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18.02.2026 10:40

Mit neuen Materialien zu besseren MRT-Bildern

Gunjan Sinha Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

    Tiefer liegende Gewebe oder kleine anatomische Details lassen sich im MRT oft nur ungenau darstellen. Forschende des Max Delbrück Center stellen in „Advanced Materials“ eine Hochfrequenz-Antenne vor, die die Bildqualität erhöht und die Scan-Dauer verkürzen kann – auch bei schon bestehenden Geräten.

    Die Magnetresonanztomographie (MRT) zählt zu den wichtigsten bildgebenden Werkzeugen in der medizinischen Diagnostik. Manche Gewebe im Inneren des Körpers – zum Beispiel die anatomisch feinen Strukturen des Auges, der Augenhöhle und des Gehirns – lassen sich bisher allerdings nur unscharf abbilden. Das liegt in der Regel nicht am Scanner selbst, sondern an der Hardware, die Signale im Radiofrequenzbereich sendet und empfängt.

    Forschende um Nandita Saha, Doktorandin in der Arbeitsgruppe „Experimentelle Ultrahochfeld-MR“ von Professor Thoralf Niendorf, und Kolleg*innen des Universitätsklinikums Rostock haben jetzt aus neuartigen Materialien eine MRT-Antenne entwickelt, die diese Einschränkungen überwindet: Sie liefert schärfere Bilder in kürzerer Zeit und lässt sich auch in schon bestehenden MRT-Geräten einsetzen. Das Team hat sie in der Fachzeitschrift „Advanced Materials“ vorgestellt.

    „Mit den von uns entwickelten Metamaterialien konnten wir die im MRT entstehenden Hochfrequenzfelder effizienter lenken und zeigen, wie moderne Physik die medizinische Bildgebung verbessern kann“, sagt Niendorf, der Hauptautor der Studie. „Unsere Arbeit weist einen Weg zu schnelleren, klareren MRT-Scans, von denen Patientinnen und Patienten mit den unterschiedlichsten Erkrankungen profitieren können.“

    Antennen aus künstlich hergestellten Werkstoffen

    Eine MRT funktioniert, indem das Gerät Radiofrequenzsignale (RF-Signale) in den Körper sendet und gleichzeitig erfasst, wie das Gewebe in einem starken Magnetfeld darauf reagiert. Je klarer das Signal ist, desto besser wird das Bild. Herkömmliche MRT-Antennen, auch RF-Spulen genannt, haben jedoch oft Schwierigkeiten, Signale aus tiefen oder anatomisch komplexen Regionen zu empfangen. Dies führt zu längeren Scan-Zeiten oder detailärmeren Bildern.

    Gelöst hat das Team um Niendorf dieses Problem, indem es die RF-Spule mit elektromagnetischen Metamaterialien neu konstruiert hat. Dabei handelt es sich um künstlich hergestellte Werkstoffe, die mit elektromagnetischen Wellen auf eine Weise interagieren, wie es natürliche Materialien nicht tun. Durch die Integration der Metamaterialien in die MRT-Antenne haben die Forschenden eine neue Art von RF-Hardware entwickelt, die die Signalstärke aus dem Zielgewebe erhöht, die Bildschärfe verbessert und eine schnellere Datenerfassung ermöglicht.

    Entscheidend für die klinische Praxis ist zudem, dass die Antenne in bestehende MRT-Systeme passt, sodass keine neue Infrastruktur erforderlich wird. Validiert haben die Wissenschaftler*innen ihre Technologie anhand von MRT-Bildern des Auges, der Augenhöhle und des Gehirns bei einer Gruppe von Freiwilligen. Niendorf und sein Team arbeiteten dabei eng mit Forschenden des Universitätsklinikums Rostock zusammen und kombinierten so Expertise in MRT-Physik mit klinischer Ophthalmologie und translationaler Bildgebung.

