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27.02.2026 12:46

Abholzung führt zu mehr Extremwetterereignissen im Amazonasgebiet

Dr. Denise Müller-Dum Kommunikation
Max-Planck-Institut für Meteorologie

    Wenn der Amazonas-Regenwald komplett abgeholzt würde, gäbe es dort mehr Extremniederschläge, Hitzestress und hohe Windgeschwindigkeiten. Das zeigt eine aktuelle Studie, die auf Simulationen mit einem Klimamodell auf der Kilometerskala beruht.

    Aus der Vogelperspektive zeigt sich der Amazonas-Regenwald als sattgrünes Mosaik aus Baumkronen, so weit das Auge reicht. Hier sind unzählige Tier- und Pflanzenarten zu Hause – viele endemisch –, und als Kohlenstoffspeicher spielt der Wald eine wichtige Rolle für das globale Klima. Doch durch Rodung droht dieses einzigartige Ökosystem seine wichtigen Funktionen zu verlieren. Ein Fünftel des Gebiets wurde bereits abgeholzt, und ein Ende dieser intensiven Nutzung ist nicht in Sicht. Dies hat schwerwiegende Folgen für die Biodiversität und das globale und regionale Klima. Mithilfe einer neuartigen Klimasimulation auf der Kilometerskala zeigt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M), der Universität Hamburg und des Institute of Science and Technology Austria: Extremniederschläge, Hitzestress und Windgeschwindigkeit nehmen in einem Szenario mit kompletter Abholzung deutlich zu und erschweren eine mögliche Erholung des Waldes.

    Die Untersuchung wurde von Arim Yoon und Cathy Hohenegger (beide MPI-M) geleitet und baut auf einer früheren Studie der beiden Forscherinnen auf. Diese hatte anhand von globalen Simulationen im Kilometermaßstab gezeigt, dass sich der mittlere Jahresniederschlag im Amazonasgebiet selbst bei kompletter Abholzung nicht ändern würde. Dass die Situation bei Extremereignissen jedoch anders ist, wiesen die Forscherinnen in der aktuellen Studie anhand der gleichen Simulationen nach. Die hohe Modellauflösung von fünf Kilometern und die detaillierte Darstellung der Prozesse, die zur Niederschlagsbildung führen, waren dabei essentiell, um die kurzfristigen und kleinräumigen Extremwetterereignisse untersuchen zu können.

    Mehr Wolkenbrüche, mehr Hitze und heftigerer Wind

    Die Analyse ergab, dass in einem Szenario, in dem der Regenwald komplett abgeholzt ist, die Verteilung des stündlichen Niederschlags extremer wird: Heftige Regenfälle mit mehr als 50 Litern pro Stunde nehmen um 54 Prozent zu, niederschlagsfreie Stunden sogar um 173 Prozent. Zudem steigt im Vergleich mit einem intakten Wald die Temperatur um fast vier Grad Celsius. Temperaturschwankungen fallen stärker aus, und auch extreme Windgeschwindigkeiten sind häufiger.

    „Tropische Pflanzen sind eigentlich angepasst an relativ konstante Niederschläge und geringe Temperaturschwankungen“, sagt Erstautorin Arim Yoon. „Wenn Extreme zunehmen, kann das die Erholung des Waldes sehr schwierig machen.“
    Auch für die in der Region lebenden Menschen steigt die Belastung, wie die Autor*innen anhand verschiedener Hitzestress-Indizes nachweisen. Der einzige Indikator, der nicht zunimmt, ist die sogenannte Kühlgrenztemperatur, die auch Veränderungen der Luftfeuchtigkeit berücksichtigt. In diesem Fall wird der Temperaturanstieg durch die trockeneren Bedingungen nach der Entwaldung ausgeglichen.

    Die Analyse zeigt auch, warum die Extreme zunehmen. Nach der Abholzung sinkt die Evapotranspiration, also der von Pflanzen vermittelte Feuchtigkeitstransport vom Land in die Atmosphäre. Daher ist es grundsätzlich trockener, es gibt weniger Konvektion und Perioden ohne Regen nehmen zu. Stärkere Aufwinde aufgrund großräumiger Konvergenz führen jedoch zu intensiveren Niederschlägen. Der Temperaturanstieg ist auf eine geringere Evapotranspiration und eine entsprechende Zunahme der fühlbaren Wärme zurückzuführen. Und die stärkeren Windgeschwindigkeiten kommen zustande einerseits, weil die Bäume fehlen, um die Luft „zu bremsen“, andererseits tragen Abwinde aus den intensiveren Gewitterzellen dazu bei.

    Über diese Extreme geben langfristige oder großräumige Mittelwerte keine Auskunft. Den Forschenden zufolge ist es deshalb wichtig, bei der Bewertung der Veränderungen verschiedene Indikatoren in Betracht zu ziehen und Werkzeuge zu nutzen, die auch solche schnellen und kleinräumigen Schwankungen erfassen. Auch wenn die aktuellen Erkenntnisse auf einem hypothetischen Szenario beruhen, liefern sie dennoch eine klare Warnung vor den Folgen eines fortschreitenden Waldverlusts im Amazonasgebiet.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Arim Yoon, Max-Planck-Institut für Meteorologie: arim.yoon@mpimet.mpg.de
    Dr. Cathy Hohenegger, Max-Planck-Institut für Meteorologie: cathy.hohenegger@mpimet.mpg.de


    Originalpublikation:

    Yoon, A., Hohenegger, C., Bao, J., and Brunner, L. (2026): Extreme events in the Amazon after deforestation, Earth Syst. Dynam., 17, 167–179, https://doi.org/10.5194/esd-17-167-2026.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geowissenschaften, Meer / Klima, Physik / Astronomie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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