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19.02.2026 10:02

NS-Raubgut unter den Erwerbungen der Herzog August Bibliothek

Antje Dauer Pressestelle
Herzog August Bibliothek

    Neue Erkenntnisse und Restitutionen zum Abschluss der zweiten Projektphase: Nach fünf Jahren ist die systematische Überprüfung der HAB-Bestände auf mögliche NS-Raubgut-Sachverhalte abgeschlossen. In den letzten Monaten der zweiten Projektphase konnten drei weitere als NS-Raubgut identifizierte Bücher restituiert werden. Auch nach Ende des Projekts bleibt die NS-Provenienzforschung ein fortlaufender Auftrag der Herzog August Bibliothek.

    Mit zwei vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekten folgte die Herzog August Bibliothek den internationalen und nationalen Vereinbarungen zur Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. In einer ersten Projektphase (2020-2022) prüfte die HAB ihre antiquarischen Zugänge seit 1969. Die zweite Projektphase (seit 2022) konzentrierte sich auf die Auswertung der Zugangsbücher aus der NS-Zeit und den unmittelbaren Nachkriegsjahren.

    Ergebnisse und Restitutionen
    Die Überprüfung der antiquarischen Zugänge im Hauptbestand ist abgeschlossen und es wurden darüber hinaus zwei Sondersammlungen untersucht. Diese Recherchen führten insgesamt zur Restitution von 20 Bänden. Zuletzt wurden drei Bücher an die Erbberechtigten nach Rudolf Mosse und Richard Spanjer-Herford restituiert. Der Band „Schule und Jugendkultur“ von Gustav Wyneken (Jena 1913) aus dem Eigentum des Braunschweiger Arztes Richard Spanjer-Herford (1888–1964) kam 1955 in den Bestand der HAB und wurde im Oktober 2025 an die Erbberechtigten restituiert. Von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgt, war Spanjer-Herford nach 1933 zunehmenden Repressionen ausgesetzt. 1938 wurde ihm die Approbation entzogen. Im selben Jahr floh er mit seiner Frau Caecilie und den drei Kindern nach Palästina. Er verstarb 1964 in Ramat Gan, Israel. Zwei literaturwissenschaftliche Werke über Friedrich Hölderlin aus dem Eigentum des Verlegers Rudolf Mosse wurden an die Erb*innen seiner Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse restituiert: „Friedrich Hölderlin in seinen Beziehungen zu Homburg vor der Höhe“ von Ernst Kelchner (Homburg, 1883) und „Die Jugenddichtung Friedrich Hölderlins“ von Rudolf Grosch (Berlin, 1899). Die Familie Mosse war sowohl politisch als auch als jüdisch verfolgt und floh bereits 1933 aus dem Deutschen Reich. Die beiden Bände waren nachweislich Teil ihrer 1934 im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung und „Arisierung“ liquidierten Bibliothek und wurden im Dezember 2025 restituiert.

    Dokumentation und Ausblick
    Alle Rechercheergebnisse wurden kontinuierlich im Bibliothekskatalog der Herzog August Bibliothek sowie im Rahmen des Verbundkatalogs K10plus dokumentiert. Als NS-Raubgut identifizierte Objekte oder solche, bei denen sich ein fundierter NS-Raubgut-Verdacht nicht sicher ausschließen ließ, wurden im Bibliothekskatalog gesondert gekennzeichnet und an die Lost Art-Datenbank gemeldet. Weitere Informationen bieten unter anderem das ProvenienzWiki des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds und die Forschungsdatenbank Proveana des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Nach erfolgter Restitution und in Abstimmung mit den Rechtsnachfolger*innen wurden Einzelfalldossiers zu den betroffenen Bänden und Provenienzen im Forschungsdatenrepositorium der Herzog August Bibliothek publiziert.

    Mit dem Abschluss des Projekts endet die NS-Provenienzforschung an der Herzog August Bibliothek nicht: Die Prüfung der Besitzgeschichte antiquarischer Erwerbungen ist dauerhaft in der Erwerbungspraxis verankert und erfolgt sowohl vor dem Ankauf als auch vor der Inventarisierung und Einarbeitung in den Bestand. Die Ergebnisse der beiden Projektphasen unterstreichen die Notwendigkeit dieses Vorgehens.

    Gefördert wurde die Provenienzforschung von dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste.


    Bilder

    Die Sammlung Ernst Pepping. Eine der in der zweiten Projektphase untersuchten Sondersammlungen
    Die Sammlung Ernst Pepping. Eine der in der zweiten Projektphase untersuchten Sondersammlungen
    Quelle: HAB

    Die Sammlung Ernst Pepping. Eine der in der zweiten Projektphase untersuchten Sondersammlungen
    Die Sammlung Ernst Pepping. Eine der in der zweiten Projektphase untersuchten Sondersammlungen
    Quelle: HAB


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Religion
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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