idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
23.02.2026 12:48

Wenn emotionale Bilder die Balance ins Wanken bringen

Mag. rer. nat. Nina Grötschl Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien

    Dass wütende bzw. fröhliche Stimmen die Balance von Hunden beeinflussen können, haben Nadja Affenzeller und ihre Kolleg:innen vom Klinischen Zentrum für Kleintiere der Vetmeduni in einer kürzlich veröffentlichten Studie* bereits gezeigt. In einer Folgestudie untersuchten die Forscher:innen nun die Auswirkungen von glücklichen bzw. wütenden menschlichen Gesichtern auf die Körperbalance der Vierbeiner.

    Dazu standen 17 gesunde Familienhunde ruhig auf einer hochpräzisen Druckmessplatte, während sie abwechselnd fröhliche, wütende oder gar keine menschlichen Gesichter auf einem Fernseher sahen. Dabei wurde die Bewegung des „Center of Pressure“ (COP), dem Körperdruckmittelpunkt, gemessen – ein biomechanischer Marker, der feinste, oft mit freiem Auge nicht erkennbare Schwankungen im Stand erfasst und so Rückschlüsse auf die Körperstabilität erlaubt.

    Das Überraschende: Betrachtet man die Balanceveränderungen zwischen den drei Bedingungen (fröhlich, wütend, kein Bild), zeigt sich kein klarer Unterschied. Doch im Detail zeigte sich ein spannendes Muster: Die Forschenden gruppierten die individuellen Reaktionen jedes Hundes und fanden zwei klare Typen – jene, deren Stand stabiler wurde, und jene, die instabiler wurden.

    Beim Ansehen fröhlicher Gesichter zeigten etwa 65 % der Hunde insgesamt geringere COP-Werte (stabilisierend), während 35 % höhere Werte aufwiesen (destabilisierend). Beim Anblick wütender Gesichter waren es 53 % mit stabilisierenden und 47 % mit destabilisierenden Reaktionen. Mit anderen Worten: die entstehende emotionale Erregung beim Betrachten von beiden Gesichtsausdrücken schlägt sich individuell unterschiedlich je nach Hund direkt in der Körperbalance nieder.

    Dieser Befund passt zu dem, was man bereits aus der vorangegangenen Studie weiß; nicht allein die Emotion (positiv oder negativ), sondern vielmehr die ausgelöste Erregung beeinflusst die Körperantwort. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde emotionale Informationen aus Gesichtern aus dem Fernseher nicht nur erkennen, sondern sie auch körperlich verarbeiten – sichtbar an winzigen Veränderungen ihrer Standstabilität. Das zeigt, wie wichtig es ist, welche Erfahrungen Hunde mit bestimmten Gesichtsausdrücken von Menschen gemacht haben und wie das die individuelle Emotionalität und Sensibilität unserer Hunde beeinflusst“, sagt Nadja Affenzeller vom Klinischen Zentrum für Kleintiere der Vetmeduni.

    *https://www.vetmeduni.ac.at/universitaet/infoservice/presseinformationen/presse/...


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. med. vet. Nadja Affenzeller Dip ECAWBM (BM) MSc FTA MRCVS
    Klinisches Zentrum für Kleintiere
    Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
    nadja.affenzeller@vetmeduni.ac.at


    Originalpublikation:

    Der Artikel "Happy and angry human pictures differentially affect dogs’ postural stability" von Nadja Affenzeller, Christiane Lutonsky, Masoud Aghapour et al. wurde in Scientific Reports veröffentlicht. https://www.nature.com/articles/s41598-026-37571-2-


    Weitere Informationen:

    https://www.vetmeduni.ac.at/universitaet/infoservice/presseinformationen/presse/...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).