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12.02.2026 08:00

Zum Internationalen Kinderkrebstag am 15. Februar: Prof. Claudia Rössig über neue Therapien gegen Leukämien

DJCLS Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V.

    München/Münster, 12. Februar 2026 – Warum erkranken Kinder und Jugendliche an einer Leukämie? Welche neuen Therapieansätze gibt es? Wie wichtig ist die öffentliche Wahrnehmung? Zum Internationalen Kinderkrebstag am 15. Februar beantwortet Prof. Dr. Claudia Rössig die wichtigsten Fragen zum Thema Blutkrebs. Die Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Münster ist eine der renommiertesten Expertinnen für Leukämie bei Kindern und engagiert sich als Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der José Carreras Leukämie-Stiftung für die Erforschung von Leukämien und anderer schwerer Blut- und Knochenmarkserkrankungen.

    Frau Prof. Rössig, was bedeutet der Internationale Kinderkrebstag für Sie persönlich – und warum ist dieser Tag so wichtig?

    Prof. Dr. Claudia Rössig: Ich widme mein ganzes berufliches Leben der Kinder-Onkologie und bin international mit Kollegen vernetzt, die sich ebenfalls dem Kampf gegen Leukämie verschrieben haben. Die meisten Menschen verdrängen das Thema, weil sie nicht darüber nachdenken wollen, dass auch ihre eigenen Kinder erkranken könnten. Viele meinen auch, dass Krebs bei Kindern heute kein großes Problem mehr darstellt. Mit dem Internationalen Kinderkrebstag haben wir eine gute Gelegenheit, um mit solchen Missverständnissen aufzuräumen. Gleichzeitig schärfen wir in der Öffentlichkeit das Bewusstsein, dass es die Wissenschaft ist, die uns weiterbringt. Nur über den wissenschaftlichen Fortschritt können wir mehr Patienten retten und die Nebenwirkungen weiter eindämmen.

    Leukämie ist leider immer noch die häufigste Krebserkrankung bei Kindern. Wodurch unterscheidet sich eine Leukämieerkrankung bei Kindern von der bei Erwachsenen?

    Prof. Rössig: Kinder erkranken weit häufiger als Erwachsene an einer bestimmten Form der Leukämie, der akuten lymphoblastischen Leukämie, kurz ALL. Bei Erwachsenen ist es eher die akute myeloische Leukämie, kurz AML. Sie gehen hervor aus unterschiedlichen Ursprungszellen im Knochenmark, die in die falsche Richtung abbiegen und bösartig werden.

    Wie entsteht eine Leukämie bei Kindern?

    Prof. Rössig: Es gibt eine Hypothese, dass möglicherweise bestimmte Zellen im Knochenmark des noch nicht geborenen Kindes vorliegen, die dann später unter sehr ungünstigen Umständen eine Leukämie auslösen können. Und zwar in der Kita-Zeit, in der Kinder ständig an harmlosen Infekten erkranken und sich das Abwehrsystem formt. In dieser Zeit scheint die Blutbildung beim Kind besonders empfindlich zu sein. Es gibt dazu mittlerweile eine Reihe von Forschungsprojekten. Es wäre natürlich prima, wenn man diese Zellen, die zu diesem Zeitpunkt noch harmlos sind, aber aus denen später eine Leukämie entstehen könnte, identifizieren und vernichten könnte. Ich halte es aber für unrealistisch, dass wir dies in Zukunft bei allen Kindern, die theoretisch an einer Leukämie erkranken könnten, durchführen werden.

    Früher kam die Leukämie-Diagnose bei einem Kind einem Todesurteil gleich. Wie ist die Situation heute?

    Prof. Rössig: Die Heilungschancen bei Leukämie im Kindesalter sind heute sehr hoch und liegen je nach Art der Leukämie bei über 70 bis 90 Prozent. Das ist natürlich ein großer Erfolg. Auf der anderen Seite verlieren wir aber immer noch Kinder und müssen deshalb weiter forschen. Nicht vergessen dürfen wir außerdem, dass die aktuellen Leukämie-Therapien eine riesengroße Belastung für das Kind und die ganze Familie darstellen – und dies oft über Jahre. Leukämie-Therapie ist stark abwehrschwächend und dadurch gefährlich. Es gibt Kinder, bei denen wir die Leukämie zwar in den Griff bekommen, die aber an der Therapie sterben. Leider ist es auch so, dass Kinder, die eine Leukämie im Kleinkindalter überlebt haben, Spätfolgen erleiden können. Sie haben dann nicht dieselbe Lebenserwartung und nicht dieselben Chancen, bis ins hohe Alter eine hohe Lebensqualität aufrecht zu erhalten wie andere Menschen. Die schlimmsten Spätfolgen sind die, die durch eine allogene Stammzelltransplantation entstehen, weil im Zuge der Therapie der gesamte Körper bestrahlt wird. Bei einem jungen Körper, der noch im Wachsen begriffen ist, kann das dramatische Folgen haben, wie spätere Unfruchtbarkeit und eine Schädigung verschiedener Organe. Außerdem steigt das Risiko für eine weitere Krebserkrankung im Laufe des Lebens.