    Die Forschenden konnten zeigen, dass ihr System für den routinemäßigen klinischen Einsatz geeignet ist. „Wir sehen eine klare Relevanz für Anwendungen in der Augenheilkunde. Die neue Technologie ermöglicht anatomisch detaillierte MRT-Bilder des Auges mit hoher räumlicher Auflösung und Weichteilkontrast“, sagt Professor Oliver Stachs, Koautor der Publikation von der Universitätsmedizin Rostock. „Sie öffnet die Sicht auf (patho)physiologische Prozesse, die bislang weitgehend unzugänglich waren.“

    „Unser Ziel war es, die MRT-Hardware ausgehend von der modernen Physik des Antennendesigns neu zu überdenken“, erläutert Saha. Das jetzt entwickelte System lasse sich auch so einstellen, dass empfindliche Körperbereiche während der MRT-Aufnahme geschützt werden – etwa um eine unerwünschte Erwärmung in der Nähe medizinischer Implantate zu reduzieren, fügt die Forscherin hinzu. Darüber hinaus könne man es nutzen, um die RF-Energie für MRT-gesteuerte Therapien von Krebserkrankungen stärker zu fokussieren, zum Beispiel zur gezielten therapeutischen Erwärmung von Tumoren, der Hyperthermie, oder um erkranktes Gewebe mittels Hitzeablation zu zerstören.

    Bessere Diagnosen, kürzere Scans

    Für Patient*innen können MRT-Untersuchungen unangenehm und zeitaufwändig sein, vor allem wenn Aufnahmen wiederholt werden müssen, weil wichtige Details schwer zu erkennen sind. Klarere Bilder bedeuten, dass Ärzt*innen Diagnosen mit größerer Sicherheit stellen können. Schnellere Untersuchungen haben zur Folge, dass Patient*innen weniger Zeit im Scanner verbringen müssen, was Stress und Unbehagen reduzieren kann – insbesondere bei Kindern, älteren Erwachsenen und Menschen, für die MRT-Untersuchungen wegen der Enge der Röhre und des Lärms, die das Verfahren mit sich bringt, eine Herausforderung darstellen.

    Da die neue Antenne leicht und kompakt ist, lässt sie sich zudem so gestalten, dass sie sich besser an bestimmte Körperteile anpasst, was den Komfort noch weiter erhöht. Niendorf und seine Kolleg*innen planen bereits größere Studien an mehreren Krankenhäusern und passen das Design der Antenne für andere Organe wie Herz und Nieren an.

    Die neue Technologie könne, leicht modifiziert, sogar MRT-Systeme unterstützen, die den Stoffwechsel oder den Transport von Medikamenten im Körper sichtbar machen, sagt Niendorf. Auch spezielle MRT-Scans, die Natrium- oder Fluorkonzentrationen im Körper räumlich abbilden, könnten dem Forscher zufolge von der Antenne aus Metamaterialien profitieren – und klarere Signale sowie bessere Bilder liefern.

    Max Delbrück Center

    Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft legt mit seinen Entdeckungen von heute den Grundstein für die Medizin von morgen. An den Standorten in Berlin-Buch, Berlin-Mitte, Heidelberg und Mannheim arbeiten unsere Forschenden interdisziplinär zusammen, um die Komplexität unterschiedlicher Krankheiten auf Systemebene zu entschlüsseln – von Molekülen und Zellen über Organe bis hin zum gesamten Organismus. In wissenschaftlichen, klinischen und industriellen Partnerschaften sowie in globalen Netzwerken arbeiten wir gemeinsam daran, biologische Erkenntnisse in praxisnahe Anwendungen zu überführen – mit dem Ziel, Frühindikatoren für Krankheiten zu identifizieren, personalisierte Behandlungen zu entwickeln und letztlich Krankheiten vorzubeugen. Das Max Delbrück Center wurde 1992 gegründet und vereint heute eine vielfältige Belegschaft mit rund 1.800 Menschen aus mehr als 70 Ländern. Wir werden zu 90 Prozent durch den Bund und zu 10 Prozent durch das Land Berlin finanziert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Thoralf Niendorf
    Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle Ultrahochfeld-MR“
    Max Delbrück Center
    thoralf.niendorf@mdc-berlin.de


    Originalpublikation:

    Nandita Saha, Bilguun Nurzed, Mostafa Berangi, et al. (2026): „Metamaterial Antennas Enhance MRI of the Eye and Occipital Brain“. Advanced Materials, DOI: 10.1002/adma.202517760


    Weitere Informationen:

    https://www.mdc-berlin.de/de/niendorf - AG „Experimentelle Ultrahochfeld-MR“
    https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/hirntumore-mrt-behandeln - Hirntumore per MRT behandeln


    Bilder

    High-resolution 7.0 T MRI of the eye and orbit of a volunteer that shows in great detail the anterior cranial structures, including the extraocular muscles, optic nerve, and a cyst adjacent (yellow arrow) to the left orbit.
    High-resolution 7.0 T MRI of the eye and orbit of a volunteer that shows in great detail the anterio ...

    Copyright: Nandita Saha, Max Delbrück Center


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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