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02.02.2026 13:18

Auszeichnung für Erforschung des steinzeitlichen Lebens in der Vogelherdhöhle

Christfried Dornis Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht an Benjamin Schürch – Erkenntnisse aus dem Zeitraum der frühen Ausbreitung moderner Menschen über Zentraleuropa

    Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie wird in diesem Jahr an den Ur- und Frühgeschichtswissenschaftler Dr. Benjamin Schürch von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verliehen. Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen wird dem Wissenschaftler für seine Dissertation zuerkannt. Darin untersuchte er bereits früher erforschte bis zu 120.000 Jahre alte Funde aus der Zeit der Neandertaler sowie erster moderner Menschen aus der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der Schwäbischen Alb erneut mithilfe zahlreicher innovativer Methoden. So konnte er spannende neue Einblicke zu Einzelheiten des menschlichen Lebens aus der Kulturstufe des Aurignaciens rekonstruieren. Dieses bezeichnet den Zeitraum vor rund 42.000 bis 35.000 Jahren, als sich nach dem Verschwinden der späten Neandertaler die anatomisch modernen Menschen in Zentraleuropa ausbreiteten und lebten – und Menschen erstmals gegenständliche Kunst und Musikinstrumente schufen. Die Preisverleihung findet am 5. Februar 2026 auf Schloss Hohentübingen in Tübingen statt.

    Die Vogelherdhöhle gilt als eine der bedeutendsten altsteinzeitlichen Fundstellen Europas. „Fast hundert Jahre nach der Entdeckung der Höhle im Jahr 1931 gelang es Benjamin Schürch in eindrucksvoller Weise, der Fundstelle durch den vielseitigen Einsatz verschiedener Techniken noch neue Geheimnisse zu entlocken“, sagt Professor Harald Floss vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, der die Laudatio auf den Preisträger hält.

    Schürch habe Funde wie unter anderem Steinwerkzeuge einer Neubewertung unterzogen und mithilfe moderner Analysemethoden nachgewiesen, dass die damaligen Menschen Gesteinsrohmaterialien und für Schmuck verwendete Weichtierschalen aus größeren Entfernungen in die Höhle gebracht haben müssen. „Außerdem konnte er erstmals Belege für die menschliche Besiedlung der Vogelherdhöhle in der Kulturstufe des Gravettien, der auf das Aurignacien folgenden Kulturstufe, wie auch der späteren Mittelsteinzeit feststellen. Seine nun preisgekrönte Arbeit ist eine wichtige Bereicherung für das Verständnis der altsteinzeitlichen Besiedlungsgeschichte der Schwäbischen Alb“, sagt Floss.

    Benjamin Schürch ist Alumnus der Universität Tübingen. Er studierte hier von 2012 bis 2018 Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie und wurde hier auch 2024 in dem Fach promoviert. „Wegen seines persönlichen Engagements erbrachte er bedeutende Leistungen in der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie“, sagt Floss. Forschungsaufenthalte führten ihn an die University of Connecticut, USA, sowie an die belgische Universität Liège. Als Kustos und Wissenschaftlicher Mitarbeiter war Schürch im Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen und in der Sammlung der Älteren Urgeschichte an der Universität Tübingen für verschiedene Sammlungen und Ausstellungen zuständig. Seit Oktober 2025 ist er Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

    „Der an junge Forscherinnen und Forscher weltweit vergebene Preis hat bereits eine lange Tradition. Er hebt die Bedeutung dieses großen und erfolgreichen Tübinger Forschungsgebiets in besonderer Weise hervor“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.

    Der mit 7.500 Euro dotierte Tübinger Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie wird von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und in diesem Jahr zum 28. Mal vergeben.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Harald Floss
    Universität Tübingen
    Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
    Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
    Telefon +49 7071 29-78916
    harald.floss[at]uni-tuebingen.de


    Bilder

    Benjamin Schürch
    Benjamin Schürch
    Quelle: privat
    Copyright: Benjamin Schürch


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

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