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04.03.2026 15:25

Frauenfeindlichkeit und Hassbilder im Netz

Sabine Nitz Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing
Universität Siegen

    Unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr erforscht ein internationales Team in den Sozial-und Medienwissenschaften, wie frauenfeindliche Inhalte, insbesondere KI-generierte Bilder und Videos, über soziale Medien wie TikTok, Instagram oder X Jugendliche und junge Erwachsene beeinflussen.

    Zwischen Tanzvideos, Selfies und scheinbar lustigen Fotos tauchen in den Social-Media-Beiträgen junger Menschen immer häufiger Bilder auf, die mehr transportieren als Unterhaltung: subtile Abwertungen, stereotype Frauenbilder und visuell verpackte Hassbotschaften. Genau dort, wo sich digitale Alltagskultur abspielt – auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder X – setzt ein neues Forschungsprojekt der Universität Siegen an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr untersucht das EU-geförderte Projekt FEMVision, wie KI-generierte Bilder und Videos im Internet frauenfeindliche Darstellungen verbreiten und welche Wirkung sie auf junge Menschen haben.

    „Digitale Frauenfeindlichkeit zeigt sich heute subtil und visuell, etwa in Memes, Selfies oder Videos, die harmlos wirken, aber sexistisches, rassistisches oder antisemitisches Gedankengut transportieren“, erklärt Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr vom Sozialwissenschaftlichen Seminar der Universität Siegen. Als Projektleiterin bringt sie ihre Expertise als qualitative Methodenexpertin und visuelle Datenanalytikerin ein. „Mit FEMVision analysieren wir die Wirkmechanismen sol-cher Inhalte und mögliche gesellschaftliche Umgehensweisen in der Bildungsarbeit und im Kontext von Schulen und Institutionen.“

    Die Forschung stützt sich auf soziologische, qualitative Fallstudien und die Auswertung großer Datensätze aus den USA und Europa. In früheren Studien, darunter das EU-Verbundprojekt „Extreme Identities“, konnte man bereits zeigen, dass rechtsextreme Plattformen Jugendliche mit populär gestalteten subtil rassistischen Videos und Bildern ansprechen. Dazu gehören negative Feindbilder gegenüber feministischen Frauen und queeren Menschen sowie positiv gestaltete Bilder weißer Frauen in traditionellen Rollenbildern und als rechte Führungspersönlichkeiten. US-amerikanische Telegram-Kanäle posten z. B. Selfies von Politikerinnen wie der republikanischen Kongressabgeordneten Lauren Boebert, mal mit Maschinengewehr, mal im Ballkleid, kombiniert mit Hassbotschaften gegenüber Mitgliedern der demokratischen Partei. Deutsch-sprachige Plattformen der rechtsextremen Identitären Bewegung zeigen ähnliche Muster: rech-te Führungspaare inszenieren sich als „hip“ oder traditionsbewusst in Dirndl und Lederhose, während Negativbilder von bekannten linken oder grünen Politiker*innen, Minderheiten und queeren Menschen verbreitet werden. „Diese Selbstaufwertung der ‚richtigen‘ Frauen und Männer und die Abwertung liberaler, multikultureller oder queerer Gruppen dienen der Mobili-sierung rechtsextremer Affekte“, erklärt Nicole Milman-Dörr.

    In dem neuen Projekt stehen nun nicht mehr rechtsextreme oder religiöse Plattformen im Fokus, sondern die Forschenden schauen sich gezielt die gängigen digitalen Räume an, in denen junge Menschen von 18 bis 30 Jahren im Alltag unterwegs sind. Dazu gehören algorithmische Feeds (Beitragsströme), halbprivate Unterhaltungen und Gaming-Plattformen. „Das ist ein wenig erforschter, aber gesellschaftlich relevanter Bereich, in dem geschlechtsspezifische Feindseligkeit normalisiert wird“, so Nicole Milman-Dörr.

    Memes als lustig anmutende Fotos und Videos, spielen eine zentrale Rolle: Sie können überschneidende Botschaften wie Rassismus, Anti-Gender, Anti-Islam- und Antisemitismus transportieren. Beispielsweise werden europäische Politiker wie Angela Merkel oder Emmanuel Macron in Memes karikiert, um multikulturelle, queere oder liberale Politiker*innen als Bedrohung für „authentische“, christlich, weiße Familien und konservative Gesellschaften darzustellen. Gleichzeitig werden konservative, kinderreiche Familienmodelle als Ideal inszeniert.

    Mit dem Projekt FEMVision positioniert sich die Universität Siegen als zentraler Akteur in der Forschung digitaler Öffentlichkeit. Nicole Milman-Dörr: „Es geht uns auch darum, Medienkom-petenz, Präventionsstrategien und kritische Reflexionsfähigkeit junger Menschen zu stärken.“

    FEMVision vereint Universitäten und zivilgesellschaftliche Partner aus mehreren EU-Ländern, darunter der renommierte italienische Verlag Feltrinelli, die Multimedia Plattform „We are Europe“ und die Amadeu Antonio Stiftung. Neben der Universität Siegen sind die Universitäten Kopenhagen, Urbino, Uppsala, Ljubljana und Tallin beteiligt. Das Projekt wird mit 375.000 Euro von der EU gefördert und läuft über vier Jahre.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr
    Sozialwissenschaftliches Seminar
    E-Mail: Nicole.MilmanDoerr@uni-siegen.de


    Bilder

    Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr
    Prof. Dr. Nicole Milman-Dörr

    Copyright: Universität Siegen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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