    Welche Ansätze gibt es, um diese Nebenwirkungen einzudämmen?

    Prof. Rössig: Ein vielversprechender Ansatz ist die zielgerichtete Immuntherapie. Dabei wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, um Krebszellen gezielt zu erkennen und zu zerstören. Wir sprechen zum Beispiel von bispezifischen T-Zell-Engagern, die die körpereigenen T-Zellen dazu bringen, sich direkt an Tumorzellen zu binden und diese vernichten. Eine andere Innovation ist es, Abwehrzellen aus dem Körper des Patienten zu entnehmen und sie genetisch zu verändern. Dabei werden sie im Labor mit einem künstlichen Rezeptor, dem Chimeric Antigen Receptor, versehen. Diese CAR-T-Zellen sind dann in der Lage, überall im Körper Krebszellen aufzuspüren und zu zerstören. Ein weiterer wichtiger Forschungsansatz ist es, Leukämiezellen besser zu verstehen. Wo kann man eingreifen, so dass die Leukämie entweder gar nicht entsteht oder wie kann man sie gezielter bekämpfen? Ich glaube, dass es auch in Zukunft nicht eine einzige Therapieform geben wird. Neben neuen Verfahren werden auch Chemotherapie und Stammzelltransplantation weiterhin ihre Berechtigung haben. Wir brauchen ein Arsenal vielfältiger Mittel, um Leukämien wirksamer bekämpfen zu können. Und wir müssen noch besser wissen, in welcher Situation wir welche Methode am wirkungsvollsten anwenden.

    Wie wichtig ist für die Erforschung der Leukämien und der Entwicklung neuer Therapien die Unterstützung durch die José Carreras Leukämie-Stiftung?

    Prof. Rössig: Die Leukämieforschung wird ganz maßgeblich durch die José Carreras Leukämie-Stiftung finanziert, und zahlreiche wertvolle Projekte werden über eine Anschubfinanzierung initiiert. Über den Wissenschaftlichen Beirat, der aus renommierten Kolleginnen und Kollegen besteht, stellen wir sicher, dass wirklich nur wissenschaftlich hochwertige und vielversprechende Forschungsprojekte im Hinblick auf die klinische Anwendung gefördert werden. In meinen Augen ist die José Carreras Leukämie-Stiftung für die Leukämieforschung in Deutschland nicht wegzudenken.

    Aktion zum Kinderkrebstag 2026 I Wir laden Sie herzlich ein, aus den Einreichungen des Malwettbewerbs der José Carreras Leukämie-Stiftung anlässlich des Internationalen Kinderkrebstags Ihr Lieblingsmotiv zu wählen. Gemalt wurden die Bilder von betroffenen Kindern und ihren Familien. Vom 13.-16.2.2026, das Wochenende des Kinderkrebstags, darf das Publikum ein Lieblingsbild wählen. Die Bilder und die Abstimmungsmöglichkeit finden Sie unter: www.carreras-stiftung.de

    Über die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung: Die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert wissenschaftliche Forschungs-, Infrastruktur und Sozialprojekte. 1987 erkrankte Stifter José Carreras an Leukämie. Aus Dankbarkeit über die eigene Heilung gründete er 1995 den gemeinnützigen Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. und anschließend die dazugehörige Stiftung. Seither wurden bereits über 250 Millionen Euro an Spenden gesammelt und fast 1.600 Projekte finanziert, die den Bau von Forschungs- und Behandlungseinrichtungen, die Erforschung und Heilung von Leukämie und anderer hämato-onkologischer Erkrankungen, die Förderung von jungen Wissenschaftlern im Rahmen von Stipendienprogrammen sowie die Unterstützung der Arbeit von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben. 2019 wurde die José Carreras Leukämie-Stiftung von der Deutschen Universitätsstiftung und dem Stifterverband als Wissenschaftsstiftung des Jahres ausgezeichnet. Der Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. ist Träger des DZI Spenden-Siegels, dem Gütesiegel im deutschen Spendenwesen.

    Wer mehr erfahren möchte: https://www.carreras-stiftung.de/
    Wer helfen möchte: https://carreras-stiftung.de/spenden/

    Kontakt und weitere Informationen:
    Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung
    Elisabethstraße 23 | 80796 München
    Tel: 089 / 27 29 040 I E-Mail: info@carreras-stiftung.de


    Bilder

    Prof. Dr. Claudia Rossig zum Kinderkrebstag 2026
    Prof. Dr. Claudia Rossig zum Kinderkrebstag 2026
    Quelle: Uniklinik Münster
    Copyright: Uniklinik Münster


    Anhang
    attachment icon DJCLS_PM_Kinderkrebstag 2026, Interview Prof. Rössig

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

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