idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Nach Inkrafttreten der überarbeiteten Richtlinie der Bundesärztekammer zur Nierentransplantation in Deutschland am 19. Januar hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) bereits einen Tag später als erste Klinik in der Bundesrepublik zwei Nierentransplantationen unter Einsatz der maschinellen Perfusion erfolgreich durchgeführt. Das Verfahren markiert einen wichtigen wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt in der Organtransplantation und kann zu besseren Langzeitergebnissen beitragen.
Im Gegensatz zur herkömmlichen Organkonservierung beim Transport, bei der Organe nach der Entnahme gekühlt gelagert werden, werden sie bei der maschinellen Perfusion kontinuierlich mit einer speziellen Konservierungslösung durchspült. Dadurch bleiben sie besser mit Nährstoffen und – je nach Verfahren – auch mit Sauerstoff versorgt. Ziel ist es, Schäden durch die fehlende Durchblutung während des Transports sowie sogenannte Reperfusionsschäden zu verringern. Diese können entstehen, wenn Organe nach der Transplantation schlagartig wieder durchblutet werden. „Maschinelle Perfusion stellt einen bedeutenden wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt in der Organerhaltung dar. Dies zeigt beispielsweise eine europaweite Studie, die erst kürzlich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde und bei der das Team aus Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. med. Daniel Seehofer ebenfalls mitgewirkt hat.* Sie ermöglicht einen deutlich schonenderen Transport, eine Verringerung der Schäden am Transplantat sowie die funktionelle Beurteilung des Organs unmittelbar vor der Transplantation, was zur erhöhten Patientensicherheit und Zuverlässigkeit bei der Nierentransplantation beiträgt“, sagt Prof. Dr. med. Hans-Michael Tautenhahn, stellvertretender Bereichsleiter Hepatobiliäre Chirurgie und viszerale Transplantation am UKL.
Die beiden Transplantationen am Universitätsklinikum Leipzig, die von zwei spezialisierten Teams unter der Leitung von Prof. Tautenhahn und Prof. Seehofer durchgeführt wurden, betrafen zwei Nieren eines über 70-jährigen Spenders, bei dem zuvor der Hirntod festgestellt worden war. Empfänger sind eine Frau und ein Mann. „Die Eingriffe stehen beispielhaft für die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Transplantationsprogramms am Universitätsklinikum Leipzig“, resümiert Prof. Tautenhahn. „Es freut uns, dass die Richtlinie der Bundesärztekammer unmittelbar vor dieser Transplantation in Kraft getreten ist. Da der Spender unter die Spenderkriterien der neuen Richtlinie fiel, ergab sich für uns die Möglichkeit, bereits im Rahmen dieser Organspende die maschinelle Perfusion einzusetzen“, erläutert der Transplantationsexperte. Diese erweiterten Spenderkriterien betreffen Nieren von Personen über 60 Jahren sowie von 50- bis 59-Jährigen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, eingeschränkter Nierenfunktion oder bei Todesursache Schlaganfall.
Nieren werden in Deutschland am häufigsten transplantiert. Nahezu die Hälfte aller Organtransplantationen betrifft dieses Organ. Zugleich stellen Patientinnen und Patienten, die auf eine Spenderniere warten, im Vergleich zu anderen Organen den größten Anteil auf der Warteliste. „Die Funktionen der beiden transplantierten Nieren entwickeln sich sowohl bei der Empfängerin als auch dem Empfänger erfreulich gut“, sagt Dr. Jan Kowald. Der Ärztliche Leiter der Transplantationskoordination am UKL fügt hinzu: „Da weiterhin zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen, müssen die Patientinnen und Patienten auf der Warteliste kritisch lange auf eine Transplantation warten. Gleichzeitig nehmen das Alter und das Ausmaß an Vorerkrankungen der Spenderinnen und Spender zu. Für uns als Transplantationszentrum bedeutet dies, die vorhandenen Organe besonders sorgfältig auszuwählen und effizient zu nutzen. Wir hoffen, dass die Evaluation der praktischen Anwendung des seit 19.Januar in Deutschland eingesetzten Verfahrens tatsächlich eine langfristige Verbesserung der Organfunktionen zeigen wird.“
Maschinelle Perfusion wird international bereits seit Jahren auch bei anderen Organen wie Leber und Herz eingesetzt. Studien zeigen, dass dadurch längere Transportzeiten möglich werden und mehr Organe für eine Transplantation in Betracht gezogen werden können. Darüber hinaus eröffnet die Technik Perspektiven, Organe während der Perfusion gezielt zu untersuchen und künftig möglicherweise sogar therapeutisch zu verbessern. Dieser Ansatz wird derzeit auch in Leipzig intensiv erforscht.
Die für die maschinelle Perfusion der Nieren erforderlichen Geräte und Materialien werden allen dafür in Frage kommenden Kliniken durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zur Verfügung gestellt. Die Stiftung organisiert neben der Organspende auch den Transport der Organe in ganz Europa. Prof. Tautenhahn: „Unser Dank gebührt dem Organspender und seiner Familie ebenso wie der DSO und den Transportteams, dem Spenderkrankenhaus, aber auch dem an der Transplantation beteiligten interdisziplinären und interprofessionellen Team am UKL. Der erfolgreiche Einsatz der maschinellen Perfusion markiert einen wichtigen Meilenstein und zeigt, was Innovation, klare Strukturen und Teamarbeit in der modernen Transplantationsmedizin bewirken können.“
* DOI: 10.1056/NEJMc2406608
Für die maschinelle Perfusion nutzt die Deutsche Stiftung Organtransplantation den LifePort® Kidney ...
Quelle: Jörn Glasner
Copyright: UKL
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Organisatorisches
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).