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10.02.2026 09:21

Schulterschluss für präventiven Rettungsdienst auf akademischem Niveau im DACH-Raum - Workshop an der THD

Lea Blöchinger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Hochschule Deggendorf

    Der Rettungsdienst im deutschsprachigen Raum steht stetig steigenden Herausforderungen im Berufsalltag gegenüber. Am 4. Februar lud die Technische Hochschule Deggendorf (THD) zu einem Workshop zur akademischen Ausbildung in der außerklinischen Akut- und Notfallversorgung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter ein. Daran beteiligten sich routinierte Akteure sowie hochschulische Expertinnen und Experten im präventiven Rettungsdienst aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie tauschten sich über ihre Erfahrungen im aktiven Dienst, in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Verbandsarbeit aus, um die Basis für einen möglichst flächendeckend einheitlichen Lehrplan zu schaffen.

    Erfolgreicher Diskurs für ein weitgehend einheitliches Curriculum

    Während der eine Teil der Expertinnen und Experten die Rolle von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern (NotSans) in Forschung und Entwicklung sowie die Einbettung wissenschaftlicher Fertigkeiten in die akademische Ausbildung diskutierte, arbeitete eine zweite Gruppe an der Verankerung fachlicher Kompetenzen und sozialer Skills zur erweiterten Patientenversorgung im Curriculum. Im Fokus des gemeinsamen Vorhabens stehen die akademische Qualifizierung von NotSans im präventiven Rettungsdienst sowie die Befähigung zur eigenverantwortlichen, fallabschließenden Bearbeitung niedrigprioritärer Einsätze. In den kommenden Monaten stehen die Entwicklung und die Ausformulierung des gemeinsamen Basislehrplans an. Der federführend aktive THD-Professor Dr. Dr. med. habil. Mathias Burgmaier fasst es treffend zusammen: „Auch wenn wir zusammen mit unseren Praxispartnern vom Bayerischen Roten Kreuz und weiteren Akteuren im Feld ein großartiges Curriculum für ein Studium an der THD entwickelt haben, wird es im Gesundheitssystem zukünftig keine Insellösung für Deggendorf geben. Dauerhaft erfolgreich werden wir nur gemeinsam sein – wenn wir es schaffen, ein einheitliches Curriculum national zu denken. Hierzu müssen wir jetzt proaktiv und gemeinsam vorangehen.“ Sebastian Lange von der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes verdeutlichte: „Die Schritte, die wir in Bayern mit der außerklinischen Versorgung im Rettungsdienst gehen, haben Leuchtturmfunktion weit über die Grenzen Bayerns hinaus."
     
    Vorgespräche bereits im Herbst 2025

    Dem von der THD-Arbeitsgruppe Präventiver Rettungsdienst initiierten Workshop ist bereits Ende Oktober 2025 eine Expertenrunde, organisiert von der Bayerisches Rotes Kreuz – Regensburger Rot-Kreuz-Stiftung, vorangegangen. Dabei wurde eruiert, wie vorbeugender Rettungsdienst den Anforderungen der Zukunft begegnen kann. Die Folge waren Rufe nach einer bundeseinheitlichen akademischen Aus- / Weiterbildung in der außerklinischen Akut- und Notfallversorgung (ANV) für NotSans, auf die die THD nun mit dem auf den DACH-Raum ausgeweiteten Workshop reagierte.
     
    Erfahrungen aus der regionalen Praxis: Entlastung des bestehenden Rettungssystems

    Zu Beginn berichtete der erfahrene Notfallsanitäter Andreas Bauer, der zugleich an der THD in der ersten Kohorte Außerklinische Akut- und Notfallversorgung (ANV) studiert, über seine Erfahrungen mit dem Rettungseinsatzfahrzeug (REF). Dies war zunächst als Pilotprojekt in Regensburg gestartet worden und wurde mittlerweile im erweiterten Probebetrieb an weiteren Standorten in Bayern etabliert. Die bisherigen Erfolge sprechen für sich: NotSans, die über eine Zusatzausbildung erweiterte Kompetenzen zur Diagnostik und medizinischen Ersteinschätzung haben, können akut, aber nicht lebensbedrohlich leidende Patientinnen und Patienten fallabschließend zuhause behandeln, an geeignete fachliche Versorgungsdienstleistende oder unter Umständen auch andere niedrigschwellige Hilfsangebote vermitteln. Bei Bedarf organisieren sie geeignete Transportlösungen. Typische Szenarien hierfür sind zum Beispiel sozial indizierte Einsätze wie soziale Hilflosigkeit zu Hause und im öffentlichen Raum, Stürze in Altenheimen, Dehydration oder palliative Patientenbetreuung außerhalb üblicher Dienstzeiten. So bleiben die für lebensrettende Einsätze und Patiententransporte ausgestatteten Rettungswägen für dringende Notfälle verfügbar und gleichzeitig werden Notaufnahmen durch das Abfedern von akuten Behandlungsbedarfen bei Bagatellverletzungen oder chronischen Erkrankungen nicht überlastet. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Erfahrenen NotSans, die sich weiterbilden und gleichzeitig in der Patientenversorgung bleiben wollen, werden an den Hochschulen neue berufliche Perspektiven geöffnet. Die erste Hochschule mit einem solchen Angebot in Bayern war die THD mit dem Bachelorstudiengang „Außerklinische Akut- und Notfallversorgung". Dieser wurde von Studiengangsleiter Prof. Dr. Dr. Mathias Burgmaier in enger Zusammenarbeit mit der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes und weiteren Akteuren entwickelt.
     
    Kanadisches Vorbild


    Nach der ersten Workshoprunde wurde Michael Nolan für einen Impulsvortrag zugeschaltet.
    Der Kanadier gilt international als Pionier im Feld der Akut- und Notfallversorgung und ermutigte die Workshopteilnehmenden zu ihrem besonderen Engagement für den Rettungsdienst. In seiner über 30-jährigen beruflichen Laufbahn konnte er unter anderem die Einführung von Community Paramedics als zentrale Akteure in den Gesundheitssystemen im angloamerikanischen Raum gestalten. „Ihr Wirken ist mehr als nur die reine Reaktion auf den Notruf“, erläutert der „Vater der Community Paramedics“, wie ihn Mathias Burgmaier nennt.
    Diese Vision von einer modernen, präventiven Notfallversorgung – mit dem in Deggendorf gestarteten Studiengang – hat Potential, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz langfristig die Patientenversorgung im Bereich niedrigprioritärer Einsätze zu verbessern und gleichsam Kostensteigerungen Einhalt zu bieten.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Dr. med. habil. Mathias Burgmaier

    https://www.th-deg.de/de/Mathias-Burgmaier-Fakult%C3%A4t%20Angewandte%20Gesundhe...


    Originalpublikation:

    https://www.th-deg.de/de/Presseartikel?id=43010530


    Bilder

    Prof. Dr. Dr. Mathias Burgmeier begrüßte die Workshop-Teilnehmenden an der THD.
    Prof. Dr. Dr. Mathias Burgmeier begrüßte die Workshop-Teilnehmenden an der THD.

    Copyright: THD


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Kooperationen, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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