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03.02.2026 15:34

Kreative Lösungen für reale Probleme: THWS-Studierende bewähren sich beim Entwicklungsprojekt

Eva Kaupp Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

    Gemischte Teams der Fakultäten Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen präsentieren ihre Projektarbeiten

    Ingenieurwissen praktisch anwenden und damit ein erfolgreiches Produkt entwickeln: So lautet die Aufgabenstellung beim gemeinsamen Entwicklungsprojekt der Bachelorstudiengänge Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen sowie Business and Engineering an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS). Meist dient ein Alltagsproblem den Professoren als Anlass für die jeweilige Aufgabenstellung. Aber in diesem Jahr gab es auch reale Kunden: den Baseball-Club Schweinfurt Giants sowie die Bentheim Werkstatt, eine Arbeitsstätte für sehbehinderte Menschen in Würzburg.

    Für Baseball-Fans ist es ein gewohnter Anblick: Vor jedem Spiel muss die Oberfläche des Spielfelds sorgfältig geglättet werden. John MacDonald, Abteilungsleiter bei den Schweinfurt Giants, macht deutlich, wie wichtig diese Aufgabe ist. Einmal sei ein Baseball auf einer Unebenheit aufgeschlagen, hochgesprungen und habe ihn am Hinterkopf getroffen – ein Aufenthalt im Krankenhaus war die Folge. Daher waren MacDonalds Angaben, was ein sogenannter „Baseball Field Dragger“ können muss, recht zahlreich: Dellen mit einer Tiefe von bis zu 4cm müssen geglättet werden können, wobei keine neuen Unebenheiten entstehen dürfen. Das Gerät sollte nicht mehr als 500 Kilogramm wiegen und nicht mehr als 1.000 Euro kosten. Vor allem der Motor muss gegen Korrosion und Staub geschützt sein. Die Bedienung sollte sicher und intuitiv funktionieren und außerdem effektiver und schneller sein als die bisherigen Lösungen.

    Nicht alle Vorschläge der Studierenden konnten den Abteilungsleiter des derzeitigen Landesligameisters begeistern. Doch einer der Prototypen hatte es ihm angetan: Ein modularer Aufbau mit einfach zu verstauenden Teilen, einer abnehmbaren Batteriebox und einer Lenkstange mit integrierter Geschwindigkeitssteuerung. Zudem hatten die Studierenden auch an einen Sicherheitsmechanismus gedacht, der das Gerät sofort stoppt. Auch die Gesamtkosten von ca. 820 Euro erfüllten die Vorgaben: „Dafür gibt es 100-prozentig einen Markt“, zeigte sich John MacDonald begeistert. „Das ist eine Millionen-Dollar-Idee!“

    Produktentwicklung für Sehbehinderten-Werkstatt

    Ganz anders gelagert war die Aufgabenstellung, die die Bentheim Werkstatt den Studierenden gegeben hatte: Blinde und Sehbehinderte stellen dort unter anderem umweltfreundliche und besonders lang brennende Anzünder aus Kiefernholzspänen her. Dazu werden kleine Holzstücke in Späne zerteilt, die anschließend zu kleinen Bündeln zusammengefügt werden. Aufgabe der Studierenden war es, eine kleine, tragbare Maschine zu konzipieren, die maximal 20 Kilogramm wiegen darf, mit Druckluft betrieben wird, leicht zu bauen und zu warten ist und mindestens zehn Jahre funktionieren sollte. Neben einem Maximalpreis von 500 Euro ganz besonders wichtig: Die Maschine sollte für Sehbehinderte gut und vor allem sicher zu bedienen sein.

    „Split’n’Pull“, „Splitzki“ oder „Spaltmate“ – so hatten die Studierenden einige ihrer Vorschläge getauft. „Spaltmate“ erfüllte nicht nur die Vorgaben, sondern funktionierte während der Proben der Studierenden sehr zuverlässig. Sehr überzeugend hingegen die Sicherheitsvorkehrungen: Eine beidhändige Bedienung stellt sicher, dass auch Menschen mit Seheinschränkung die Maschine ohne Gefahr benutzen können. „Wir haben die Maschine getestet und unsere Mitarbeitenden waren sehr angetan. Jetzt werden wir noch ein paar kleine Verbesserungen vornehmen und gegebenenfalls sogar noch eine zweite Maschine bauen“, sagt Werkstattleiterin Stefanie Löhner.

    Aufgabenstellung aus dem Hochschulumfeld

    Die dritte Aufgabenstellung aus der Reihe der Professoren umriss ein allseits bekanntes Problem: Wie lassen sich Topfpflanzen am Leben erhalten, wenn ein Büro beispielsweise in der vorlesungsfreien Zeit nicht durchgehend besetzt ist? Hier kommen Prototypen wie der „HydroSmart“ oder „Happy Hydroplant“ ins Spiel. Die Studierenden hatten schnell herausgefunden, dass es derzeit am Markt entweder sehr billige Lösungen für nur wenige Tage gibt – oder sehr teure Lösungen. Ihre selbst entwickelten Prototypen sollten eine Abwesenheit von mindestens vier Wochen überbrücken können. Idealerweise sollte das Gewicht unter 10 Kilogramm liegen und das Gerät sollte mindestens vier Pflanzen versorgen können.

    Prof. Dr. Marcus Schulz von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen zeigte sich beeindruckt vom Prototyp des „HydroSmart“-Teams und gab ihnen auch für zukünftige Präsentationen einen wichtigen Tipp: „Wenn Ihr sowas Tolles gebaut habt, dann zeigt das auch her – und nicht nur Bilder in Eurer Präsentation!“

    International und interdisziplinär

    Beim Entwicklungsprojekt stellen sich gemischte Teams deutscher und internationaler Studierender der Fakultäten Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an der THWS gemeinsam der Aufgabe, eine Lösung für ein komplexes Problem zu finden. Die Präsentation findet auf Englisch statt. Neben einer Recherche zum aktuellen Markt müssen die Studierenden möglichst viele Vorgaben erfüllen in Bezug auf Funktionalität, Lebensdauer oder Gesamtkosten und so Ingenieurwissen und Betriebswirtschaft unter einen Hut bringen. So üben die Studierenden nicht nur in internationalen und interdisziplinären Teams zu arbeiten, sondern wirtschaftliche und technische Anforderungen miteinander zu vereinen.

    Über die THWS
    Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.100 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr.-Ing. Nicolas Tiesler
    nicolas.tiesler@thws.de


    Bilder

    Kleine Holzstücke zuverlässig spalten und dabei alle Sicherheitsvorschriften erfüllen – darum ging es bei der Aufgabenstellung der Bentheim Werkstatt
    Kleine Holzstücke zuverlässig spalten und dabei alle Sicherheitsvorschriften erfüllen – darum ging e ...
    Quelle: THWS/Eva Kaupp
    Copyright: THWS/Eva Kaupp

    Alle Vorgaben umsetzen und einen möglichst überzeugenden Prototypen vorführen, darauf kam es bei der Präsentation der Entwicklungsprojekte an. Im Publikum: Lehrpersonal der THWS und die jeweiligen Auftraggeber
    Alle Vorgaben umsetzen und einen möglichst überzeugenden Prototypen vorführen, darauf kam es bei der ...
    Quelle: THWS/Eva Kaupp
    Copyright: THWS/Eva Kaupp


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, jedermann
    Elektrotechnik, Maschinenbau, Werkstoffwissenschaften, Wirtschaft
    überregional
    Studium und Lehre, wissenschaftliche Weiterbildung
    Deutsch


     

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