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Forschende am UKSH und den Universitäten in Lübeck und Kiel wollen neue MRT-Methoden zur Diagnostik der Parkinson-Erkrankung entwickeln.
Morbus Parkinson ist weltweit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Allein in Deutschland sind nach Schätzungen rund 300.000 Menschen betroffen – mit steigender Tendenz. Um die Diagnostik und Behandlung zu verbessern, will ein Forschungsteam um PD Dr. Jannik Prasuhn am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und an der Universität zu Lübeck zwei neue Bildgebungsverfahren per Magnetresonanztomographie (MRT) entwickeln. Sie sollen es ermöglichen, die Krankheit anhand bestimmter Biomarker früher zu erkennen und gezielter zu behandeln. Die Michael J. Fox-Stiftung, weltweit größter privater Förderer der Parkinson-Forschung, unterstützt die beiden Forschungsprojekte im Rahmen ihres Programms „Molecular MRI Biomarkers“ für die kommenden zwei Jahr mit insgesamt 970.000 US-Dollar.
Die typischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wie zitternde Hände und verlangsamte Bewegungen entstehen, wenn im Gehirn Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Durch den Dopamin-Mangel wird die Steuerung der Muskeln gestört. Für den Verlust der Nervenzellen können unterschiedliche Vorgänge innerhalb der Zellen verantwortlich sein, die bereits gut erforscht sind. Was bislang fehlt, sind klinische Diagnostik-Verfahren, um die individuellen Ursachen bei den betroffenen Patientinnen und Patienten frühzeitig nachzuweisen. Genau hier setzen die beiden nun geförderten Forschungsprojekte „lysoCEST“ und „MiND15“ an.
„Ziel unserer Studien ist es, neue Bildgebungsmethoden zu schaffen, die die verschiedenen biologischen Krankheitsmechanismen innerhalb der Nervenzellen sichtbar machen“, sagt PD Dr. Prasuhn, der in der Klinik für Neurologie am UKSH, Campus Lübeck, als Arzt in Weiterbildung tätig ist. Diese neuen Methoden könnten Ärztinnen und Ärzten künftig helfen, die Parkinson-Erkrankung früher und genauer zu diagnostizieren, Therapien gezielter auszuwählen und deren Wirksamkeit über die Zeit zu kontrollieren. Zudem wäre eine MRT-basierte Untersuchung, die krankhafte Veränderungen ohne chirurgische Eingriffe oder Nervenwasseruntersuchungen nachweisen könnte, für die Patientinnen und Patienten deutlich schonender.
Im Projekt lysoCEST (Förderung: 570.000 US-Dollar) entwickeln PD Dr. Prasuhn und Prof. Dr. Nirbhay N. Yadav von der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) eine molekulare MRT-Strategie, um eine Störung in den Lysosomen, dem zellulären „Abfallverwertungssystem“ des Körpers, sichtbar zu machen. Solche endolysosomalen Funktionsstörungen spielen bei Parkinson eine zentrale Rolle, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Mutationen im GBA1-Gen. Durch eine fortgeschrittene MRT-Technik wollen die Forschenden die Anreicherung bestimmter Substanzen sowie Veränderungen des Säuregehalts innerhalb der Lysosomen messen und abbilden.
Das Projekt MiND15 (Förderung: 400.000 US-Dollar) setzt bei einem weiteren Schlüsselmechanismus an: Störungen der Mitochondrien, der „Energie-Kraftwerke“ der Zellen. Sie zählen zu den frühesten Veränderungen bei Parkinson, häufig bevor typische körperliche Symptome auftreten. Das Forschungsteam arbeitet an einem MRT-basierten Verfahren, das mithilfe einer speziell markierten Form von Vitamin B3 (Nicotinamid) frühe Störungen des Energiestoffwechsels im Gehirn sichtbar machen kann. Projektpartner ist hier Prof. Dr. Jan Bernd Hövener, Leiter der Sektion für Biomedizinische Bildgebung in der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am UKSH, Campus Kiel, und Professor für Translationale Magnetresonanztomographie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Beide Methoden werden zunächst im Labor getestet. Falls sie sich als erfolgreich erweisen, sollen sie für eine sichere Anwendung beim Menschen angepasst und in ersten klinischen Studien erprobt werden.
Wer die Parkinson-Forschung am Campus Lübeck unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, an einer weiteren klinischen Studie teilzunehmen: Im Projekt „Meta-AdvanceND“ werden ebenfalls bildgebende Verfahren eingesetzt, um die Krankheitsbiologie bei Patientinnen und Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer nachzuweisen. Weitere Informationen zur Teilnahme erhalten Interessierte im Studienzentrum der Klinik für Neurologie, Tel.: 0451 500-43440, neuro.MetaAdvanceND@uni-luebeck.de
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Neurologie, PD Dr. Jannik Prasuhn, Jannik.Prasuhn@uksh.de
PD Dr. Jannik Prasuhn (re.) und Norman Griebner werten innovative MRT-Sequenzen aus, die biologisch- ...
Copyright: UKSH
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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