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27.02.2026 12:32

Gewalt gegen Frauen und Gewaltschutz im Frankfurter Bahnhofsviertel

Friederike Mannig Kommunikation
Frankfurt University of Applied Sciences

    Johanna-Kirchner-Preis 2025 der AWO Frankfurt und der Frankfurt UAS geht an Bachelor-Absolventin Amelie Weßbecher.

    Gerade Frauen in prekären Lebenslagen sind überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen und haben oft zugleich erschwerten Zugang zu Schutz- und Hilfsangeboten. Armut, Wohnsitzlosigkeit oder gesundheitliche Belastungen erhöhen das Risiko von Gewalt und gehen vielfach mit sozialer Unsichtbarkeit und institutionellen Ausschlüssen einher. Besonders deutlich wird dies in urbanen Räumen wie dem Frankfurter Bahnhofsviertel, in dem sich soziale Problemlagen in besonderer Weise verdichten. Fragen eines wirksamen und niedrigschwelligen Gewaltschutzes berühren hier zentrale Herausforderungen der Sozialen Arbeit und der kommunalen Verantwortung. Vor diesem Hintergrund wurde am 13. Februar der Johanna-Kirchner-Preis 2025 an Amelie Weßbecher verliehen. Sie erhält den Preis, der in diesem Jahr zum 15. Mal von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt und der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) verliehen wurde, für ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Gewalt gegen Frauen* und Gewaltschutz: Gewaltschutz für wohnungslose und substanzgebrauchende Frauen* im Frankfurter Bahnhofsviertel realisieren“[1]. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

    „Wir möchten mit dem Johanna-Kirchner-Preis herausragende Arbeiten würdigen, die einen Beitrag zur Gestaltung der Sozialen Arbeit leisten“, erläutert Axel Dornis, Vorstandsvorsitzender der AWO Frankfurt die Motivation für die Verleihung, „Denn unser Interesse als Wohlfahrtsverband geht über die tägliche Arbeit hinaus: Um wirklich etwas zu ändern, ist uns daher nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch die Forschung dazu wichtig. Um eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu schaffen und um die Beteiligten auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand zu halten.“

    „Der Johanna-Kirchner-Preis macht sichtbar, wie eng wissenschaftliche Qualifikation und gesellschaftliche Verantwortung in der Sozialen Arbeit miteinander verbunden sind“, betont Prof. Dr. Barbara Klein, Dekanin des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. „Die ausgezeichnete Arbeit von Amelie Weßbecher zeigt exemplarisch, wie wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten relevante soziale Probleme sichtbar machen und wichtige Impulse für Praxis, Forschung und öffentliche Diskussion liefern. Solche Arbeiten sind für die Hochschule und weit darüber hinaus von großer Bedeutung.“

    Die Jury, bestehend aus Mitgliedern des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS sowie der AWO Frankfurt, überzeugte insbesondere die enge Praxis- und Regionalnähe der Arbeit. Am Beispiel eines Fallbeispiels aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel macht Weßbecher die Lebensrealitäten wohnungsloser und substanzgebrauchender Frauen anschaulich und greifbar. Der regionale Bezug wird durch die eigene Praxiserfahrung der Autorin, die selbst als Sozialarbeiterin in der Drogenarbeit tätig ist, zusätzlich vertieft. Deutlich wird dabei der Widerspruch zwischen dem staatlichen Anspruch auf Schutz vulnerabler Gruppen und den real oft unzureichenden Zugängen zu Gewaltschutz für Betroffene im urbanen Raum.

    Darüber hinaus überzeugte die Arbeit, die von Prof. Dr. Kathrin Schrader, Professorin für Menschen in prekären Lebenslagen in der Sozialen Arbeit, betreut wurde, durch ihre hohe Aktualität und wissenschaftliche Qualität. Weßbecher greift aktuelle rechtliche Entwicklungen wie das 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz sowie internationale Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention auf und fragt nach deren Bedeutung für die Soziale Arbeit vor Ort. Theoretisch fundiert und begrifflich präzise verbindet sie unterschiedliche Ansätze, entwickelt eigene Konzepte wie die „Vulnerabilitätsspirale“ und leitet konkrete Handlungsempfehlungen ab – von partizipativen Bedarfserhebungen bis zur Forderung, Gewaltschutz als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu begreifen.

    Über den Johanna-Kirchner-Preis:

    Seit 2011 vergeben die AWO Frankfurt und die Frankfurt UAS gemeinsam den Johanna-Kirchner-Preis für herausragende Abschlussarbeiten der Frankfurt UAS in den Bereichen Altenhilfe, Kinder- und Jugendarbeit oder Straffälligenhilfe. Benannt ist der Preis nach Johanna Kirchner (1889–1944), Kommunalpolitikerin, Antifaschistin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, die 1944 hingerichtet wurde. Ihr Engagement – unter anderem beim Aufbau der Arbeiterwohlfahrt, bei der Organisation von Schulkinderspeisungen sowie der sogenannten Ruhrkinderaktion, die Kindern arbeitsloser Familien Erholungsaufenthalte in Frankfurt und der Schweiz ermöglichte – steht bis heute für eine mutige, praktische Übernahme sozialer Verantwortung.

    Weitere Informationen zum Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS unter http://www.frankfurt-university.de/fb4.

    [1]: In ihrer Arbeit verwendet die Preisträgerin die Schreibweise „Frauen*“, um Personen einzuschließen, die sich als Frauen definieren. In dieser Pressemitteilung wird aus formalen Gründen die Bezeichnung „Frauen“ verwendet.


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