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Wissenschaft
Menschen mit Demenz, die zu Hause leben, und pflegenden Angehörigen widmet sich das Forschungsprojekt „living@home“, das – mit dem DZNE als Konsortialführer – nun in fünf Bundesländern an den Start geht. Ziel ist es, diese Personengruppen durch ein App-gestütztes Angebot zu entlasten und die häusliche Versorgungssituation langfristig zu stabilisieren. Das Projekt, an dem auch Universitäten, Universitätskliniken und Krankenkassen mitwirken, wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bis Ende 2028 mit rund 5,5 Millionen Euro gefördert.
In Deutschland gibt es nach Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten leben zu Hause und werden von Angehörigen versorgt. Diese häusliche Unterstützung ist häufig zeitintensiv und mit hohen körperlichen und psychischen Belastungen verbunden. „Pflegende Angehörige sind essentieller Bestandteil der Pflege, Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Demenz. Sie leisten im Schnitt mehr als 35 Stunden informelle Pflege pro Woche. Es gibt nicht genügend Fachkräfte, um diesen Bedarf an häuslicher Pflege abzudecken. Deshalb ist es enorm wichtig, hier zu unterstützen“, so PD Dr. Dr. Bernhard Michalowsky, Arbeitsgruppenleiter am DZNE in Greifswald und Leiter der Studie. „Wir setzen auf eine niedrigschwellige, passgenaue Unterstützung, die es ermöglicht, dass Menschen mit Demenz möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können und nicht zur vollstationären Pflege in ein Heim wechseln müssen.“
Genau hier setzt living@home an: Das Projekt erprobt ein neues Unterstützungsangebot, ausgehend von Gedächtnisambulanzen, bei dem Menschen mit Demenz und pflegende Angehörige, von einer speziell qualifizierten Pflegefachperson („Angehörigenpflege-Experten“) begleitet werden. Wichtiger Bestandteil dieses Ansatzes ist eine App für Smartphones und Tablets: Diese verbindet die pflegenden Angehörigen mit den Pflegefachpersonen in den Gedächtnisambulanzen dauerhaft und ermöglicht Unterstützung genau dann, wenn diese erforderlich ist.
Kurzer Draht zur Hilfe
„Über diese digitale Anwendung können Angehörige regelmäßig ihre persönliche Lage erfassen – etwa Erfahrungen in der Versorgung, aber auch ihre Belastungs- und Gesundheitszustände. Sie können außerdem mit der für sie zuständigen Pflegefachperson an einer Gedächtnisambulanz per Chat oder Video-Call in Kontakt treten. Und zwar genau dann, wenn es für sie passt und auch Bedarf besteht. Davon abgesehen wird es einen regelmäßigen Austausch geben“, erläutert Dr. Bernhard Holle, Arbeitsgruppenleiter am DZNE in Witten, verantwortlich für die Studienumsetzung in den Ambulanzen. Auf diesem Weg lässt sich – insbesondere in akuten Krisensituationen – rasch Hilfe organisieren. Zusätzlich bietet die App, die vom Karlsruher Institut für Technologie entwickelt wurde, praxisrelevante Informationen über die Demenzerkrankung und hilfreiche Tipps für die häusliche Pflege und Unterstützung im Alltag.
Angehörige im Fokus
Das Konzept von living@home profitiert von den Erfahrungen aus dem vom DZNE entwickelten „Dementia Care Management“. Auch hier werden Betroffene von einer Pflegefachperson mit besonderer Fortbildung betreut, die mit ihrer individuellen Situation und den häuslichen Gegebenheiten vertraut ist. Dieses grundlegende Konzept ist bereits in der S3-Leitlinie aufgenommen und soll in die Regelversorgung überführt werden. „Bei living@home erproben wir ein ergänzendes Konzept, das den Unterstützungsbedarf pflegender Angehörigen verstärkt in den Fokus rückt“, sagt Bernhard Michalowsky. „Hinzu kommt, dass die App eine engmaschigere, individuellere und auch schnellere Unterstützung ermöglicht als langfristig geplante Hausbesuche, wie sie im Rahmen des Dementia Care Managements stattfinden. Mit living@home testen wir daher ein kontinuierliches Unterstützungsangebot, das an den individuellen Bedarf der Angehörigen und der Menschen mit Demenz besser angepasst ist.“
Studie mit mehr als 500 „Dyaden“
Das Projekt wird mehr als 500 Paare („Dyaden“), bestehend aus Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen, einbeziehen. Sie werden jeweils über einen Zeitraum von zwölf Monaten von einer geschulten Angehörigenpflege-Expertin oder -Experten begleitet. Dies geschieht über fünf Gedächtnisambulanzen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. „Wir evaluieren nicht nur, ob dieser Ansatz Angehörige entlastet und zur Lebensqualität aller Beteiligten beiträgt, sondern auch, wie gut sie mit der App umgehen können und wie gut sich dieses Versorgungsmodell in der Praxis umsetzen lässt“, so Michalowsky.
Konsortialpartner
AGAPLESION ELISABETHENSTIFT gGmbH, AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen, Gemeinnützige Gesellschaft für Psychiatrie Reutlingen mbH, Georg-August-Universität Göttingen, IKK gesund plus, Karlsruher Institut für Technologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universität Konstanz, Universität zu Köln, Universitätsmedizin Greifswald, Universitätsmedizin Rostock
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Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE ist eines der weltweit führenden Forschungszentren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Diese Erkrankungen bedeuten enorme Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen, aber auch für die Gesellschaft und Gesundheitsökonomie. Das DZNE trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer Strategien der Prävention, Diagnose, Versorgung, Behandlung und Pflege bei – und zu deren Überführung in die Praxis. Es hat bundesweit zehn Standorte und kooperiert mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das DZNE wird staatlich gefördert, es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de
https://www.dzne.de/en/news/press-releases/press/app-supported-help-for-people-w... Englische Fassung
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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