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03.02.2026 13:00

Hochschule Geisenheim beruft Dr. Michael Helmut Hagemann zum Professor für Nachhaltigen Obstbau

Marilena Schulte Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Hochschule Geisenheim University

    Zum 1. Januar 2026 hat Dr. Michael Helmut Hagemann die Professur für Nachhaltigen Obstbau an der Hochschule Geisenheim übernommen. Der Biologe und Agrarwissenschaftler verbindet ein tiefes Verständnis molekularer Mechanismen mit Praxiserfahrung im Obst- und Hopfenbau.

    Von Biocontrol bis Pflanzenschutzpraxis: wissenschaftliche Wurzeln in NRW und Südostasien

    Hagemann studierte Biologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und schloss seine Diplomarbeit am Institut für Bodenökosysteme der Universität Bonn ab. Dort arbeitete er an biologischen Pflanzenschutzstrategien – insbesondere an pilzbasierten Antagonisten. Diese frühe Erfahrung prägt bis heute seinen Ansatz, Pilze und Mikroorganismen nicht nur als Schaderreger, sondern auch als potenzielle Partner im nachhaltigen Gartenbau zu verstehen.

    Während seiner Promotion an der Universität Hohenheim forschte Hagemann mehrere Jahre in Vietnam an Mango-Beständen. Neben der detaillierten Untersuchung der transkriptionellen Regulation des Fruchtabfalls – einem Prozess, der funktional dem Junifruchtfall des Apfels ähnelt – führte er vor Ort Pflanzenschutzschulungen durch und entwickelte praxisnahe Lösungen für lokale Produzenten.

    Hopfenforschung, Viroiddiagnostik und Netzwerkbildung

    Nach seiner Promotion widmete sich Hagemann zunehmend der Hopfenforschung und molekularbiologischen Pflanzenpathologie. Zunächst forschte er in der Hopfenzüchtung an der genetischen Charakterisierung zentraler Bitter- und Aromabiosynthesepfade.
    Mit dem Auftreten des Citrus Bark Cracking Viroids (CBCVd) in Bayern im Jahr 2019 übernahm Hagemann eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen Risikobewertung. Gemeinsam mit Hopfenpflanzern, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Julius Kühn-Institut entwickelte er Diagnoseverfahren, Strategien zur Risikominimierung sowie RNA-Abbau und Viroid-Infektionsstudien.

    Als „praktischer Molekularbiologe im Gartenbau“ etablierte er robuste RT-qPCR-Methoden, forschte zur Viroid-Pflanze-Interaktion und baute parallel ein internationales Netzwerk zur Viroidforschung auf, das heute mehrere europäische Institutionen verbindet.

    Der Apfel als künftiger wissenschaftlicher Schwerpunkt

    Trotz seiner intensiven Arbeit im Hopfen blieb der Apfel kontinuierlich ein Forschungsschwerpunkt. Über gemeinsame Publikationen, zahlreiche Abschlussarbeiten und zusammen mit dem Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee entwickelte Hagemann ein breites thematisches Portfolio – von Wurzelentwicklung und Bewässerungsstrategien bis zu Fruchtqualität, Stressphysiologie und Pflanzengesundheit.

    „Ich freue mich sehr, den Apfelanbau künftig zu meinem langfristigen Forschungsschwerpunkt machen zu können“, sagt Hagemann. „Die Vielfalt der Herausforderungen – Trockenstress, neue Pathogene, Mikrobiomveränderungen, innovative Züchtungen – macht den Apfel zu einer Kultur, an der Nachhaltigkeit konkret erforscht und umgesetzt werden kann. Und wenn ich auf die Evolutionsgeschichte des Apfels schaue, freue ich mich besonders darauf, diesen promiskuitiven Zwitter künftig im Detail untersuchen zu dürfen.“

    Mit dem Amtsantritt trat Hagemann die Nachfolge von Prof. Dr. Peter Braun an, dessen Arbeiten zu kompakt wachsenden Säulenäpfeln sowie sein Engagement im Humusaufbau wichtige Impulse für den nachhaltigen Obstbau gesetzt haben und setzen.
    „Es ist spannend, in einen gut etablierten Forschungsbetrieb einsteigen zu dürfen, in dem an praxisrelevanten Themen mit großer Tiefe und Kontinuität gearbeitet wird“, betont Hagemann.

    RNA-Forschung für den praktischen Obstbau

    In seiner zukünftigen Forschung plant Hagemann, RNA-, Virus- und Mikrobiom-basierte Ansätze gezielt weiterzuentwickeln, da sie langfristig eine wichtige Rolle im nachhaltigen Pflanzenschutz spielen könnten. Seine Viroid- und RNA-Expertise ermöglicht es ihm, pathogenbedingte Stressreaktionen, regulatorische RNA-Netzwerke und kleine RNA-Signaturen in Pflanzen präzise zu analysieren.

    „Im Zeitalter neuer genomischer Techniken, globaler Virusstämme und wachsender Anforderungen im Pflanzenschutz ist RNA-Kompetenz an der richtigen Stelle entscheidend“, sagt Hagemann. „RNA-Analytik und Spray-Induced Gene Silencing können künftig Werkzeuge sein, die wir verantwortungsvoll in nachhaltige Anbausysteme integrieren.“

    Zur Person

    Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann studierte Biologie und promovierte in Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim. Seine Forschung umfasst molekulare Pflanzenpathologie, nachhaltige Pflanzenschutzstrategien, Viroiddiagnostik sowie praxisorientierte Obstbauwissenschaft. Er betreute mehr in den letzten fünf Jahren über dreißig Abschlussarbeiten in Obstbaubetrieben und Versuchseinrichtungen und engagiert sich für eine enge Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis. Zudem veröffentlichte er bislang über 30 Fachartikel zu den genannten Themen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann: https://www.hs-geisenheim.de/personen/person/1449


    Weitere Informationen:

    https://www.researchgate.net/profile/Michael-Hagemann


    Bilder

    Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann
    Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann
    Quelle: Woody T. Herner
    Copyright: Hochschule Geisenheim/Woody T. Herner


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Personalia, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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