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Der Arbeitsmarkt in der Ukraine hat sich vier Jahre nach der Invasion Russlands als überraschend widerstandsfähig erwiesen. Er hat sich durch tiefgreifende geografische und sektorale Umverteilungen angepasst. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die jetzt von der ROCKWOOL Foundation Berlin als RFBerlin Discussion Paper 10/26 veröffentlicht wurde. „Lange Kriege werden oft eher in Fabriken als auf Schlachtfeldern gewonnen. Der ukrainische Arbeitsmarkt hat bisher Schocks von beispiellosem Ausmaß standgehalten“, sagt Tito Boeri, Professor an der Bocconi-Universität in Mailand.
„Die Zahlen deuten darauf hin, dass es möglich ist, Arbeitskräfte unter extremen Stressbedingungen und überraschend schnell umzuverteilen. Aber die Herausforderungen beim Wiederaufbau werden nicht weniger gewaltig sein als die im Kriege.“
Der Schock auf dem Arbeitsmarkt war in der Ukraine von historischem Ausmaß. Allein durch die Abwanderung gingen etwa 3 Millionen Arbeitskräfte verloren. Hinzu kamen mindestens 500.000 Arbeitskräfte, die zum Militärdienst einberufen wurden, und 150.000 Verluste durch Kriegsopfer. Insgesamt schrumpfte die Erwerbsbevölkerung in den von der Regierung kontrollierten Gebieten um etwa ein Viertel gegenüber dem Vorkriegsniveau. Die Arbeitslosigkeit stieg 2022 auf über 20 Prozent, stabilisierte sich dann und liegt derzeit bei etwa 11 Prozent. Das sind nur ein paar Prozentpunkte mehr als vor dem Krieg.
Die Reallöhne erreichten nach einem anfänglichen Rückgang bis 2024 wieder das Vorkriegsniveau und übertrafen es sogar. Die wirtschaftlichen Aktivitäten verlagerten sich vom Frontgebiet in den Westen des Landes. Die Arbeitsmärkte in den umkämpften Gebieten brachen fast zusammen. Die Beschäftigung verlagerte sich in Richtung Rüstungsindustrie. Die Flexibilität der Löhne und der Einstellungsrichtlinien der Unternehmen sowie die Arbeit im Homeoffice erklären die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes. Die Effizienz der Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt, die anhand von Daten zu offenen Stellen und Arbeitssuchenden auf der größten ukrainischen Online-Jobbörse geschätzt wurde, sank nach der Invasion um etwa 15 Prozent. Das ist zwar erheblich. Aber immer noch weniger als der Rückgang der Vermittlungseffizienz während der großen Finanzkrise in den USA von 2007 bis 2009.
Auf Englisch und Italienisch:
Tito Boeri: 0039-02-58 36 33 23; Tito.Boeri@unibocconi.it
Giacomo Anastasia: 001 (332) 269-8155; giacomo.anastasia@columbia.edu
RFBerlin Discussion Paper 10/26: „A Wartime Labor Market: The Case of Ukraine” (Der Arbeitsmarkt in Kriegszeiten: Der Fall Ukraine). Von Giacomo Anastasia, Tito Boeri und Oleksandr Zholud; veröffentlicht hier: https://www.rfberlin.com/wp-content/uploads/2026/01/26010.pdf
Ebenfalls in Kürze in: Economic Policy: Papers on European and Global Issues, Band 41, Ausgabe 125
RFBerlin Research Insight: Still Standing: The Ukrainian Labor Market at War; veröffentlicht hier: https://www.rfberlin.com/research-insight/
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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