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Auch wenn aktuell die Zahlen für 2025 noch nicht vollständig vorliegen, zeichnet sich ab, dass die kommunalen Kernhaushalte in Deutschland ein Finanzierungsdefizit von rund 28-30 Milliarden Euro aufweisen werden – der höchste Wert seit Bestehen der Bundesrepublik. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat die ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft einen inter- und transdisziplinären Arbeitskreis gegründet, der Vorschläge für eine grundlegende Reform des kommunalen Aufgaben-, Ausgaben- und Einnahmensystems erarbeiten soll.
Das aktuelle Rekordminus ist Ausdruck einer seit Jahren bestehenden strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen. Zwar stiegen die kommunalen Einnahmen von 2023 auf 2024 um 3,5 Prozent, gleichzeitig erhöhten sich die Ausgaben jedoch um 8,9 Prozent – eine Entwicklung, die die Finanzierungslücke weiter vergrößerte.
Kommunen tragen mehr als ein Viertel der Ausgaben des öffentlichen Gesamthaushalts (ohne Sozialversicherungen), verfügen jedoch lediglich über knapp 16 Prozent der Steuereinnahmen (Datenstand 2024). Das daraus resultierende Ungleichgewicht des Haushalts führt dazu, dass Städte, Gemeinden und Landkreise regelmäßig auf Zuweisungen anderer staatlicher Ebenen angewiesen sind. Ihre finanzielle Handlungsfähigkeit bleibt dadurch strukturell eingeschränkt.
Trotz der sich zuspitzenden Haushaltslage sind seitens der Politik bislang keine konkreten Reformschritte erkennbar, die über allgemeine Ankündigungen hinausgehen. Eine systematische Neuordnung der Aufgaben- und Einnahmenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen steht weiterhin aus.
Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des ARL-Arbeitskreises „Reform der Kommunalfinanzen – Lösungen zur strukturellen Krise kommunaler Haushalte“ innerhalb von drei Jahren eine fundierte Status-quo-Analyse vorzulegen und darauf aufbauend praktikable Reformvorschläge zu entwickeln.
Die Leitung des Arbeitskreises übernehmen Prof. Dr. Ivo Bischoff von der Universität Kassel und Prof. Dr. Thomas Döring von der Hochschule Darmstadt. Beide sind ausgewiesene Experten für öffentliche Finanzen. Dem Gremium gehören insgesamt dreizehn Fachleute aus Wissenschaft und Praxis an, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Finanzwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Politikwissenschaft, Raumplanung und kommunalen Praxis.
„Die ARL mit ihrer inter- und transdisziplinären Ausrichtung, die sich auch in der Zusammensetzung des neu eingerichteten Arbeitskreises spiegelt, ist geradezu prädestiniert dafür, sich durch die Formulierung von nachhaltigen Lösungen zur Überwindung der massiven Finanzkrise der Kommunen an der notwendigen Reformdiskussion aktiv zu beteiligen“, betont Thomas Döring.
Ivo Bischoff ergänzt: „Bei der Suche nach Lösungen brauchen wir eine gute Portion out of the box- Denken.“
Die konstituierende Sitzung fand am 27. und 28. Februar 2026 statt. In den kommenden drei Jahren sollen wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Reformoptionen entwickelt werden, die in die bundesweite Debatte um die Zukunft der Kommunalfinanzen eingebracht werden können.
Weitere Informationen zum Arbeitskreis finden Sie auf der Website der ARL: https://www.arl-net.de/de/projekte/reform-der-kommunalfinanzen
Dr. Martina Hülz
martina.huelz@arl-net.de
https://www.arl-net.de/de/content/martina-h%C3%BClz
https://www.arl-net.de/de/projekte/reform-der-kommunalfinanzen Zur Website des Arbeitskreises
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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