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Digitale Transformation im Weltsport: Die neue Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Leichtathletik-Verbands setzt auf sportwissenschaftliche Evidenz und die Expertise von Trainerinnen und Trainern.
Angesichts der globalen Leistungsexplosion im Spitzensport und der Debatte um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) eine grundlegend neu konzipierte digitale Rahmentrainingskonzeption entwickelt.
Als Mitautor des Konzepts betont Professor Harald Lange, Leiter des Lehrstuhls für Sportwissenschaft der Universität Würzburg, dass der Erfolg von morgen auf einer datenbasierten Abkehr von veralteten Drill-Modellen und einer engen Verzahnung von Wissenschaft und Praxiserfahrung basiere.
Digitale Tools spielen in dem Konzept eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich beispielsweise um Analysesysteme für Bewegungen und Techniken, Sensoren für Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsmessungen oder um Software für die Auswertung von Abwurfwinkeln oder Absprunggeschwindigkeiten.
Partizipative Weiterentwicklung: Trainerinnen und Trainer als Motoren der Innovation
Ein Novum in der Rahmentrainingskonzeption ist die systematische Einbindung der Basis: Die Praxiserfahrungen von Trainerinnen und Trainern dienen als entscheidender Motor für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Konzeption.
„Wir setzen auf einen lebendigen Dialog. Durch eine begleitende, systematische Umfrage bündeln wir die Expertise derer, die täglich an der Basis arbeiten, um die digitale Rahmentrainingskonzeption stetig weiter zu verbessern“, erklärt Professor Lange. Ziel sei ein dynamisches System, das wissenschaftliche Evidenz mit dem Wissen der Trainerinnen und Trainer aus dem Spitzen- und Nachwuchssport synergetisch verknüpft.
Paradigmenwechsel: Evidenzbasierte Haltung statt mechanischer Drill
Die digitale Rahmentrainingskonzeption bricht mit dem traditionellen Modell der frühen, masseorientierten Spezialisierung.
„Die digitale Transformation ermöglicht es erstmals, die Prinzipien der physischen Haltung und wertebasierten Integrität in Echtzeit zu steuern“, so Lange. Im Zentrum stehe eine langfristige Leistungsentwicklung, die sich zuallererst der Persönlichkeitsbildung im Training und durch das Training verpflichtet fühlt („Haltung entwickeln“). Durch individuelle Belastungssteuerung sollen zum Beispiel orthopädische Fehlbelastungen vermieden und durch videostützte Diagnostik Leistungsreserven erschlossen werden.
„Smart Training“: daten- und erfahrungsbasierte Exzellenz gegen den Medaillenschwund
Anstelle von Pauschalvorgaben rücken individuelle Leistungsprofile in den Fokus. „Wir wissen heute beispielsweise, dass neuronale Schnelligkeit und biomechanische Effizienz wahre Treiber für olympische Medaillen sein können, so Lange, der auch dem Beirat für Wissenschaft und Ausbildung des DLV angehört.
Transfer in die Praxis: Das „Living Lab“ Modell
Professor Lange implementiert die neuen Standards bereits operativ. Unter anderem in einer leistungsstarken U16-Trainingsgruppe der Leichtathletik-Abteilung des TSV Remsfeld in Nordhessen. Außerdem kooperiert er auf diesem Feld mit den Trainingscamps des Clubs Rush Athletics auf Malta.
Diese „Living Labs“ dienen dazu, die Praxistauglichkeit der digitalen Tools unter Hochleistungsbedingungen zu evaluieren und ein wissenschaftsbasiertes Prototyping für das Training der Zukunft zu etablieren.
„Im Austausch zwischen Trainern, Wissenschaftlern und Technologieexperten wollen wir beispielsweise herausfinden, welche Kraftmessplatten im Training valide Ergebnisse zur Entwicklung der Sprungkraft liefern“, erklärt Harald Lange. Geprüft wird auch, welche Sensoren und Lichtschrankensysteme aufschlussreiche Daten zu den Abwurfwinkeln von Hammer, Speer, Kugel und Diskus bereitstellen. Alles in Hinblick auf die Praxisrelevanz, didaktische Passung und Handhabbarkeit im Trainingsalltag.
„Unsere langfristige Projektkonzeption wird in den kommenden Jahren die deutschen Olympiaambitionen begleiten“, so der Professor. Bei der Umsetzung ist sein Team offen für weitere Partner, seien es Technologieunternehmen oder Leichtathletiktrainerinnen und -trainer aus der Praxis.
Prof. Dr. Harald Lange, Lehrstuhl Sportwissenschaft, Universität Würzburg, T 0151 10388104
harald.lange@uni-wuerzburg.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Pädagogik / Bildung, Sportwissenschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
Deutsch

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