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17.02.2026 16:48

METEOR-Fahrt M217/1 untersucht Auftriebsgebiet und Extremereignisse vor der südwestafrikanischen Küste

Ilka Thomsen Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

    Kiel / Las Palmas. Ein internationales Team von Forschenden verschiedener Disziplinen ist gestern unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR zu einer Expedition entlang der afrikanischen Westküste aufgebrochen. Im Fokus stehen zwei bislang unzureichend verstandene Phänomene: das Benguela Auftriebssystem vor Angola und Namibia, das teilweise unabhängig vom Wind funktioniert sowie wiederkehrende marine Hitzewellen, die so genannten Benguela Niños, die zu lokalen Klimaänderungen und Überschwemmungen in Angola und Namibia führen.

    Auftriebsgebiete sind Hotspots der Artenvielfalt. Hier, an den östlichen Rändern der tropischen und subtropischen Bereiche der großen Ozeanbecken steigt kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe auf. Das fördert das Wachstum von Phytoplankton – die Grundlage der marinen Nahrungsketten – was die Auftriebsgebiete zur Heimat zahlreicher Arten und der größten Fischereien der Welt macht. In den meisten Regionen wird dieser Auftrieb durch die starken Passatwinde angetrieben, die warmes Oberflächenwasser hinaus aufs Meer schieben, sodass kaltes, nährstoffreiches Wasser nachströmt und vor der Küste aufsteigt.

    Auftrieb ohne Wind vor Angola

    Im tropischen Auftriebsgebiet vor Angola passt diese Erklärung jedoch nicht. „Vor Angola beobachten wir einen saisonalen Auftrieb, der im Juli einsetzt, wenn fast kein Wind weht“, sagt Dr. Marcus Dengler, physikalischer Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er ist Fahrtleiter der Expedition M217 „BOCABENO“ (Boundary Circulation off Angola and Benguela Niños, Randströmung vor Angola und Benguela-Niños), die gestern von Las Palmas aus in Richtung Namibia gestartet ist.

    Hier spielen Küstenkelvinwellen eine wichtige Rolle. Diese Wellen entstehen am Äquator und breiten sich polwärts entlang der Ostseite der Ozeane aus. Sie sind mehrere tausend Kilometer lang und führen zu Änderungen der Strömungen und Schichtung entlang der Küste. Neben diesen Wellen beeinflusst auch die Vermischung im oberen Ozean, wie kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche gelangt.

    Um das Zusammenspiel dieser Prozesse genauer zu erklären, untersuchen die Forschenden die Strömungen entlang des Kontinentalrands und die Stärke der Turbulenz im Ozean, die die Vermischung bestimmt, und vor allem durch die Gezeiten hervorgerufen wird.

    Benguela-Niños: Marine Hitzewellen mit Folgen

    Eine zweite zentrale Forschungsfrage, die mit der Ausfahrt beantwortet werden soll, betrifft die Ursachen der marinen Hitzewellen vor der Küste Südwestafrikas. Alle paar Jahre erwärmt sich das Meer dort plötzlich stark – um bis zu drei Grad Celsius über den Normalwert. Diese so genannten Benguela Niños führen zu Überschwemmungen in Angola und Namibia, stark erhöhten Niederschlägen in der trockenen Namib-Wüste und bringen das empfindliche Ökosystem im Meer aus dem Gleichgewicht.

    „Einen starken Benguela-Niño haben wir 2021 beobachtet. Er trat später als üblich während der Hauptauftriebssaison auf und verhinderte das Wachstum von Plankton. Dementsprechend fanden Fische weniger Nahrung“, sagt Dr. Rodrigue Imbol Koungue, ebenfalls physikalischer Ozeanograph am GEOMAR.

    Diskutiert werden als mögliche Ursachen ebenfalls Kelvinwellenimpulse vom Äquator, veränderte lokale Winde oder ein größerer Süßwassereinstrom aus dem Kongo-Delta. Doch ist das Phänomen insgesamt noch zu wenig erforscht. Ein besseres Verständnis ist jedoch Voraussetzung dafür, solche Extremereignisse vorhersagen zu können.

    Methoden: Messen, beobachten, vergleichen

    Um den Auftrieb vor Angola und die Entstehung der Benguela-Niños besser zu verstehen, kombinieren die Forschenden auf der METEOR-Fahrt verschiedene Messmethoden im Ozean. Vor der Küste Angolas warten sie bestehende Langzeit-Messinstrumente und bringen neue Geräte aus. Diese fest installierte Verankerung misst direkt im Angolastrom kontinuierlich Strömungsgeschwindigkeit, Temperatur, Salzgehalt, Druck und Sauerstoffgehalt von Nahe der Oberfläche bis zum Meeresboden in 1200 Metern Tiefe. Dabei werden auch die Strömungen von Küstenkelvinwellen erfasst. Die Instrumente bleiben über Jahre im Ozean und zeichnen Veränderungen rund um die Uhr auf.

    Ergänzend werden mit der CTD-Rosette an verschiedenen Stationen senkrechte Messprofile genommen. Dabei wird der mit einer Messsonde bestückte Kranzwasserschöpfer bis fast zum Meeresboden abgesenkt, erfasst dabei Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoff und bringt Wasserproben aus verschiedenen Tiefen mit an Bord. Diese Proben werden später im Labor untersucht, zum Beispiel auf Nährstoffe, gelöste Gase und biologische Bestandteile. Zusätzlich messen spezielle Sensoren kleinste Turbulenzen im Wasser. Sie zeigen, wie stark sich Wasserschichten durchmischen – ein wichtiger Hinweis darauf, wie kaltes Tiefenwasser ohne starken Wind an die Oberfläche gelangen kann.

    Expedition in Kürze:
    Name: M217/1 BOCABENO (Boundary Circulation off Angola and Benguela Niños)
    Fahrtzeitraum: 16.02.2026 bis 07.03.2026
    Fahrtleitung: Dr. Marcus Dengler
    Start: Las Palmas
    Ende: Walvis Bay
    Fahrtgebiet: Tropischer Atlantik


    Weitere Informationen:

    https://www.geomar.de/n10172 Bildmaterial zum Download
    https://www.geomar.de/auftrieb-im-atlantischen-ozean Auftrieb im Atlantischen Ozean
    https://www.geomar.de/entdecken/ozean-und-klima/klimawandel-im-ozean/auftriebsge... Auftriebsgebiete
    https://www.geomar.de/forschen/expeditionen/detailansicht/exp/394300?cHash=03555... Expedition M217/1 BOCABENO
    https://www.geomar.de/entdecken/ozean-und-klima/ozeanbeobachtung/verankerungen Ozeanographische Verankerungen


    Bilder

    Die METEOR im Hafen von Las Palmas. Von dort ging es gestern in Richtung Namibia, um zwei bislang unzureichend verstandene Phänomene zu untersuchen: das Benguela Auftriebssystem sowie wiederkehrende marine Hitzewellen vor Südwestafrika
    Die METEOR im Hafen von Las Palmas. Von dort ging es gestern in Richtung Namibia, um zwei bislang un ...
    Quelle: Philipp Henning, GEOMAR
    Copyright: GEOMAR


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Chemie, Meer / Klima, Physik / Astronomie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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