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DBU fördert Projekt für umweltfreundliche Zierpflanzen
Osnabrück. Frische Blumen sind in Deutschland das ganze Jahr über beliebt – dafür werden Statista zufolge jährlich rund 3,8 Milliarden Schnittblumen und Zimmerpflanzen importiert. Die langen Transportwege und auch der Anbau verursachen allerdings hohe Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase. Deshalb entwickelt die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein Konzept, mit dem Schnittblumen regional und umweltfreundlich angebaut werden können – zugleich eine wirtschaftliche Perspektive für mittelständische Gärtnereien. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 340.000 Euro.
Bonde: Nachhaltige Konzepte lohnen sich auch wirtschaftlich
Die deutsche Gärtnereibranche erlebt derzeit einen Strukturwandel, legen Zahlen des Statistischen Bundesamts (DESTATIS) nahe: Immer weniger Betriebe bauen auf immer weniger Fläche Zierpflanzen an. Stattdessen werden die Blumen importiert – laut Statista meistens aus den Niederlanden, die aber oft nur als Umschlagplatz dienen. Denn viele Pflanzen stammen ursprünglich aus Afrika oder Südamerika und werden aufwändig per Schiff oder Flugzeug nach Europa transportiert. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht nachhaltige Lösungen in doppelter Hinsicht als Ausweg: „Klimaschonende, regionale Konzepte schützen die Umwelt und lohnen sich oft auch wirtschaftlich – besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.“ Ein solches Konzept für Gärtnereien entwickeln aktuell Forschende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf unter der Leitung von Dr. Annette Bucher. „Ziel ist es, dass Betriebe auf bereits vorhandenen Gewächshausflächen umweltschonend und flexibel Schnittblumen und -grün anbauen können“, so die Projektleiterin.
Nährstoffhaltiges Wasser statt Erde
Die Forschenden entwickeln Bucher zufolge ein hydroponisches Kulturverfahren für Schnittblumen. Im Klartext: Die Pflanzen wachsen nicht in der Erde, sondern in nährstoffhaltigem Wasser, einer sogenannten Nährlösung. „Da die Wurzeln die verfügbaren Nährstoffe direkt mit der Flüssigkeit aufnehmen, wachsen die Pflanzen schneller “, so Bucher. Die kürzere Wachstumszeit ist ebenfalls wichtig: „In Gärtnereien gibt es oft Phasen, in denen Pflanztische über längere Zeit nicht genutzt werden – zum Beispiel nach Ende der Beet- und Balkonblumen-Saison im Juli und August“, erläutert Bucher. Damit keine neuen Flächen für das Verfahren ihres Teams versiegelt werden müssen, soll dieser Leerstand für den hydroponischen Anbau von Schnittblumen genutzt werden. Bucher weiter: „Zusätzlich setzen wir auf Pflanzen mit geringer Wachstumszeit. In Kombination mit dem schnellen Wachstum durch den Anbau in der Nährlösung können die Gärtnereien selbst kurze Phasen mit ungenutzten Tischen optimal nutzen.“ Beispielsweise eigneten sich dafür Löwenmäulchen, Zinnien, Islandmohn, Bartnelken oder Ranunkeln.
Durch geeignete Blumenarten Heizkosten sparen
Prinzipiell lassen sich laut dem Projektmitarbeiter Raffael Wons fast alle Blumen mit dem Verfahren anbauen. „Wir achten aber darauf, Arten mit möglichst geringem Temperaturanspruch zu verwenden, damit wenig zusätzlich geheizt werden muss. Das reduziert Kosten und Emissionen – und ermöglicht einen ganzjährigen Anbau“, sagt Wons. Welche Schnittblumen in den Gärtnereien kultiviert werden, liegt laut Wons im Ermessen der Betriebe. Der Forscher weiter: „Das hydroponische Konzept ermöglicht eine mehrfache Blumenernte. Die Pflanzen wachsen ohne neue Saat wieder nach.“ Vorteil für die Gärtnereien: Sie entscheiden, wann und wie lange sie die regionalen, umweltfreundlichen Schnittblumen in ihren Betrieben anbauen.
Konzept soll für alle Betriebe leicht umsetzbar sein
Während der Projektförderung durch die DBU arbeiten die Forschenden vor allem an drei Aspekten. „Wir wollen den verwendeten Dünger, die Pflanzengefäße und die Halterungen optimal einstellen“, erläutert Bucher. Dabei solle die Nährflüssigkeit sowohl nachhaltig und ökologisch als auch von den Gärtnereien einfach und kostengünstig anwendbar sein. Bucher weiter: „Wir verzichten auf Übertöpfe aus Plastik. Die Blumen wachsen in Substrat-Behältnissen, voraussichtlich aus Sphagnum-Moos oder Holzfasern.“ Zudem wurden wiederverwendbare Hydroponik-Platten gewählt, die möglichst günstig in der Anschaffung sein sollten. Langfristig soll der Projektleiterin zufolge auch möglichst auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden – beispielsweise ersetzt durch Nützlinge. Kooperationspartner sind der Erzeugerring für Blumen und Zierpflanzen Bayern Süd und die Staatliche Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan. Gemeinsam werde das fertige Konzept digital aufbereitet, sodass alle interessierten Gärtnerinnen und Gärtner es in ihren Betrieben anwenden können. „So entstehen frische und nachhaltige Blumen regional in Deutschland – und die Betriebe erhalten eine zusätzliche Einnahmequelle in Zeiten eines einschneidenden Strukturwandels“, ist Bucher überzeugt.
https://www.dbu.de/news/nicht-nur-zum-valentinstag-blumen-aus-nachhaltiger-produ... Online-Pressemitteilung
Kürzere Transportwege, gleiche Freude: Mit dem hydroponischen Verfahren der Hochschule Weihenstephan ...
Copyright: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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