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05.03.2026 10:15

Goodbye USA: Psychologin Dr. Stefanie Mayer forscht künftig in Ulm - Programm für internationale Wissenschaftsfreiheit

Christine Liebhardt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Ulm

    Nach 16 Jahren in den USA ist die Wissenschaftlerin Dr. Stefanie Mayer zurück nach Deutschland gekommen. An der Universität Ulm erforscht die Psychologin, wie Stress in der Kindheit langfristig die Gesundheit beeinflusst, und baut eine eigene Arbeitsgruppe auf, in der Interventionen entwickelt werden. Möglich wird das durch ein Sonderprogramm der Baden-Württemberg Stiftung, die die Forscherin mit rund 1,7 Millionen Euro fördert. Die Gründe für Mayers Heimkehr waren vielfältig.

    Was einst als Auslandssemester begann, sollte der Grundstein einer Karriere als Wissenschaftlerin in den USA werden: 2009 ging Stefanie Mayer, damals Studentin der Psychologie in Würzburg, an die University of Michigan, wo sie ihre Diplomarbeit schreiben wollte. Schnell war klar, dass sie länger bleiben möchte. „Mich haben das Land und die Forschung gereizt – ich wollte meinen PhD dort machen“, berichtet die Wissenschaftlerin. Sie blieb zunächst in Michigan, promovierte und ging 2017 schließlich als PostDoc in ihre Traumstadt San Francisco an die University of California, San Francisco (UCSF), wo sie 2021 Assistant Professor wurde. Mayer hat also ihr ganzes Forscherinnenleben in den USA verbracht, bevor sie sich entschloss, ihrer Wahlheimat den Rücken zu kehren und künftig an der Uni Ulm zu arbeiten.

    Eine Entscheidung, die ihr alles andere als leichtfiel. Und doch ist sie überzeugt: „Es musste sein, aus vielerlei Gründen.“ Da waren die politischen Maßnahmen, die die Wissenschaft insgesamt einschränken; da war die Schwierigkeit, Fördergelder für die eigene Forschung zu bekommen. Dazu kamen die extrem hohen Lebenshaltungskosten und Dr. Mayers persönliche Situation: Sie hatte mittlerweile geheiratet und eine Familie gegründet. Also streckte sie die Fühler nach Deutschland aus, und der Kontakt mit Professorin Iris-Tatjana Kolassa kam zustande. „Frau Dr. Mayer ist eine exzellente Nachwuchswissenschaftlerin, die aus einer renommierten Arbeitsgruppe nach Deutschland zurückkehrt und die in idealer Weise zu unserem Forschungsprofil passt“, so die Leiterin der der Abteilung Klinische und Biologische Psychologie am Institut für Psychologie und Pädagogik. „Es freut uns daher außerordentlich, dass sie sich für Ulm entschieden hat. Ich bin überzeugt, dass dies für beide Seiten ein großer Gewinn sein wird.“

    Den Neustart erleichtert hat Stefanie Mayer ein Sonderprogramm für internationale Wissenschaftsfreiheit der Baden-Württemberg Stiftung. Dessen Ansatz: Forschenden aus Ländern mit zunehmend eingeschränkter Wissenschaftsfreiheit wie etwa den USA Forschungsmöglichkeiten in Baden-Württemberg bieten. Die Stiftung finanziert dabei nicht nur die Stelle der oder des geförderten PostDocs, sondern auch eine eigene Nachwuchsgruppe an den Landesuniversitäten. So soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einer frühen Karrierephase ermöglicht werden, ein längerfristig ausgerichtetes Forschungsprojekt zu entwickeln und umzusetzen.

