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24.02.2026 15:34

SPK restituiert eine Statuette an die Erben von Charlotte Prybram-Gladona

Birgit Jöbstl Medien und Kommunikation
Stiftung Preußischer Kulturbesitz

    Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat die Skulptur eines „Christus an der Säule“ aus der Sammlung des Journalisten und Herausgebers Albin von Prybram-Gladona restituiert. Die Herkunft des Werks war im Rahmen der systematischen Provenienzforschung zu den Erwerbungen der Skulp-turensammlung im Zeitraum 1933 bis 1945 entdeckt worden.

    Marion Ackermann, Präsidentin der SPK, erklärt: „Nachdem die Prove-nienz klar war, hat die SPK die Erben von Charlotte Prybram-Gladona kontaktiert und ich freue mich sehr, dass so wieder ein Werk an seine rechtmäßigen Eigentümer übergeben werden kann. Mit der Rückgabe möchten wir versuchen, erlittenes Unrecht ein Stückweit wieder gut zu machen.“

    „Als Direktorin ist es mir wichtig, dass wir als öffentliche Sammlung nicht zu Profiteuren von Zwangslagen Dritter werden, die auf politische, ethnische oder rassistische Verfolgung zurückzuführen sind. Daher ist die Rückgabe von verfolgungsbedingt verlorenem Kulturgut für uns eine Selbstverständlichkeit“, ergänzt Antje Scherner, Direktorin Skulpturen-sammlung und Museum für Byzantinische Kunst.

    Der aus einer wohlhabenden Wiener Diplomatenfamilie stammende Albin von Prybram-Gladona (1894, Zürich – 1974, Salzburg) studierte ab 1909 in Oxford, München und Basel Kunstgeschichte und Musik. Als Journalist arbeitete er bei verschiedenen Zeitungen. 1929 erwarb er Geschäftsanteile der Bayerischen Verlags GmbH, in der unter anderem auch die „Welt am Sonntag“ erschien, und wurde dort Verlagsdirektor.

    Obwohl die aus jüdischen Familien stammenden Eltern Albins von Prybram-Gladona schon vor ihrer Hochzeit zum evangelischen Glauben bzw. zum Katholizismus konvertiert waren, wurde von Prybram-Gladona nach der Machtergreifung aus rassischen und religiösen Gründen verfolgt. 1935 flüchtete er für einige Monate nach Österreich. Als er nach München zurückkehrte, war der Verlag bereits durch den NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlag übernommen, und Albin von Prybram-Gladona hatte seinen Posten und seine Verlagsanteile verloren. Ohne Arbeit konnte er seine Wohnung nicht mehr finanzieren und zog zu seinen Schwiegereltern.

    Aufgrund dieser durch die NS-Verfolgung gravierend verschlechterten beruflichen, finanziellen und räumlichen Lebensumstände veräußerte Albin von Prybram-Gladona Teile seiner Kunstsammlung. 1938 konnte er mit seiner Frau Charlotte Margarethe von Prybram-Gladona, geb. Herrmann (1910 - 2002), nach Frankreich emigrieren, wo er jedoch mehrfach interniert und regelmäßig von der Gestapo kontrolliert wurde. Im Juni 1941 wurde beiden die Staatsangehörigkeit entzogen. 1945 kehrte er nach München zurück.

    Das um 1700 entstandene Werk „Christus an der Säule“ schickte Albin von Prybram-Gladona im November 1935 an das Bode-Museum, in der Hoffnung, dass dieses die Skulptur erwerben würde. Tatsächlich entschied der Direktor, Theodor Demmler, sie für 400 Mark zu kaufen.

    Vor dem Hintergrund des Verkaufszeitpunktes und des finanziellen Drucks, unter dem Prybram-Gladona stand, ist der Verkauf als verfolgungsbedingter Vermögensverlust einzuordnen.

    Zum Werk:

    Christus vor der Geißelsäule
    Süddeutschland oder Österreich, frühes 18. Jahrhundert

    Vollrunde Statuette aus einem Stück, nur beide Hände (heute ergänzt) angesetzt. Buchsbaumholz, spätere Teilfassung
    Gesamte H. 53,2 cm, H. der Figur 44,3 cm, die Bodenplatte 10,7 x 7 cm, der Sockel H. 18,8 cm, B. 18,8 cm, T. 17,4 cm.
    Inv. Nr. 8498

    Die fein gearbeitete, mittelgroße Figur zeigt den besonders im 17. Jahr-hundert sehr beliebten Andachtsbildtyp des Christus vor einer niedrigen Geißelsäule. Die Haltung der gelängten Gestalt mit den locker auf dem Rücken liegenden Händen ist ungewöhnlich entspannt und deutlich weni-ger von Leiden geprägt als die meisten anderen Darstellungen der Zeit. Eine überzeugende Zuschreibung des qualitätvollen Werks an einen süddeutschen oder alpenländischen Künstler ist noch nicht erfolgt. Vorgeschlagen wurde zuletzt der Umkreis der Schwanthaler in Ried am Inn und des in Rapperswil arbeitenden Jakob Hunger.


    Bilder

    Christus an der Geißelsäule
    Christus an der Geißelsäule

    Copyright: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Marion Böhl; Public Domain Mark 1.0


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Recht
    überregional
    Forschungsergebnisse, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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