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Wissenschaft
Langzeitstudie zeigt stabile Zustimmung zu CO₂-Preisen trotz steigender Energiepreise.
Trotz Energiekrise und stark gestiegener Preise bleibt die öffentliche Unterstützung für die CO₂-Bepreisung in Deutschland stabil. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue wissenschaftliche Studie eines Teams um Prof. Dr. Stephan Sommer, Professor und Nachhaltigkeitsbeauftragter im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Bochum. Bei der CO₂-Bepreisung handelt es sich um ein klimapolitisches Instrument, bei dem für den Ausstoß von Kohlendioxid ein Preis pro Tonne erhoben wird, um Anreize zur Emissionsminderung zu schaffen; ob und in welcher Form dieses Instrument eingesetzt wird, hängt in vielen Ländern maßgeblich von der öffentlichen Unterstützung ab und ist international sehr unterschiedlich geregelt.
Die Forschenden analysieren auf Basis eines Längsschnittdatensatzes, wie sich die öffentliche Unterstützung für CO₂-Preise und die Präferenzen für die Verwendung der daraus erzielten Einnahmen zwischen 2019 und 2022 in Deutschland entwickelt haben. Der Untersuchungszeitraum umfasst sowohl die Einführung und Erhöhung des nationalen CO₂-Preises im Verkehrs- und Wärmesektor als auch die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Insgesamt wurden etwa 4.000 Personen befragt, die jeweils an drei Zeitpunkten einen Fragebogen zu ihrer Einstellung zu CO₂-Bepreisung ausgefüllt haben.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Unterstützung für die CO₂-Bepreisung deutlich stabiler ist, als häufig angenommen wird – sie bricht auch unter stark gestiegenen Energiepreisen nicht ein“, so Stephan Sommer. Zu allen drei Befragungszeiträumen unterstützen rund 60 Prozent der Befragten niedrige CO₂-Preise im Rahmen von 10-30 Euro pro Tonne. Jeweils etwa 40 Prozent befürworten höhere Preise in Höhe von 50 Euro bzw. 100 Euro pro Tonne CO₂. Diese Anteile verändern sich kaum, obwohl der CO₂-Preis eingeführt und erhöht wurde und die Energiepreise 2022 stark anstiegen.
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass diese Stabilität nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gilt. Personen, die hohe Energiekosten tragen, reduzieren ihre Unterstützung für CO₂-Bepreisung signifikant. Veränderungen politischer Einstellungen oder der Akzeptanz des Klimawandels erklären dagegen kaum, warum sich individuelle Zustimmung im Zeitverlauf ändert. Stattdessen spielen konkrete Kostenbelastungen und Umweltbewusstsein eine zentrale Rolle.
Erwartungen an sozialen Ausgleich steigen
Deutlich stärker als die Haltung zum CO₂-Preis selbst änderte sich im Laufe der Befragung die Präferenzen für die Verwendung der Einnahmen aus der Bepreisung. Während Investitionen in Klimaschutz und grüne Infrastruktur weiterhin breite Unterstützung finden, ist ihre Zustimmung im Zeitverlauf zurückgegangen. Gleichzeitig gewinnt der soziale Ausgleich, insbesondere die gezielte Entlastung einkommensschwacher Haushalte, an Bedeutung. Vor allem bei Menschen mit hohen Energiekosten zeigt sich eine klare Verschiebung weg von grünen Investitionen hin zu direkten Entlastungen.
Aus Sicht der Autoren unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer anpassungsfähigen Ausgestaltung von Klimapolitik. Zwar erweist sich die öffentliche Unterstützung für die CO₂-Bepreisung als grundsätzlich widerstandsfähig, sie wächst jedoch nicht automatisch im Zeitverlauf. Um ihre politische Tragfähigkeit langfristig zu sichern, ist es daher entscheidend, steigende Belastungen ernst zu nehmen und die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung so einzusetzen, dass sie als fair und sozial ausgleichend wahrgenommen werden. Wie Sommer betont, ist es „aus politischer Sicht entscheidend, Unterstützung für eine umweltpolitische Maßnahme bereits vor ihrer Umsetzung zu erzeugen, da diese Unterstützung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch danach bestehen bleibt“.
Prof. Dr. Stephan Sommer
Hochschule Bochum
Am Hochschulcampus 1
44801 Bochum
stephan.sommer@hs-bochum.de
Stephan Sommer, Théo Konc, Stefan Drews: How resilient is public support for carbon pricing? Longitudinal evidence from Germany, Ecological Economics, Volume 244, 2026, 108970, ISSN 0921-8009, doi: https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2026.108970.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Energie, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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