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Ein internationales Team von Paläontolog:innen, unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin, entdeckt eine neue Art eines frühen Landwirbeltiers aus Brasilien: Tanyka amnicola. Das Amphib lebte vor rund 275 Millionen Jahren und zeichnet sich durch einen einzigartigen, verdrehten Kiefer mit seitlich ausgerichteten Zähnen aus, der auf eine pflanzenfressende Lebensweise hindeutet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.
Gefunden wurden neun isolierte Unterkiefer, jeweils etwa 15 Zentimeter lang. „Wir erforschen seit 15 Jahren im Rahmen einer internationalen Kooperation mit Forschenden aus Brasilien, Argentinien, Südafrika, USA, Großbritannien und Deutschland, die zuvor kaum bekannte fossile Fauna und Flora des Parnaíba Beckens im Nordosten Brasiliens.
Ich hatte das Glück, bei einer unserer frühesten Expeditionen in diese Region den ersten Kiefer dieses neuen Landwirbeltiers zu finden“, so Prof. Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde Berlin. „Besonders spannend ist, dass man es selbst zu seinen Lebzeiten vor etwa 275 Millionen Jahren bereits als lebendes Fossil hätte bezeichnen können, da es zu einer archaischen Gruppe gehört, die eigentlich 30-50 Millionen Jahr früher lebte.“ Weitere Skelettteile konnten bislang nicht eindeutig zugeordnet werden. Dennoch geben die Kieferknochen aus der Pedra-de-Fogo-Formation in Brasilien wichtige Hinweise auf die Art und Lebensweise des Tieres. Der Name „Tanyka“ stammt aus der indigenen Guaraní-Sprache und bedeutet „Kiefer“, „amnicola“ verweist auf den Lebensraum an Flüssen und Seen.
Tanyka gehört zu den frühen Vertretern der Tetrapoden (Vierfüßer), die auch die heute lebenden Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere beinhalten. „Die verdrehten Kiefer schienen uns lange ungewöhnlich, aber alle Exemplare zeigen dasselbe Muster – es ist ein anatomisches Merkmal, keine Deformation,“ erklärt Dr. Jason Pardo, Erstautor der Studie.
Die Zähne zeigen seitlich nach außen, die Innenseite des Kiefers ist nach oben zum Gaumen gerichtet. Die Oberfläche ist mit kleinen Zähnchen besetzt, die wie eine Reibefläche wirken. Die Forschenden vermuten, dass die Zähne beim Schließen des Mauls aneinander rieben, wodurch zum Beispiel pflanzliche Nahrung zerkleinert werden konnte.
„Aufgrund der Zahnstruktur gehen wir davon aus, dass Tanyka zumindest zeitweise Pflanzen fraß“, sagt Prof. Juan Cisneros von der Bundesuniversität Piauí in Teresina, Brasilien. „Das ist überraschend, da die meisten seiner Verwandten Fleischfresser waren.“
Vor 275 Millionen Jahren gehörte das heutige Brasilien zum Südkontinent Gondwana, der große Teile Südamerikas, Afrikas, Australiens und der Antarktis umfasste. Fossilien aus dieser Zeit sind rar, sodass Tanyka neue Einblicke in die Struktur und das Zusammenwirken von Tiergemeinschaften dieser Epoche liefert.
„Die Pedra-de-Fogo-Formation bietet eines der wenigen Fenster in die Tierwelt Gondwanas während des frühen Perms. Tanyka zeigt uns, welche Tiere dort lebten und welche ökologischen Rollen sie einnahmen“, erklärt Dr. Kenneth Angielczyk, Mitautor der Studie.
Tanyka könnte bis zu einem Meter lang gewesen sein und in Seen oder Flussnähe gelebt haben. Weitere Funde, insbesondere Schädel oder zusammenhängende Skelettteile, könnten helfen, Körperbau und Lebensweise des Tieres vollständig zu rekonstruieren.
J. D. Pardo, C. A. Marsicano, R. M. H. Smith, J. C. Cisneros, K. D. Angielczyk, J. Fröbisch, C. F. Kammerer, and M. Richter (2026) An aberrant stem tetrapod from the early Permian of Brazil. Proceedings of the Royal Society B: Biological sciences. DOI: 10.1098/rspb.2025.2106
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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