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27.02.2026 10:37

Hochschule Luzern entwickelt KI zur Erkennung von Hautkrankheiten in Afrika

Stefanie Bucher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Luzern

    Die Hochschule Luzern (HSLU) entwickelt mit internationalen Partnern eine KI-basierte App zur Früherkennung vernachlässigter tropischer Hautkrankheiten (Haut-NTDs) in Subsahara-Afrika. Dafür wird gezielt Bildmaterial dunkler, in bestehenden Datenbanken stark unterrepräsentierter Hauttypen erfasst und zum Training der KI verwendet. Ziel des Projekts ist es, die Diagnosen und Überwachung dieser Krankheiten in Regionen zu verbessern, in denen es an Fachpersonal für Hautkrankheiten mangelt oder der Zugang zur medizinischen Versorgung erschwert ist.

    Vernachlässigte tropische Hautkrankheiten (Haut-NTDs, siehe Box) treten vor allem in ländlichen Regionen südlich der Sahara (Subsahara) auf. Sie werden häufig zu spät erkannt und können unbehandelt schwere gesundheitliche Folgen sowie Stigmatisierung nach sich ziehen. Hier setzt das Projekt «SkincAIr» an: Ein internationales Konsortium, koordiniert von der Universidad Politécnica de Madrid (Technische Universität Madrid), bringt afrikanische und europäische Partner zusammen, um solche Krankheiten gezielt zu bekämpfen. Im Zentrum des von Horizon Europe finanzierten Forschungsprojekts steht eine von der Hochschule Luzern (HSLU) entwickelte KI, die Hautveränderungen auf Smartphone-Bildern analysiert und Gesundheitsfachkräfte vor Ort bei der Diagnose unterstützt. Teil des Projekts ist auch die gezielte Erhebung von Bildmaterial für das Training der KI, da für dunklere Hauttypen bisher nur wenige Daten vorliegen.

    Digitale Diagnostik für alle Hauttypen in abgelegenen Regionen
    Das für das Training der KI erhobene Bildmaterial stammt aus unterschiedlichen Regionen und deckt möglichst viele verschiedene Hauttypen, Altersgruppen und kulturellen Hintergründe ab. Dadurch wird sichergestellt, dass unterschiedlichste Personengruppen gleichermassen korrekt diagnostiziert werden können.
    Ein weiterer Vorteil für die abgelegenen Regionen: Die App ist als kostenfreie Software konzipiert und kann auch ohne Internetverbindung genutzt werden. Alle gesammelten Daten werden automatisch synchronisiert, sobald wieder eine Verbindung verfügbar ist.

    "Unsere KI wird helfen, NTD-Hautkrankheiten früher zu erkennen, die Übertragungsrate senken und Patientinnen und Patienten schneller behandeln. Das entlastet die lokale Gesundheitsinfrastruktur und verbessert die Versorgung entscheidend," sagt Gil Sharvit, Projektverantwortlicher bei der HSLU.

    Erfolgreiche Testphase
    Die SkincAIr-App wird derzeit in fünf Ländern getestet: Kenia, Senegal, Äthiopien, Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo. Vor Ort unterstützen lokale Kliniken und Forschungseinrichtungen die Datenerhebung für die App. Bis jetzt wurden bereits über 7000 Bilder von Hautkrankheiten sorgfältig dokumentiert. Ziel ist es, die grösste offene Sammlung von Hautbildern in Subsahara-Afrika aufzubauen und sicherzustellen, dass die App in echten klinischen Situationen zuverlässig funktioniert. Dabei wird darauf geachtet, dass die App für die Gesundheitsfachkräfte vor Ort einfach zu bedienen ist.

    Daten stehen allen zur Verfügung
    Alle Daten werden unter Einhaltung ethischer Standards, der Verfahren zur informierten Einwilligung und strenger Anonymisierungsprotokolle weitergegeben. Sie stehen Forschenden weltweit frei zur Verfügung, mit dem Ziel, den grössten öffentlich zugänglichen Datensatz zu vernachlässigten tropischen Hautkrankheiten aufzubauen. So kann die Lösung in anderen Ländern weiterentwickelt und auf weitere Krankheiten ausgeweitet werden kann. Neben der KI liegt ein Schwerpunkt auf der Ausbildung von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen vor Ort, um die Versorgung zu verbessern und die Früherkennung von Hautkrankheiten langfristig zu stärken.

    Box:

    Neglected tropical diseases (NTD)
    Vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs) sind eine Gruppe von Krankheiten, die vor allem arme Menschen in tropischen Regionen betreffen. Im Gegensatz zu AIDS oder Malaria erhalten NTDs weniger Aufmerksamkeit und Forschungsgelder. Haut-NTDs sind eine Untergruppe dieser Krankheiten, die sich durch sichtbare Veränderungen an der Haut äussern können. Dazu gehören unter anderem die durch Parasiten übertragenen Krankheiten wie Leishmaniose, Flussblindheit und Krätze.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Hochschule Luzern – Technik & Architektur
    Gil Sharvit, Projektleitung HSLU (EN)
    T +41 41 349 32 88, E-Mail: gil.sharvit@hslu.ch


    Weitere Informationen:

    https://skincair.health


    Bilder

    Leprosy in DR Congo - 2013
    Leprosy in DR Congo - 2013
    Quelle: Harandane Dicko
    Copyright: World Health Organization


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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