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Er ist einer der weltweit führenden klinischen Forscher auf dem Gebiet der Tuberkulose (TB): Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Lange wurde mit dem DZIF-Preis für translationale Infektionsforschung 2025 ausgezeichnet. Der Preis würdigt Christoph Langes herausragenden Beitrag zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Tuberkulose, insbesondere von antibiotikaresistenten Formen. Anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie (PEG) fand die Preisverleihung am 24. Februar 2025 in Bonn statt.
Christoph Lange forscht seit mehr als zwei Jahrzehnten zu Tuberkulose und gehört zu den führenden Experten auf diesem Gebiet. Als Professor für Respiratory Medicine & International Health an der Universität zu Lübeck und als Medizinischer Direktor des Forschungszentrums Borstel, des Leibniz Lungenzentrums, steht Christoph Lange mit seinen Kolleginnen und Kollegen für Translation ein: für den Gewinn wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Grundlagenforschung und deren Umsetzung in die klinische Praxis.
Langes Forschungsschwerpunkte und translationale Arbeit
Christoph Lange erkannte früh, dass eine effektive Bekämpfung der TB nur in international vernetzten Strukturen möglich ist. Seine translationale Arbeit umfasst den Aufbau internationaler Netzwerke wie TBnet, einer Plattform, die heute zu den größten unabhängigen Forschungsnetzwerken für Tuberkulose weltweit zählt. Darüber hinaus widmete er sich der Entwicklung und Validierung klinisch relevanter Biomarker in der DZIF-Infrastruktur ClinTB sowie DZIF-Projekten zu Personalisierter Medizin. Seine Arbeiten zur Etablierung evidenzbasierter TB-Therapiekonzepte flossen unmittelbar in die Leitlinien der WHO ein. Mit großem Engagement beteiligte er sich zudem am Aufbau osteuropäischer Studienzentren.
Des Weiteren trägt Professor Lange als klinischer Leiter dazu bei, dass im DZIF-geförderten IMI-EU-Projekt UNITE4TB eine Studienplattform für die Entwicklung kürzerer und wirksamerer TB-Therapien aufgebaut wird – alles unter der Prämisse, Grundlagenforschung und klinische Versorgung von Patientinnen und Patienten eng miteinander zu verzahnen.
Unter Langes Führung konnten über TBnet seit 2006 erste europaweite Kohorten aufgebaut werden, in denen erstmalig die weite Verbreitung resistenter Mycobacterium tuberculosis-Stämme in osteuropäischen Ländern nachgewiesen wurde. Die Forschungsergebnisse führten dazu, dass die WHO-Definitionen für Behandlungsergebnisse der Tuberkulose überarbeitet wurden und belegten, dass eine individualisierte Behandlung der TB gegenüber standardisierten „One-fits-all-Therapien“ überlegen sind.
Im Rahmen von ClinTB wurde eine sogenannte prospektive nationale Kohorte aufgebaut, anhand derer Therapieverläufe unter idealen Bedingungen analysiert und Biomarker für eine individualisierte Therapie identifiziert werden sollten. Und dies gelang Dr. Maja Reimann in Christoph Langes Team: Momentan wird ein Biomarker wissenschaftlich überprüft, der nach ersten Ergebnissen das individuelle Therapieende des jeweiligen Patienten vorhersagt. Daneben konnten Biomathematikerinnen in Langes Team Biomarker identifizieren, um das Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen oder die Dauer der Ansteckungsfähigkeit vorherzusagen.
Gemeinsam mit Partnern in Moldau und der Ukraine wurden Behandlungsergebnisse der Antibiotika-resistenten Tuberkulose unter sich wandelnden Therapiebedingungen untersucht: Die Anwendung älterer Behandlungsmethoden resultierte in geringen Erfolgsraten, während eine modernere, Bedaquilin-basierte Therapie zu einem höheren Erfolg führte. Allerdings entstehen gleichzeitig immer mehr Resistenzen – u. a. gegen Bedaquilin. Entsprechende Studiendaten hatten direkten Einfluss auf die WHO-Richtlinien zur Behandlung der Antibiotika-resistenten Tuberkulose.
