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Anhand zweier Online-Beteiligungsforen zur Mobilitätswende in Norddeutschland untersuchen die Hildesheimer Psychologen Dr. Johann Majer und Prof. Dr. Andreas Mojzisch in einer aktuellen Studie sogenannte Konflikt-Frames – die unterschiedlichen Interpretationen, durch die Menschen Konflikte betrachten: Wird ein Streit als win-lose angesehen (der Gewinn der einen Seite ist der Verlust der anderen), als win-win (beide Seiten können profitieren) oder als gemischter Frame, der Elemente beider Sichtweisen verbindet?
In den untersuchten Online-Foren konnten Teilnehmende ihre Vorschläge für eine Mobilitätswende in Norddeutschland einreichen, die anschließend von den politischen Entscheidungsträger*innen gesichtet und in den Entscheidungsprozess eingebunden werden konnten. Die Teilnehmenden hatten zudem die Möglichkeit, mit Likes und Kommentaren auf Vorschläge zu reagieren. „Viele Personen setzten in ihren Vorschlägen vor allem Win-lose Frames ein, was die Konfliktlösung erschwert,“ erklärt Dr. Johann Majer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. „Rund zwei Drittel der erfassten Beiträge enthalten typische Elemente von Win-lose Frames.“ Gleichzeitig zeigten die Daten, dass gerade diese Beiträge häufig weniger Zustimmung erhalten – sowohl von anderen Bürger*innen als auch in der Bewertung durch politische Entscheidungsträger*innen. „Win-lose Frames scheinen also nicht besonders zielführend zu sein, wenn es darum geht, den eigenen Vorschlag in die Umsetzung zu bringen.“ Mehr positive Resonanz erhalten dagegen vor allem gemischte Frames, die Entschlossenheit mit Kooperationssignalen verbinden. „Das könnte damit zusammenhängen, dass gemischte Frames anschlussfähiger sind: Sie wirken kooperativ und trotzdem engagiert für die eigene Position“, sagt Majer.
Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden praktische Ansätze ab: Online-Beteiligungsformate könnten etwa so gestaltet werden, dass sie langfristigen Austausch fördern, Perspektivwechsel erleichtern und die Rahmenbedingungen der Kommunikation – etwa Anonymität – reflektiert einsetzen. Die Ergebnisse wollen Majer und Mojzisch in Workshops mit Politik und Stadtverwaltungen diskutieren; außerdem stehen sie mit Entwickler*innen von Dialogformaten im Austausch. Ziel sei es, Konflikte immer besser zu verstehen – „um das gemeinsame Entwickeln einer guten Lösung für alle zu fördern“.
Dr. Johann Majer
https://www.uni-hildesheim.de/neuigkeiten/konflikte-verstehen-um-loesungen-zu-fo...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Psychologie
überregional
Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
Deutsch

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