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Wissenschaft
Weltweit arbeiten führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, dass „Rätsel Altern“ zu lösen und zu verstehen, was „Altern“ bedeutet – biologisch, klinisch und gesellschaftlich. In dem kürzlich erschienenen Perspektiven-Artikel „Past, present and future perspectives on the science of aging“ in der Fachzeitschrift „Nature Aging“ ziehen mehr als 50 Forschende aus verschiedenen Disziplinen eine Zwischenbilanz, was die Alternsforschung bisher erreichen konnte und zeichnen zugleich ein visionäres Bild für die Zukunft. Unter den Wortmeldungen ist auch Dr. Melike Dönertaş vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena.
Jena. Historisch betrachtet spielte das Altern in der biologischen Forschung lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle und galt als Randthema. Dieses Bild hat sich mittlerweile grundlegend gewandelt: Der Prozess des Alterns gilt heute als zentraler Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen – von Herz-Kreislauf-Krankheiten über Krebs bis hin zu neurodegenerativen und anderen alternsassoziierten Krankheiten – und rückt damit immer mehr in den Fokus der biomedizinischen Forschung. Denn Erkenntnisse aus der Alternsforschung eröffnen neue Perspektiven: Sie tragen nicht nur dazu bei, die Entstehung von Erkrankungen im Alter besser zu verstehen und gezielter zu behandeln, sondern könnten langfristig auch dazu beitragen, die gesunde Lebensspanne zu verlängern. Damit gewinnt die Alternsforschung nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung, da sie mögliche Wege aufzeigt, die Lebensqualität, Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit im höheren Alter zu verbessern.
Alternsforschung im Wandel
Anlässlich seines fünfjährigen Bestehens ist in der Fachzeitschrift „Nature Aging“ jetzt ein Perspektiven-Beitrag erschienen, der die Entwicklung der Alternsforschung näher beleuchtet. In dem Artikel „Past, present and future perspectives on the science of aging“ blicken mehr als 50 international führende Forschende unterschiedlicher Regionen und Disziplinen, die bereits in dieser Zeitschrift ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht haben, auf bisherige Fortschritte in der Alternsforschung zurück. Eine der Beitragenden ist auch Dr. Handan Melike Dönertaş, Leiterin der Forschungsgruppe „KI in der Mikrobiom- und Alternsforschung“ am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena.
In dem Artikel werden Ergebnisse und Erfahrungen aus fünf Jahrzehnten Forschung gebündelt. Altern wird nunmehr als ein zentraler biologischer Prozess eingeordnet, der die Gesundheit, Krankheitsrisiken und Lebensqualität über die gesamte Lebensspanne hinweg prägt. Dabei hat sich in den letzten Jahrzehnten die Alternsforschung von einer überwiegend beschreibenden Disziplin zu einem integrativen, mechanistischen Forschungsfeld entwickelt.
Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass das biologische und chronologische Alter deutlich voneinander abweichen können. Denn Menschen altern individuell, vielschichtig und unterschiedlich schnell – auf zellulärer, organischer und systemischer Ebene. Mit Hilfe moderner, datengetriebener und systembiologischer Ansätze wie Multi-Omics-Analysen, Einzelzellmethoden, Bildgebung und KI-gestützten Modellierungen – Technologien, die auch am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) eingesetzt werden – wird es zunehmend möglich, diese Komplexität zu erfassen und Alternsprozesse messbar zu machen. Damit lassen sich erstmals zwischen Individuen die Unterschiede beim Altern präzise abbilden.
In diesem Zusammenhang ist es bereits gelungen, zentrale Mechanismen des Alterns systematisch zu identifizieren, darunter genomische Instabilität, epigenetische Veränderungen, chronische Entzündungen, metabolische Dysregulationen und der Verlust zellulärer Resilienz. Diese Einsichten haben den Übergang von Einzelhypothesen zu vernetzten, systembiologischen Modellen ermöglicht und werden auch künftig entscheidend dazu beitragen, das Verständnis komplexer Alternsprozesse weiter zu vertiefen.
