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11.02.2026 10:00

KI-optimiertes Reporting: Wie Unternehmen ihre Sichtbarkeit in ChatGPT verdreifachen

Elisa Vetter Media Relations
HHL Leipzig Graduate School of Management

    Das Dateiformat entscheidet: Unternehmen, die ihre Geschäftsberichte im HTML-Format veröffentlichen, erscheinen dreimal häufiger in ChatGPT-Antworten als solche, die auf PDFs setzen. Zudem führt eine HTML-Quelle zu faktisch korrekteren Aussagen der Künstlichen Intelligenz (KI). Zu diesen und weiteren Schlüssen kommt die großangelegte Studie „GenAI as a Reader“ der HHL Leipzig Graduate School of Management, der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten und der Wiener Beratungsagentur nexxar. Sie liefert Unternehmen erstmals datenbasierte Hinweise darauf, wie sie ihre verifizierten Finanzdaten so aufbereiten, dass sie von dem KI-Sprachmodell als Quelle herangezogen werden.

    Fast jeder zweite Privatanleger (47 Prozent) nutzt KI-Tools wie ChatGPT, um Finanzdaten zu interpretieren oder Investmententscheidungen vorzubereiten. Das zeigt eine Ende 2024 publizierte Untersuchung der University of Washington. Nutzende schätzen vor allem die Fähigkeit der KI, komplexe Datenmengen in Sekundenschnelle zu vereinfachen. Zugleich zweifelt mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) an der Verlässlichkeit der KI-Antworten.

    Welche Informationsquellen zieht ChatGPT heran?
    Eine berechtigte Sorge, wie das Forschungstrio aus Leipzig, St. Pölten und Wien nun belegt. Von September bis November 2025 führte ein 20-köpfiges Team der USTP über 2.500 Prompts mit Fragen zu u. a. Jahresabschlüssen, Managementvergütungen und Nachhaltigkeitsthemen von 20 börsennotierten Unternehmen aus. Dabei wurden mehr als 24.000 von GPT-4o sowie GPT-5 genannte Quellen kategorisiert und ausgewertet.

    Das Ergebnis: Zu 85 Prozent verweist das KI-Sprachmodell auf unternehmenseigene Inhalte wie den verifizierten Geschäftsbericht (58 Prozent), die Investor Relations-Website (15 Prozent) oder die Unternehmenswebsite (12 Prozent). In den übrigen 15 Prozent der Fälle greift der KI-Chatbot auf externe Quellen wie Finanzdatenanbieter (sechs Prozent) oder Medienberichte (drei Prozent) zurück.

    Der Faktor Dateiformat: Dreifache Sichtbarkeit bei HTML
    Ob ChatGPT die verifizierten Originaldaten nutzt oder auf Sekundärquellen ausweicht, hängt maßgeblich vom Dateiformat der Unternehmensquelle ab. Die Studie zeigt: HTML-Berichte sind in den Antworten des KI-Chatbots dreimal häufiger präsent als PDF-Publikationen. Während ChatGPT bei PDF-Berichten in fast einem Viertel der Fälle (24 Prozent) auf externe Quellen ausweicht, sinkt dieser Anteil bei HTML-Berichten auf sieben Prozent.

    „Große Sprachmodelle wie ChatGPT bevorzugen strukturierte Daten. Sie extrahieren Informationen wesentlich schneller und präziser aus HTML-Codes als aus PDF-Dateien“, erklärt Prof. Mag. Monika Kovarova-Simecek, Leiterin des Masterstudiengangs Digital Business Communications an der USTP, in dessen Rahmen das Forschungsprojekt durchgeführt wird.

    Faktencheck: Weniger Fehlinformationen bei HTML
    Ein zusätzlicher Faktencheck von rund 200 weiteren ChatGPT-Antworten zu den Geschäftsberichten offenbart Qualitätsmängel, die insbesondere für potenzielle Investoren ins Gewicht fallen können: Nur knapp 63 Prozent der KI-Aussagen sind vollständig und korrekt. Ein Viertel bleibt unvollständig, 20 Prozent enthalten Fehlinformationen.