Das Projekt „UNITE4TB“, ein EU-IMI-Flagschiffprojekt, das Professor Lange als Clinical Lead gemeinsam mit Professor Michael Hölscher aus München mit koordiniert, stellt mit 180 Millionen Euro Förderung die umfangreichste Studienplattform in der Geschichte der TB-Therapien dar und wird vom DZIF kofinanziert. UNITE4TB hat zum Ziel, kürzere, wirksamere und verträglichere TB-Therapien zu entwickeln.
An den genannten Themen forscht Professor Lange vor allem im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und in internationalen Konsortien wie TBnet, anTBiotic, stool4TB, clickTB oder UNITE4TB. Für die International Union against Tuberculosis and Lung Diseases (The UNION) ist Professor Lange seit 2023 als Direktor und Generalsekretär in gewähltem Amt ehrenamtlich tätig.
Wissenschaftliche Ergebnisse als Basis für globale Behandlungsstrategien
Christoph Langes wissenschaftliche Stärke spiegelt sich auch in der Bilanz seiner Publikationen wider: Mit >470 peer reviewed Veröffentlichungen, davon viele in internationalen Spitzenjournalen, einem h-index von 98 und >37.500 Zitationen gehört Professor Lange zu den renommiertesten Tuberkuloseforschern weltweit. Als Erst- oder Seniorautor verfasste er für führende Fachzeitschriften wie dem New England Journal of Medicine, The Lancet und Nature Review Disease Primers Übersichtsarbeiten zur Antibiotika-resistenten Tuberkulose und war außerdem federführender Autor bei der Erstellung internationaler Leitlinien zum Management von Lungeninfektionen durch nicht tuberkulöse-Mykobakterien. In Deutschland ist Professor Lange Mitglied in der S2-Leitliniengruppe zur TB und als einziger Deutscher auch Mitglied der WHO-Leitlinienkommission für die Tuberkulosetherapie.
Christoph Lange engagiert sich neben der Forschung auch für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, etwa durch die Organisation der TBnet Academy oder internationaler Programme in Eswatini im südlichen Afrika. Auf internationaler Ebene ist Prof. Lange neben der Wissenschaft auch als Berater für die WHO, das US-amerikanische National Institute of Health oder Ärzte ohne Grenzen tätig und arbeitet mit Gesundheitssystemen auf allen Kontinenten, in Hochtechnologie- wie in Entwicklungsländern gleichermaßen. In diesen Funktionen sorgt Lange dafür, dass neueste Studienergebnisse in globale Strategien überführt werden und u. a. in medizinischen Leitlinien einfließen, die als Entscheidungshilfe für Ärzte und medizinisches Personal dienen.
Der DZIF-Preis für translationale Forschung
„Christoph Lange gehört zu den einflussreichsten klinischen Tuberkuloseforschern weltweit. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine klare strategische Linie aus und ist ein hervorragendes Beispiel für translationale Infektionsforschung“, betonte der DZIF-Vorstandsvorsitzende Prof. Dirk Busch in seiner Laudatio.
Mit dem DZIF-Preis für translationale Infektionsforschung zeichnet die DZIF Academy jedes Jahr wissenschaftlich herausragende Leistungen auf dem Gebiet der translationalen Infektionsforschung aus. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde Prof. Christoph Lange am 24. Februar 2026 in Bonn feierlich überreicht. Die Preisträger:innen der Vorjahre sind auf der Website der DZIF Academy zusammengestellt (https://www.dzif.de/de/dzif-academy).
Tuberkulose (TB) und speziell die gegenüber Antibiotika resistenten Ausprägungen stehen an der Spitze aller zum Tod führenden Infektionskrankheiten. Wie bei kaum einer anderen Erkrankung ist die Anzahl der Neuerkrankungen stark von sozialen Faktoren abhängig. Von der Weltgesundheitsorganisation wird Antibiotika-resistente Tuberkulose zu den größten Bedrohungen der weltweiten Gesundheit gezählt.
Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Lange
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
clange@fz-borstel.de
https://www.dzif.de/de/christoph-lange-erhaelt-den-dzif-preis-fuer-translational... DZIF-Pressemeldung mit Bild
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Medizin
überregional
Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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