Zuverlässige Biomarker werden künftig entscheidend sein, um das Risiko für alternsbedingte Erkrankungen frühzeitig abzuschätzen und individuelle Alternsprozesse messbar zu machen. Ziel ist nicht die Lebensverlängerung, sondern die Förderung gesunden Alterns durch frühere und genauere Diagnosen sowie bessere Behandlungsmöglichkeiten. Diese Sichtweise gibt der Alternsforschung für die Zukunft eine klare Richtung.
„Wir freuen uns sehr, dass Dr. Melike Dönertaş bei diesem Perspektiven-Artikel mitgewirkt hat, einmal mehr ein Indiz für die wichtige Rolle des FLI auf dem Gebiet der Alternsforschung,“ betont Prof. Dario Riccardo Valenzano, Wissenschaftlicher Direktor des FLI. „Der systembiologische Ansatz ihrer Gruppe steht dabei exemplarisch für eine Forschung, die große Datensätze, biologische Netzwerke und funktionelle Analysen effektiv zusammenführt, um die Dynamik des Alterns ganzheitlich zu verstehen. Darüber hinaus zeigt ihre Mitwirkung, wie Forschende weltweit aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten, um Alternsprozesse auf molekularer Ebene zu verstehen und neue Impulse für die Translation in die Medizin zu geben.“
Doch wie sieht die Alternsforschung der Zukunft aus?
Sie ist interdisziplinär, vorausschauend und gesellschaftlich verantwortungsvoll ausgerichtet. Das bedeutet im Detail, neben biologischen und medizinischen Aspekten berücksichtigt die moderne Alternsforschung auch soziale und ethische Fragen. Ziel ist es, Studien populationsübergreifend anzulegen und neue Interventionen so zu entwickeln, dass ihre Vorteile möglichst vielen Menschen zugänglich werden. Der „Nature Aging“-Artikel ist damit nicht nur eine wissenschaftliche Zusammenfassung zu dem, was die Alternsforschung war und derzeit ist, sondern gibt auch eine klare, strategische Orientierung, wie dieses Forschungsfeld in den nächsten Jahren weltweit gestaltet werden kann.
Publikation
Past, present and future perspectives on the science of aging. Ambrosio F, Artyomov MN, Austad SN, Barzilai N, Belmonte JCI, Belsky DW, Benayoun BA, Brunet A, Dönertaş HM, Dubal DB, Fang EF, Feige JN, Fried LP, Furman D, Gao X, Gladyshev VN, Gorbunova V, Gorospe M, Han JJ, Hansson O, Hara E, Horvath S, Ip NY, Kuchel GA, Kaeberlein M, Lamming DW, Levy BR, Liu GH, Lee J, Moffitt TE, Minamino T, Partridge L, Raina P, Rando TA, Rowe JW, Schwartz M, Scott AJ, Sierra F, Sinclair DA, Teunissen CE, Vellas B, Verdin E, Walker KA, Webb AE, Wyss-Coray T, Xu M, Yu JT, Zhavoronkov A, Aman Y, Kriebs A, Ren Q, Walters H, Thuault S. Nat Aging. 2026, 6(1):6-22. doi: 10.1038/s43587-025-01046-2.
https://www.nature.com/articles/s43587-025-01046-2
Kontakt
Dr. Kerstin Wagner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 03641-656378, E-Mail: presse@leibniz-fli.de
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Hintergrundinformation
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) in Jena ist eine von Bund und dem Freistaat Thüringen gemeinsam finanzierte Forschungseinrichtung in der Leibniz-Gemeinschaft. Am FLI wird international sichtbare Spitzenforschung zur Biologie des Alterns auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene betrieben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus rund 40 Ländern erforschen die Mechanismen des Alterns, um dessen Ursachen besser zu verstehen und Grundlagen für Strategien zu schaffen, die gesundes Altern fördern. (http://www.leibniz-fli.de/de/)
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-Wissenschafts-Campi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Die Leibniz-Institute unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei 2,3 Milliarden Euro. (http://www.leibniz-gemeinschaft.de).
https://www.nature.com/articles/s43587-025-01046-2
Dr. Handan Melike Dönertaş, Leiterin der Forschungsgruppe „KI in der Mikrobiom- und Alternsforschung ...
Quelle: (Foto: FLI / Anna Schroll)
Copyright: FLI
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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