    „Mit dem Sonderprogramm Wissenschaftsfreiheit haben wir ein Programm aufgesetzt, um hochqualifizierte Forschende aus dem In- und Ausland gezielt zu unterstützen und Baden-Württemberg als Wissenschafts- und Innovationsstandort zu stärken“, sagt Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung. „Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes gesellschaftliches Gut. In einer Zeit, in der die Wissenschaftsfreiheit nicht nur in autoritären Staaten, sondern auch in freiheitlichen Demokratien unter Druck steht, ist es wichtig, schnell zu handeln und betroffene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angemessen zu fördern.“

    Von dieser Förderung profitiert jetzt auch Dr. Stefanie Mayer in der Abteilung Klinische und Biologische Psychologie: Sie forscht daran, wie sich Stress in der Kindheit auf die psychische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter auswirkt und möchte sich wieder stärker der psychotherapeutischen Forschung widmen: „Wissenschaft und Praxis ergänzen sich wechselseitig und liefern wichtige Impulse füreinander“, findet Mayer, die Wert darauf legt, Klinik und Forschung zu verbinden – ein Vorteil ihrer neuen Stelle an der Uni Ulm mit ihrer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz, an der die Wissenschaftlerin eine Studie durchführen wird. „Ich bin der Baden-Württemberg Stiftung und vor allem auch Professorin Iris-Tatjana Kolassa wahnsinnig dankbar für die Unterstützung beim Wechsel an die Uni Ulm“, so die Forscherin. „Sie war unglaublich nett, einladend und hieß mich hier herzlich willkommen.“ Besonders freut sich Mayer darüber, dass die Stiftung ihre Arbeitsgruppe mit einem PostDoc und zwei Promotionsstellen finanziert – mit rund 1,7 Millionen Euro im Zeitraum von 2025 bis 2031, positive Zwischenevaluation vorausgesetzt: „Das ist super!“

    Seit Ende vergangenen Jahres ist Dr. Stefanie Mayer an der Uni Ulm, aktuell stellt sie ihr Team zusammen und bereitet ihre Studie vor. Um depressive Patientinnen und Patienten mit Kindheitstraumata effektiv zu therapieren, will sie eine Gruppentherapie zur Behandlung stressbezogener Mechanismen entwickeln und testen. Dabei sollen unter anderem traumasensible Achtsamkeitsübungen zur Emotionsregulation, gesundheitsförderndes Verhalten sowie Elemente der Traumatherapie kombiniert werden.

    In Deutschland steht Dr. Stefanie Mayer zwar vor so mancher Herausforderung: Das wissenschaftliche System funktioniert hier anders, zahlreiche Prozesse unterscheiden sich grundlegend von denen in den USA. Doch sie ist überzeugt, den richtigen Schritt getan zu haben und freut sich auf ihr neues Leben und über die kurzen Wege in Ulm: „Die Stadt ist familienfreundlich und ich finde es schön, dass wir ländlich leben und ich gleichzeitig an der Uni arbeiten kann.“



    Zusatzinfo: Ulmer Universitätsmedizin fördert Rückkehrer*innen aus dem Ausland
    Die Nominierungsphase für das Sonderprogramm der Baden-Württemberg-Stiftung ist zwar beendet, jedoch bietet die Ulmer Universitätsmedizin aktuell eine eigene Förderung für Auslandsrückkehrer*innen an. Mit dem Programm „Junior Research Groups for International Returning Scholars“ will die Medizinische Fakultät exzellente, international ausgewiesene Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die derzeit im Ausland tätig sind, für einen Wechsel an die Universität Ulm gewinnen und ihnen attraktive Rahmenbedingungen zum Aufbau einer eigenständigen Forschungsgruppe bieten. Besonders angesprochen sind profilierte Nachwuchsforschende mit klarer Drittmittelperspektive. Erfolgreiche Kandidat*innen können eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen und erhalten ein „Startpaket“ von bis zu 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre. Bewerbungsschluss: 16. März 2026.


    Bilder

    Dr. Stefanie Mayer leitet eine Nachwuchsgruppe in der Abteilung Klinische & Biologische Psychologie am Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm
    Dr. Stefanie Mayer leitet eine Nachwuchsgruppe in der Abteilung Klinische & Biologische Psychologie ...
    Quelle: Elvira Eberhardt
    Copyright: Uni Ulm


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

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