    Auffällig ist dabei der Qualitätsunterschied je nach Quelle: HTML-Berichte führen in 71 Prozent der Fälle zu korrekten Ergebnissen, PDF-Berichte in 54 Prozent. „Umso wichtiger ist es für Unternehmen, der KI keine technischen Hürden in den Weg zu stellen. Weicht ChatGPT mangels Verfügbarkeit maschinenlesbarer Daten auf externe Drittquellen aus, steigt das Risiko für Desinformation“, warnt Eloy Barrantes von der Reporting-Agentur nexxar. „Geschäftsberichte müssen so accessible wie möglich sein.“

    Wonach fragen potenzielle Investoren ChatGPT?
    Parallel zur Inhaltsanalyse wertete das Forschungsteam der HHL die Serverprotokolle von fünf DAX-Unternehmen aus, um zu ermitteln, welche Bots am häufigsten auf digitale Geschäftsberichte zugreifen. Das Ergebnis: Unter fast fünf Millionen automatisierten Zugriffen und mehr als 100 identifizierten Bots dominiert ChatGPT mit einem Anteil von über 30 Prozent.

    Zudem offenbart die Analyse von über einer Million konkreter ChatGPT-Anfragen folgendes Interessensprofil: Nutzerinnen und Nutzer befragen das KI-Sprachmodell primär zur operativen Geschäftsentwicklung, zur Unternehmensstrategie sowie zu Finanz- und Nachhaltigkeitskennzahlen.

    „ChatGPT nutzt digitale Geschäftsberichte als ganzheitliche Informationsquelle zur Unternehmensentwicklung. Für Unternehmen bedeutet das: Wer seine Daten KI-gerecht aufbereitet, bestimmt mit, was potenzielle Investoren über sie lesen“, resümiert Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der HHL.

    Die HHL Leipzig Graduate School of Management
    ist eine universitäre Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Laut Financial Times-Ranking zählt sie zu den führenden internationalen Business Schools und erreicht global Top-Platzierungen in den Bereichen Karriereberatung, Alumni-Netzwerk und Gehalt nach Graduierung. Ziel der ältesten betriebswirtschaftlichen Hochschule Deutschlands ist die Ausbildung unternehmerisch denkender, verantwortungsbewusster und leistungsfähiger Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die HHL 2025 zum siebten Mal in Folge als Gründerhochschule Nummer 1 in Deutschland ausgezeichnet. Aus der HHL sind in den letzten 30 Jahren über 530 Unternehmensgründungen hervorgegangen mit mehr als 30.000 Mitarbeitenden. Als erste deutsche private Business School wurde die HHL durch die international renommierte AACSB akkreditiert und erlangte diesen Qualitätsstatus seither fünf Mal in Folge. Mehr Daten zur HHL unter https://www.hhl.de/de/die-hhl/

    Die USTP – University of Applied Sciences St. Pölten
    steht für zukunftsweisende Hochschulausbildung, angewandte Forschung und internationale Vernetzung. Knapp 4.000 Studierende erhalten in zahlreichen Bachelor- und Master-Studiengängen sowie berufsbegleitenden Weiterbildungsprogrammen eine praxisorientierte Ausbildung in den Themenbereichen Medien, Kommunikation, Management, Digitale Technologien, Informatik & KI, Security, Bahntechnologie, Gesundheit und Soziales. Lehre und Forschung sind dabei eng verzahnt: Als forschungsstarke Hochschule kooperiert die USTP mit nationalen und internationalen Partner*innen in anwendungsbezogenen Projekten. Zudem leitet sie die europäische Hochschulallianz E³UDRES² (Engaged and Entrepreneurial European University as Driver for European Smart and Sustainable Regions) und entwickelt zusammen mit Hochschulen aus neun Partnerländern zukunftsweisende Konzepte für die Hochschule der Zukunft sowie für smarte und nachhaltige europäische Regionen. Weitere Informationen unter https://www.ustp.at/

    nexxar
    ist eine führende Agentur und Beratungsunternehmen für Unternehmensberichte weltweit. Seit Gründung im Jahr 2003 hat das Unternehmen weit über 1.000 Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte als Online- und PDF-Versionen veröffentlicht. Das Wiener Unternehmen betreut zahlreiche DAX- und ATX-Konzerne im Reporting und arbeitet aktuell für Unternehmen aus Europa, Japan und den USA. Weitere Informationen unter https://nexxar.com/


    Weitere Informationen:

    https://digital-investor-relations.com/_assets/downloads/DIR_GenAI-as-Reader.pdf... - zum Studienbericht
    https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=5053905 - zur Untersuchung der University of Washington


    Bilder

    Untersucht, wie Unternehmen ihre Finanzberichte für die Nutzung durch KI optimieren können: Prof. Dr. Henning Zülch von der HHL
    Untersucht, wie Unternehmen ihre Finanzberichte für die Nutzung durch KI optimieren können: Prof. Dr ...
    Quelle: Hagen Wolf
    Copyright: HHL

    Infografik zur Studie
    Infografik zur Studie

    Copyright: nexxar


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Informationstechnik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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