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2. März 2026 – Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen im jungen bis mittleren Erwachsenenalter und führt oft zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Trotz guter Therapieoptionen erhalten Patientinnen und Patienten in Deutschland nicht immer eine auf die individuelle Situation abgestimmte Therapie. Ein neues Projekt soll dies nun ändern, an dem auch das Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof (iisys) und die Ausgründung smartlytic GmbH beteiligt sind. Beginnend am 1. März 2026 werden über die nächsten 1,5 Jahre insgesamt 1000 Patientinnen und Patienten in das Projekt aufgenommen.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert das Innovationsfondsprojekt „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“ des LMU Klinikums München und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) sowie von weiteren Projektpartnern mit über 5 Millionen Euro. „Digitale Möglichkeiten können die Kopfschmerzversorgung entscheidend voranbringen“, sagt PD Dr. Ruth Ruscheweyh, DMKG-Präsidiumsmitglied und Leiterin des Projekt-Konsortiums am LMU Klinikum München.
Lücken in Migräneversorgung schließen
Das Ziel: MIGRA-MD soll mit digitalen Tools, multimodalen Lernmodulen und Verbesserung leitliniengerechter Therapieentscheidungen Lücken in der Migräneversorgung schließen. Im Projekt werden teilnehmende Fachärztinnen und -ärzte von der DMKG zur Migränebehandlung geschult. Sie erhalten im Arztportal des DMKG-Kopfschmerzregisters eine übersichtliche Darstellung der von Betroffenen vorab eingegebenen Informationen sowie Checklisten für die leitliniengerechte Diagnostik und medikamentöse Therapie. „Mit einer solchen Datengrundlage kann definitiv gezielter behandelt werden“, so Ruscheweyh.
Digitale Unterstützung der Patienten
Migräne-Betroffene, die an der Studie teilnehmen, dokumentieren ihre Kopfschmerzen digital mit der DMKG-App und einem Kopfschmerzfragebogen. Sie nehmen drei Behandlungstermine bei teilnehmenden Fachärztinnen und -ärzten wahr. Parallel nutzen sie die Online-Plattform MIGRA-MD Wissen mit kurzen Videos und Audios über Migräne, verstärkende Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten. Auch Anleitungen zur nichtmedikamentösen Migränevorbeugung stehen dort bereit, zum Beispiel zu Stressreduktion, Entspannungsverfahren und Bewegungstherapie. Diese Materialien wurden von Expertinnen und Experten speziell für MIGRA-MD entwickelt. Zusätzlich werden Teilnehmenden regelmäßig online „Meet-the-Expert“-Veranstaltungen zu Kopfschmerzthemen mit anschließender Fragerunde angeboten. PD Dr. Lars Neeb, Präsident der DMKG, ist überzeugt: „Wenn Betroffene gut über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten informiert sind, werden sie eher selbst aktiv und die Therapie wird wirksamer. Speziell dafür haben wir MIGRA-MD Wissen entwickelt.“
Digitale Infrastruktur aus Hof
Eine zentrale Rolle im Projekt übernehmen das Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof und die smartlytic GmbH, eine Ausgründung der Hochschule. Die Wissenschaftler sorgten für die Konzeption und Implementierung aller benötigten Softwarekomponenten. So wurde die bestehende DMKG-App und das Arztportal erweitert sowie das Portal zur Rekrutierung der Patientinnen und Patienten und das Portal „MIGRA-MD Wissen“ zur Verwaltung von Videos und Audios erstellt. Das Projektteam aus Hof bringt seine Expertise somit in den Bereichen digitale Gesundheitsanwendungen und Datenmanagement ein.
„Mit MIGRA-MD verbinden wir medizinische Leitlinienkompetenz mit moderner Datenanalyse. Unser Anspruch ist es, die im Versorgungsalltag entstehenden Daten so aufzubereiten, dass sie Ärztinnen und Ärzten konkrete, praxisnahe Unterstützung bieten“, erklärt Prof. Dr. Jörg Scheidt vom iisys der Hochschule Hof. Dabei achtet das Team besonders auf Datenschutz und eine nachhaltige technische Architektur, damit erfolgreiche Projektbausteine perspektivisch in die Regelversorgung überführt werden können. „Wir sind stolz darauf hier im Verbund mit hochkarätigen Projektpartnern wie der LMU München und den Universitätskliniken Rostock und Dresden zu agieren. Allein die Zusammenarbeit mit der LMU München und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. besteht nun bereits seit 8 Jahren“, so Prof. Scheidt weiter.
