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19.02.2026 12:15

Invasive und nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs bei Depression

Anke Schlee Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Psychiatrie

    Der Vagusnerv verbindet das Gehirn mit dem Darm. Wird er von außen oder mittels eines implantierten Stimulators aktiviert, scheint das zumindest bestimmten schwer depressiven Patient*innen zu helfen. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) betreut als einzige Klinik in Oberbayern depressive Patient*innen mit einem implantierten Vagusnerv-Stimulator. In der Forschungsklinik läuft auch eine Studie, um die Mechanismen zu verstehen, die hinter einer Stimulation des Vagusnervs von außen, die recht einfach über sanfte elektrische Impulse am Ohr erfolgt, zu verstehen.

    Rund ein Drittel der Patient*innen, die wegen einer Depression mit einer Pharmakotherapie und Psychotherapie behandelt werden, spricht nicht oder nur unzureichend auf die Behandlung an. Für sie kann die direkte Stimulation von Nerven im Gehirn eine Alternative sein. Relativ neu und bisher nicht ausreichend erforscht, ist die Stimulation des Vagusnervs. Der Nervenstrang verbindet das Gehirn mit dem Darm und steuert nicht nur wichtige Körperfunktionen wie die Verdauung, sondern auch das Herz.

    Die Aktivierung des Vagusnervs mittels eines implantierten Stimulators wird seit 2000 bei schwer depressiven Patient*innen durchgeführt. Es liegen jedoch nur wenige Daten aus hochwertigen Studien vor. Sie legen nahe, dass eine solche Stimulation vorwiegend bei solchen Patient*innen wirkt, die auch auf eine Elektrokonvulsionstherapie positiv angesprochen haben. Das MPI in München ist das einzige Zentrum in Oberbayern, das die Nachsorge und ambulante Behandlung depressiver Patient*innen mit einem implantierten Vagusnerv-Stimulator übernehmen kann. Das Einsetzen des Gerätes selbst führen die Expert*innen dort nicht durch.

    Studie zur einfachen Stimulation am Ohr

    „Wissenschaftlich konzentrieren wir uns auf die Stimulation des Vagusnervs von außen, da sie durch die einfache Anwendung und nur sehr geringe Nebenwirkungen ein enorm interessantes Verfahren darstellt“, erläutert der Direktor der Forschungsklinik Peter Falkai. Bei der non-invasiven transaurikulären Vagusnerv-Stimulation wird der Vagusnerv mittels sanfter elektrischer Impulse am Ohr durch die Haut gereizt. Das experimentelle Verfahren ist noch weniger etabliert als die Stimulation mit einem Implantat, es liegen kaum qualitativ hochwertige Studien zur Wirksamkeit vor, sie zeigen jedoch, dass auch diese Form der Stimulation einen positiven Effekt bei depressiven Störungen haben könnte.

    Welche biologischen Mechanismen beteiligt sind und wie sie eventuell zur Besserung von Symptomen führen, ist nicht geklärt. Daher läuft an der Forschungsklinik des MPI gerade eine Studie dazu an. „Wir erwarten nicht, dass diese Form der Stimulation bei allen depressiven Patient*innen wirksam sein wird. Wir möchten durch unsere Forschung verstehen, bei welcher Gruppe sie wirksam sein könnte, um unsere Patient*innen langfristig individueller behandeln zu können“, so die Einschätzung vom Projektleiter Neurostimulationsverfahren Iven-Alex von Mücke-Heim.

    Wer an der Studie teilnehmen möchte, sollte (teil)stationäre/r Patient*in sein.


    Weitere Informationen:

    https://www.psych.mpg.de/vagusnerv


    Bilder

    Nicht-invasiver Vagusnervstimulator am Ohr
    Nicht-invasiver Vagusnervstimulator am Ohr
    Quelle: KI-generiert
    Copyright: MPI für Psychiatrie


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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