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02.03.2026 13:46

Wasserstoffhochlauf zwischen Anspruch und Realität

OTH Regensburg Stabsstelle Kommunikation
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

    Bei der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz an der OTH Regensburg tauschten Politik, Forschung und Industrie ihre Ansichten, Erfahrungen und Zukunftserwartungen rund um den nachhaltigen Energieträger aus.

    Der Wasserstoffhochlauf ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Eröffnung der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz an der OTH Regensburg. Unter dem Leitthema „Wasserstoffhochlauf – Herausforderungen und Perspektiven“ diskutierten am 24. und 25. Februar rund 150 Teilnehmende aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Verwaltung über Wege in eine klimaneutrale Energiezukunft. Unterstützt wird diese zweitägige Veranstaltung von der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, der Bayern Innovativ GmbH und dem Zentrum Wasserstoff Bayern (H2.B).

    Bereits im Foyer wurde deutlich: Die Konferenz ist nicht nur Diskussionsplattform, sondern Vernetzungsraum. Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Unternehmen kamen miteinander ins Gespräch, informierten sich an Ständen, unter anderem zum Wasserstoff-Technologie- und Anwenderzentrum (WTAZ) in Pfeffenhausen, und tauschten sich über konkrete Projekte wie Bürgerenergie-Ansätze in Regensburg aus. Eigens gebackene „H2-Kekse“ und ein „H2-Kuchen“ setzten einen augenzwinkernden Akzent. Eine Simultanübersetzung ins Tschechische unterstrich zudem die internationale Ausrichtung der Veranstaltung.

    Die Konferenzreihe wurde 2012 von Michael Sterner initiiert, der am Eröffnungstag die Moderation übernahm und die fachlichen Hintergründe der Referierenden einordnete.

    OTH Regensburg treibt Wasserstoffhochlauf mit Leuchtturmprojekt voran

    Prof. Dr. Ralph Schneider, Präsident der OTH Regensburg, betonte in seinem Grußwort die Rolle der Hochschule als Brücke zwischen Forschung und Anwendung: „Der Wasserstoffhochlauf ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften sehen wir unseren Auftrag darin, Forschungsergebnisse in die Wirtschaft zu transferieren, Innovationen zur Marktreife zu bringen und die Fachkräfte auszubilden, die diese Transformation tragen. Es geht nicht mehr nur um Strategiepapiere, es geht um Umsetzung, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit.“

    OTH-Präsident Schneider ging näher auf das Leuchtturmprojekt WTAZ ein, an dem die OTH Regensburg gemeinsam mit der Hochschule Landshut und der TH Ingolstadt Wasserstofftechnologien testet, weiterentwickelt und zusammen mit Industriepartnern zur Marktreife führt. Für das WTAZ hat die die OTH Regensburg Mitte Februar den Förderbescheid über rund 12,5 Millionen Euro erhalten. Am Stand im Foyer konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Projektkoordinatoren vernetzen.

    Grüner Wasserstoff zu teuer? Regulierung, Kosten und politische Stellschrauben

    Per Videobotschaft richtete Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, ein Grußwort an die Teilnehmenden. Er unterstrich, dass Wasserstoff ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der Klimaziele sei. Bayern sei mit seiner Wasserstoffstrategie 2.0 zwar gut aufgestellt, machte jedoch zugleich deutlich: Der Hochlauf kommt bislang langsamer voran, als erhofft.

    Silke Stahl vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ordnete die Lage aus Bundesperspektive ein. Die Bundesregierung halte am Wasserstoffhochlauf fest, betonte sie, arbeite jedoch an strukturellen und inhaltlichen Nachjustierungen. Die regulatorischen Anforderungen machten Projekte komplex und kostspielig. Grüner Wasserstoff sei weiterhin deutlich teurer als fossile Alternativen. Ambitionierte Ziele, etwa der Ausbau auf 10 Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030, stehen aktuell einer installierten Leistung von rund 200 Megawatt gegenüber. Zentrale Fragen seien daher: Wo kann Regulierung vereinfacht werden? Wie können öffentliche Mittel effizient eingesetzt werden? Und auf welche Märkte mit hoher Zahlungsbereitschaft sollte man sich zunächst konzentrieren?

    Auch Themen wie Netzdienlichkeit von Elektrolyseuren, auslaufende Netzentgeltbefreiungen sowie der künftige CO₂-Preis wurden intensiv diskutiert. Das geplante Wasserstoffbeschleunigungsgesetz soll Planungsverfahren verkürzen und Investitionssicherheit erhöhen.

