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10.02.2026 10:00

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen - Auszeichnungen für geschichtswissenschaftliche Arbeiten

Maren Mielck Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

    Vom 19. bis 20. März 2026 findet die Vortragstagung der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an der Universität zu Lübeck statt. Im Rahmen der Tagung werden am 20. März die Gmelin-Beilstein-Denkmünze, der Paul-Bunge-Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung sowie der Bettina-Haupt-Förderpreis der Bettina-Haupt-Stiftung verliehen. Alle drei Auszeichnungen würdigen Leistungen rund um die Geschichte der Chemie.

    Professor Dr. Helmut Maier, Bergische Universität Wuppertal, erhält die Gmelin-Beilstein-Denkmünze der GDCh für sein beeindruckendes Lebenswerk zur Chemiegeschichte. Besonders beeindruckt zeigte sich die Auswahlkommission von seinem 2015 erschienenen Werk „Chemiker im ‚Dritten Reich‘". Der Wuppertaler Wissenschaftshistoriker dokumentiert darin die Verstrickung der beiden GDCh-Vorgängerorganisationen – Deutsche Chemische Gesellschaft und Verein Deutscher Chemiker – in den NS-Herrschaftsapparat. Die Studie besticht durch hohe Faktendichte und lückenlose Quellenarbeit. Maier analysiert Handlungsspielräume von Einzelpersonen und Institutionen – ohne zu moralisieren.

    Helmut Maier studierte Elektrotechnik (Diplom 1985) sowie Neuere Geschichte und Naturwissenschaftsgeschichte an der TU Braunschweig, wo er 1990 promovierte. 2005 habilitierte er sich an der BTU Cottbus. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Braunschweig (1990–1992) und der Ruhr-Universität Bochum (1992–1998), Research Fellow an der Iowa State University, Ames, US (1993–1994), sowie Koordinator beim MPG-Forschungsprogramm in Berlin (1999–2004). Von 2007 bis 2020 war er Universitätsprofessor an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2020 ist er außerplanmäßiger Professor am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Er erhielt 1991 den Rudolf-Kellermann-Preis des VDI und 2016 den Sonderpreis des VCI-Fonds.

    Dr. David Singerman, University of Virginia, Charlottesville, US, erhält den Paul-Bunge-Preis für sein Buch „Unrefined: How Capitalism Reinvented Sugar". Darin erzählt er die Geschichte des Zuckers im 19. Jahrhundert neu. Er betrachtet sie durch die Linse eines Messgeräts: des Polariskops (manchmal auch Polarimeter genannt). Dieses Instrument dient zur Bestimmung des Zuckergehalts – und war damit entscheidend für Handel und Besteuerung. Er zeigt, wie Fachleute aus Chemie und Industrie um die Standardisierung von Zucker rangen. Ein mühsames Unterfangen, wie Singerman belegt. Damit verbindet er ein klassisches Thema der Wirtschafts- und Kolonialgeschichte mit der Metrologie (der Wissenschaft vom Messen). Diese war ein zentrales Anliegen der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts. So eröffnet Singerman neue Perspektiven auf Kapitalismus und Globalisierung. Die Auswahlkommission überzeugte besonders, wie Singerman die Geschichte eines einzelnen Instruments nutzt, um größere historische Zusammenhänge sichtbar zu machen.

    David Singerman studierte Geschichte an der Columbia University, New York, US (BA 2006) sowie Geschichte und Philosophie der Wissenschaft an der University of Cambridge, GB (MPhil 2007). Er promovierte 2014 am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, US. Nach Stationen als Postdoktorand an der Rutgers University, New Brunswick, US, und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard Business School, Boston, US, ist er seit 2017 Assistant Professor für Geschichte und American Studies an der University of Virginia, Charlottesville, US. 2015 wurde er mit dem Krooss Prize und dem Coleman Prize für die beste Dissertation in Wirtschaftsgeschichte ausgezeichnet. 2024 war er Gastprofessor an der EHESS, Paris, FR.

    Den Bettina-Haupt-Förderpreis erhält Dr. Simon Große-Wilde, Technische Universität Berlin, für seine Publikation „Wehrtechnologische Forschung und Prüfung für das ‚Dritte Reich‘ – Die Chemisch-Technische Reichsanstalt von 1900 bis 1945“. Die Studie zeichnet ausführlich die Geschichte der Chemisch-Technischen Reichsanstalt und ihres Vorläufers, des Militärversuchsamts (MVA), nach und analysiert eingehend deren wehrtechnologische Forschung sowie staatliche Verflechtungen vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur modernen Ressortforschung.

    Weitere Informationen zur Tagung unter http://www.gdch.de/geschichte

    Über die Gmelin-Beilstein-Denkmünze:

    Die Gmelin-Beilstein-Denkmünze wird von der GDCh an in- und ausländische Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemie-Information erworben haben. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert und mit einer Silbermedaille verbunden. Er wurde ursprünglich 1954 von der Hoechst AG gestiftet und wird seit 1996 von der GDCh finanziert. Der Preis erinnert an Leopold Gmelin und Friedrich Beilstein, die im 19. Jahrhundert die ersten Handbücher zur anorganischen und zur organischen Chemie veröffentlichten.

    Über den Paul-Bunge-Preis:

    Der Paul-Bunge-Preis gilt weltweit als wichtigste Ehrung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente und wird öffentlich und international ausgeschrieben. Der Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung ist mit 7500 Euro dotiert und wird von der GDCh und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie (DBG) gemeinsam vergeben. Er zeichnet herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente aus. Hans R. Jenemann (1920–1996), Chemiker bei den Schott Glaswerken in Mainz, wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Geräte, vor allem historischer Waagen. Er selbst rief die Stiftung 1992 ins Leben. Benannt ist der Preis nach dem Hamburger Feinmechaniker Paul Bunge (1839–1888), einem der führenden Konstrukteure von Laborwaagen für die chemische Analyse.

    Über den Bettina-Haupt-Förderpreis:

    Die Bettina-Haupt-Stiftung vergibt den Bettina-Haupt-Förderpreis für Geschichte der Chemie. Der Preis fördert chemiehistorische Forschung, indem er herausragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem deutschen Sprachraum auszeichnet. Er ist mit 1500 Euro dotiert.

    Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Die Verleihung des Paul-Bunge-Preises der Hans-R.-Jenemann-Stiftung erfolgt jährlich, üblicherweise abwechselnd auf der Bunsen-Tagung und den Vortragstagungen der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie.


    Weitere Informationen:

    https://www.gdch.de
    https://www.gdch.de/geschichte


    Bilder

    Preisträger der Gmelin-Beilstein-Denkmünze Helmut Maier (Foto: privat)
    Preisträger der Gmelin-Beilstein-Denkmünze Helmut Maier (Foto: privat)

    Paul-Bunge-Preisträger David Singerman (Foto: Avery Wagner, University of Virginia)
    Paul-Bunge-Preisträger David Singerman (Foto: Avery Wagner, University of Virginia)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Chemie, Geschichte / Archäologie
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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