Hosting, Wartung und technischer Betrieb aller Komponenten erfolgt durch die smartlytic GmbH. „Diese Bestandteile bauen auf dem bekannten DMKG Kopfschmerzregister auf (www.kopfschmerzregister.de). Wir freuen uns, dass unser junges Unternehmen einmal mehr erfolgreich mit der Forschungsgruppe Analytische Informationssysteme der Hochschule Hof kooperieren konnte“, so Prof. Dr. Dirk Reinel, Geschäftsführer der smartlytic GmbH. „Das Projekt bietet die Chance zu zeigen, wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen konkret zur Verbesserung der Versorgung beitragen kann – und zwar nicht nur im Modellprojekt, sondern perspektivisch flächendeckend.“
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Ausgründung und medizinischen Partnern entsteht so ein interdisziplinärer Innovationsverbund, der wissenschaftliche Exzellenz mit praxisnaher Umsetzung verbindet.
Patientenrekrutierung startet am 1. März
Die Teilnahme inklusive Nachbeobachtung dauert insgesamt 13 Monate. Patientinnen und Patienten werden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt, die eine Gruppe beginnt unmittelbar mit der Behandlung, die andere mit einer Verzögerung von drei Monaten. Ab dem 1. März 2026 werden Betroffene in das Programm aufgenommen. Die Plattform https://mitmachen.migra-md.de informiert über das Projekt und prüft anhand von Fragen die Eignung von Interessierten. Teilnehmen können gesetzlich krankenversicherte Erwachsene mit Migräne, die regelmäßig zwischen vier und 25 Kopfschmerztage pro Monat haben und nicht mehr als zwei migräneprophylaktische Medikamente ohne Erfolg angewendet haben. Wer für die Teilnahme in Frage kommt, wird von einer Studienassistenz und einem Studienarzt des LMU Klinikums kontaktiert, detailliert über die Studie aufgeklärt und bei Erfüllung aller Einschlusskriterien in die Studie aufgenommen.
Überführung in die Regelversorgung
Zeigt die Evaluation von MIGRA-MD eine nachhaltige Verbesserung in Bezug auf Kopfschmerzhäufigkeit und Beeinträchtigung im Alltag, kann eine Überführung in die Regelversorgung empfohlen werden.
Die MIGRA-MD Projektpartner
Die Konsortialführung liegt beim LMU Klinikum München. Als Konsortialpartner sind beteiligt: die DMKG e.V., das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald, das Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, die smartlytic GmbH, die Universitätsmedizin Rostock, der Berufsverband Deutscher Neurologen e.V., das Koordinierungszentrum für klinische Studien der Technischen Universität Dresden, sowie als Konsortialkassen die BARMER und die AOK Bayern. Die MigräneLiga e.V. unterstützt das Projekt als Kooperationspartner.
Ansprechpartnerin:
PD Dr. med. Ruth Ruscheweyh
LMU Klinikum München
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Ziemssenstr. 1
80366 München
ruth.ruscheweyh@med.uni-muenchen.de
Tel. 089 4400-52455
https://mitmachen.migra-md.de
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de) ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärztinnen und Ärzte sowie Fachkräfte aus Psychologie, Physiotherapie, Pflege und weiteren Fächern organisiert sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen Millionen Betroffenen in Deutschland mit akuten und chronischen Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe. Sie veranstaltet den Kopfschmerzkongress (zweijährlich) und gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen Schmerzkongress (jährlich).
LMU Klinikum München
Das LMU Klinikum zählt zu den größten Universitätsklinika in Deutschland und Europa. Jährlich vertrauen über 500.000 Patientinnen und Patienten der Kompetenz, Fürsorge und dem Engagement unserer 11.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 49 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie 63 interdisziplinären Zentren.
Herausragende Einrichtungen am LMU Klinikum sind unter anderem das onkologische Spitzenzentrum CCC-M und Bayerns größtes Transplantationszentrum TxM.
Das LMU Klinikum ist als einziges Klinikum an allen acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung beteiligt. Die Medizinische Fakultät und das LMU Klinikum leisten einen maßgeblichen Beitrag zur Exzellenzstrategie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.lmu-klinikum.de
Prof. Dr, Jörg Scheidt
+49 9281 409 - 4640
joerg.scheidt(at)hof-university.de
Prof. Dr. Dirk Reinel (Geschäftsführer "smartlytic GmbH", li.) und Prof. Dr. Jörg Scheidt (Institut ...
Quelle: Hochschule Hof
Copyright: Hochschule Hof
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch

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