die Situation dadurch grundlegend verändern wird“, so der JMU-Professor, „unsere Erkenntnisse, so hoffen wir, können aber dazu beitragen, Bausteine entlang globaler Lieferketten transparenter zu machen.“ Das Projekt biete damit eine Grundlage für eine nachhaltigere Rohstoffgewinnung.

    Förderung

    Die KSB-Stiftung des Pumpenunternehmens KSB (nach den Firmengründern Johannes Klein, Friedrich Schanzlin und Jakob Becker) fördert das Projekt „Transparenz im Rohstoffabbau: Fernerkundungsgestützte Detektion und Quantifizierung von Kobaltminen im Globalen Süden“. Das Projekt dauert drei Jahre. Für das erste Jahr stehen dem Team mehr als 60.000 Euro zur Verfügung. Insgesamt sind für das Vorhaben mehr als 180.000 Euro beantragt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Hannes Taubenböck, Leiter des Lehrstuhls für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am EORC, Abteilungsleiter „Georisiken und zivile Sicherheit“ am EOC des DLR, T. +49 931 31-86778, hannes.taubenboeck@uni-wuerzburg.de

    Dr. John Friesen, Lehrstuhl für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am EORC, T. +49 931 31-87996, john.friesen@uni-wuerzburg.de

    Konstantin Müller, Lehrstuhl für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am EORC, T. +49 931 31-82520, konstantin.mueller@uni-wuerzburg.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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