idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Eltern mit höherem Bildungs- und Einkommensniveau investieren mehr Zeit und Geld in die Förderung ihrer Kinder als sozioökonomisch schlechter gestellte Eltern. Diese Unterschiede im Bildungsort Familie sind ein zentraler Erklärungsansatz dafür, dass die familiäre Herkunft in Deutschland weiterhin maßgeblich für die Bildungsbiografien von Kindern ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), in der Zeitinvestitionen und bildungsbezogene Ausgaben von Eltern analysiert wurden. Als Grundlage dienen repräsentative Daten aus der Zeitverwendungserhebung und der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe.
Unterschiede in der kindlichen Entwicklung nach familiärem Hintergrund sind in Deutschland besonders stark ausgeprägt und bereits vor Schuleintritt deutlich messbar. Der Bildungsort Familie spielt dabei eine zentrale Rolle. „Bildungs- und einkommensstärkere Eltern verbringen deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern in Bildungs- und Lernaktivitäten und geben erheblich mehr Geld für Bücher sowie außerschulische Angebote aus“, erklärt Dr. Sophia Schmitz vom BiB. Auf der Basis neuer Daten wurde dieser Unterschied quantifiziert: So verbringen Kinder und Jugendliche aus bildungsferneren Haushalten durchschnittlich knapp 20 Minuten pro Tag weniger Zeit mit ihren Eltern mit Lesen, Vorlesen, Hausaufgaben oder Gesprächen als Kinder aus Akademikerhaushalten. Diese Unterschiede fallen deutlich ins Gewicht: Im Grundschulalter entsprechen sie rund zwölf Prozent der Unterrichtszeit an Grundschulen.
Des Weiteren zeigen die Analysen, dass Maßnahmen zur Stärkung der Familie als Bildungsort besonders in den ersten Lebensjahren angesetzt werden sollten: Die tägliche Eltern-Kind-Zeit sinkt von durchschnittlich rund elf Stunden im ersten Lebensjahr kontinuierlich auf etwa zwei Stunden im Alter von 17 Jahren. Da ein Großteil der gemeinsamen Zeit in den ersten Lebensjahren stattfindet und Unterschiede in den Zeitinvestitionen nach familiärem Hintergrund bereits unmittelbar nach der Geburt deutlich messbar sind, kommt Unterstützungsangeboten in den frühen Lebensjahren eine zentrale Rolle zu.
Auch bildungsbezogene Ausgaben fallen in Haushalten mit höherem Bildungs- und Einkommensniveau deutlich größer aus. „Haushalte im obersten Einkommensquartil geben monatlich fast dreimal so viel Geld für Nachhilfe, Bücher und andere außerschulische Aktivitäten pro Kind aus wie Haushalte aus dem untersten Einkommensquartil“, so Elena Ziege, Ko-Autorin der Studie.
„Die Befunde zeigen dringenden Handlungsbedarf, um den Bildungsort Familie für die Ausschöpfung aller Bildungspotenziale zu stärken“, folgert Mitautorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Direktorin des BiB. Als besonders vielversprechend gelten dabei Programme, die Informations- und Verhaltensbarrieren auf Seiten der Eltern abbauen und elterliche Bildungsinvestitionen frühzeitig fördern – etwa im Rahmen der Frühen Hilfen. Ergänzend können finanzielle Unterstützungsinstrumente wie das Bildungs- und Teilhabepaket Familien entlasten, die sich höhere Bildungsausgaben sonst nicht leisten könnten.
Um möglichst viele Eltern zu erreichen und Zugangshürden gering zu halten, empfehlen die Autorinnen, Angebote der Familienbildung eng an außerfamiliäre Bildungseinrichtungen wie Kitas und Schulen anzubinden. So kann ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um bildungsspezifischen Ungleichheiten frühzeitig entgegenzuwirken und in einer alternden Gesellschaft alle Bildungspotenziale zu fördern.
Daten: Die Studie basiert auf den aktuellsten Daten der Zeitverwendungsstudie aus dem Jahr 2022 und der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Jahres 2018. Da die elterliche Zeitverwendung für Kinder in den ersten zehn Lebensjahren auf Angaben der Eltern zu Aktivitäten mit mindestens einem Kind unter 10 Jahren ohne eine Zuordnung zu einem spezifischen Kind beruht, beziehen sich die Analysen für Kinder unter 10 Jahren auf Ein-Kind-Haushalte. Für Kinder ab 10 Jahren können alle Haushalte berücksichtigt werden, da die Kinder selbst befragt werden. Zusatzanalysen mit älteren Kindern zeigen jedoch, dass Kinder ohne Geschwister zwar im Durchschnitt etwas mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen, dieser Unterschied über das Alter hinweg jedoch weitgehend konstant bleibt.
Dr. Sophia Schmitz Sophia.Schmitz@bib.bund.de
Elena Ziege Elena.Ziege@bib.bund.de
Schmitz, Sophia; Spieß, C. Katharina; Ziege, Elena; Tuchborn, Eliane: Bildungsort Familie. Ressourcenstärkere Eltern investieren mehr Zeit und Geld in die Bildung ihrer Kinder. In: BiB.Aktuell 1/2026.
http://https:www.bib.bund.de/Publikation/2026/BiB-Aktuell-2026-1
Zeit für gemeinsame Bildungs- und Lernaktivitäten nach elterlicher Bildung
Copyright: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).