    Dezentrale Elektrolyse als wirtschaftlicher „Gamechanger“

    Einen optimistischen Gegenpol zur komplexen Regulatorik setzte Dr. Tobias Brunner von der Hynergy GmbH. Er demonstrierte mit hoher fachlicher Tiefe, dass der Wasserstoffhochlauf in der Praxis bereits wirtschaftlich gelingen kann. Er zeigte auf, dass Wasserstoff in der Mobilität bereits heute wirtschaftlich betrieben werden könne – vorausgesetzt, technologische und strategische Stellschrauben würden konsequent genutzt.

    Am Beispiel des Standorts Pfeffenhausen zeigte er auf, wie durch ein jahrelang ausgefeiltes Konzept im Stromeinkauf – einer Kombination aus Stromhandel und Regelleistung – die strengen Kriterien für grünen Wasserstoff erfüllt werden können. Die dortige vollautomatisierte Anlage kommt ohne Personal vor Ort aus und produziert Wasserstoff zu Preisen, die bereits jetzt den Markthochlauf im Schwerlastverkehr ermöglichen.

    Brunner sprach sich zudem klar für die alkalische Elektrolyse aus: Diese sei nicht nur bewährt, sondern komme ohne kritische Rohstoffe wie Iridium oder bedenkliche PFAS-Verbindungen aus. Durch die Kombination von chinesischer Stack-Technologie im industriellen Maßstab mit deutschem Engineering lasse sich ein Preisniveau von rund 1.000 Euro pro Kilowatt Elektrolyseleistung realisieren. Mit Blick auf die kommende THG-Quote sieht Brunner die dezentrale Erzeugung als massiven Hoffnungsträger: Pfeffenhausen beweise, dass dieses Modell funktioniert. Im Verbund mit der OTH Regensburg, der Hochschule Landshut und der TH Ingolstadt verfüge man über ein schlagkräftiges Konsortium, um die Wasserstoffmobilität in der Region massiv voranzutreiben.

    Wasserstoff als geopolitischer Faktor

    Die außenpolitische Dimension beleuchtete Meik Clemens Laufer vom Auswärtigen Amt, der online zugeschaltet war. Wasserstoffdiplomatie gewinne angesichts globaler Lieferketten und geopolitischer Verschiebungen zunehmend an Bedeutung. Die Energiewende sei auch eine Frage strategischer Partnerschaften und der Reduzierung einseitiger Abhängigkeiten.

    In den Vorträgen und Wortmeldungen wurde deutlich: Der Wasserstoffhochlauf ist politisch gewollt, technologisch möglich, aber ökonomisch und regulatorisch anspruchsvoll. Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Finanzwelt betonten die Bedeutung verlässlicher politischer Entscheidungen. Gleichzeitig wurde auf die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels verwiesen, die langfristig um ein Vielfaches höher ausfallen könnten als heutige Investitionen.

    Am späten Nachmittag mündete der erste Konferenztag in eine Podiumsdiskussion, in der zentrale Spannungsfelder wie Markt versus Regulierung, Import versus inländische Produktion, sowie Geschwindigkeit versus Planungssicherheit noch einmal zugespitzt wurden.

    Am zweiten Konferenztag ging es in die Tiefen der Technologien – von Motoren über Pipelines bis hin zu Flugzeugen mit Brennstoffzellen und praktischen Beispielen wie dem Energie Areal Regensburg Ost der Bürgerenergiegenossenschaft BERR.

    Prof. Dr. Michael Sterner schloss optimistisch die Konferenz: „Es freut mich, dass unsere 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz wieder großen Anklang und viel Resonanz gefunden hat. Unser Industriepartner in Pfeffenhausen geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass Wasserstoff für die Mobilität bereits heute wirtschaftlich ist. Dennoch ist Wasserstoffhochlauf kein Selbstläufer. Er verlangt technologischen Fortschritt, politische Klarheit, wirtschaftlichen Mut und den engen Schulterschluss zwischen Forschung, Industrie und Staat.“ Er lud alle Teilnehmenden zur Folgekonferenz in zwei Jahren ein, sicherlich wieder mit Wasserstoffkuchen und viel Know-how und Networking.


    Bilder

    Bei der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz tauschten sich Expertinnen und Experten an der OTH Regensburg über neueste Forschungsprojekte sowie globale und regionale Strategien aus.
    Bei der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz tauschten sich Expertinnen und Experten an der OTH Rege ...
    Quelle: Sebastian Pieknik
    Copyright: pieknikphoto

    Bei der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz tauschten sich Expertinnen und Experten an der OTH Regensburg über neueste Forschungsprojekte sowie globale und regionale Strategien aus.
    Bei der 8. Regensburger Wasserstoffkonferenz tauschten sich Expertinnen und Experten an der OTH Rege ...
    Quelle: Sebastian Pieknik
    Copyright: pieknikphoto


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Energie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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